Thema häusliche Gewalt gegen Männer in der SZ

Ich habe gerade einen Artikel auf Sueddeutsche.de entdeckt, der sofort mein Interesse geweckt hat:

http://sz.de/1.2390367

Das Thema „häusliche Gewalt gegen Männer“ finde ich spannend, da ich auch einmal geschlagen wurde von meiner gestörten Ex-Freundin. Leider ist der Artikel verwirrend, wenn man mich fragt. Der „Berater“ Jürgen Waldmann erklärt da folgendes:

Immer wieder berät Waldmann Männer, die als Kinder erlebten, wie der Vater die Mutter prügelte, und sich deshalb vorgenommen haben, ein ganz anderer Mann zu werden. Diese Männer seien oft unfähig, der Frau Grenzen zu setzen. Damit schließt sich der Kreis in der Gewalt zwischen den Geschlechtern.

Was will der Experte damit sagen? Es erleben die Männer Gewalt, die selber Zeuge männlicher Gewalt geworden sind. Das macht sie so soft, dass sie den Frauen keine Grenzen setzen können und deshalb werden sie geschlagen??!!!!

Zwei Dinge finde ich komplett beknackt an diesem Zitat:

  1. Ich bin ein Fan von Eigenverantwortung: Wendet ein Partner Gewalt an, ist das die Verantwortung des gewalttätigen Partners.
    Die Logik von Herrn Waldmann „verantwortlich für die Gewalt des Täters ist der Vater des Opfers“ ist mir persönlich zu hoch.
  2. Herr Waldmann berät männliche Gewaltopfer und kommt dabei zum Schluss, dass Gewalt letzendlich IMMER von Männer ausgeht. Also sagt der zu den Männern: „Sie erleben Gewalt, weil sie einfach zu weich sind. Schuld daran ist ihr prügelnder Vater“….Ja, nee, is’klar! Das braucht ein Gewaltopfer in dem Moment: Victim blaming in Reinform.
    Ähh, wie wäre es stattdessen mit: „Schuld an der Gewalt ist ihre prügelnde Frau! Erstatten Sie Anzeige und verlassen Sie das kranke Miststück!“
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4 Gedanken zu “Thema häusliche Gewalt gegen Männer in der SZ

  1. Hat dies auf annicagie rebloggt und kommentierte:
    Das Problem mit mangelnder Grenzsetzung würde ich auch Geschlechtsübergreifend sehen, was aber ein Kriterium ist, welches viele Opfer gemeinsam haben. Was ihnen allerdings keinesfalls die Schuld für die Tat gibt, denn damit versuchen sich Täter zu rechtfertigen, wie es in unserer Gesellschaft üblich ist von sich selbst abzulenken und der eigenen Verantwortlichkeit für das Handeln den anderen zu geben. Deshalb bin ich der Meinung, dass wir in einer Gesellschaft leben, die von einer Täterkultur geprägt ist, gerade im Hinblick auf die Geschichte, wird diese sicherlich provokante These von mir gestützt. Außerdem wird sie immer wieder in der Gesellschaft bestätigt, weil es allerorts, privat In der Familie und im Berufsleben am Arbeitsplatz, immer wieder z. B. Im übertragendem Sinne heisst: selber schuld. Es wird natürlich auch oft anders ausgedrückt, oft wesentlich komplexer oder subtiler. So werden Verantwortlichkeiten hin und her geschoben, da keiner mehr bereit ist Verantwortung für sein Tun zu übernehmen. Die höchste Stufe erreicht es letztlich in der Gewalt, wenn der Täter sagt, das Opfer habe ihn provoziert. Ja, womit den? Hier ist nämlich ein Widerspruch, entweder können Opfer keine Grenzen setzen, dann können sie auch nicht provozieren. Trotzdem sagen das Täter oft, womit sie die Verantwortung für Ihr handeln rechtfertigen wollen und die Schuld dem Opfer geben. Das wiederum vermutlich die bittere Pille selbst Schuld zu sein schlucken wird, weil ja die nötige Abgrenzung fehlt. Ich frage noch einmal, also wie kann das Opfer provozieren? Für mich ist letztendlich jeder selbst für seine Taten verantwortlich, gerade wenn es um Gewalt geht. Irgendwann hat der Täter sich nämlich mal bewusst dazu entschlossen Gewalt als Lösungsweg für seine Probleme zu wählen, weil er es mal als Lösung erkannt hat und mal funktioniert hat. Frei nach der Denkweise, was einmal klappt, klappt auch mehrmals und ist auch auf andere Dinge übertragbar. Also liegt das Problem beim Gewalttäter und seinen Lösungsstrategien, die wunderbar auf Menschen passen die zurückhaltender und gewaltfreie Lösungsstrategien haben. Quasi wie ein Gegenstück wie beim Schlüssel schloss Prinzip. Was nur dadurch funktionieren kann, dass die Signale der Opfer, die meiner Meinung nach sich auch abgrenzen können, dies aber wesentlich subtiler tun, von den Tätern einfach übergangen werden und die natürlichen Grenzen bewusst und gezielt überschreiten, weil sie die Signale der Opfer nicht erkennen oder wenn missachten. Jeder „zivilisierte“ Mensch würde die Grenzen aber nicht verletzen, die da nämlich heißen: die Würde des Menschen ist unantastbar und damit Tabu sowie die körperliche Unversehrtheit zuzusichern. Ich vermute, dass Opfer genau hiervon ausgehen und es als selbstverständlich betrachten, dass diese Grenzen bewahrt werden. Aber weit gefehlt, Täter überschreiten sie mitvoller Bewusstheit und Absicht.

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    • Was ich außerdem so lächerlich finde an diesem Grenzen setzen ist, dass doch der Gewalttäter ein massives Problem hat, was Grenzen betrifft. Wer sich so weit provozieren lässt bis er Gewalt anwendet, hat mMn entweder ein generelles Aggressionsproblem oder bekommt es überhaupt nicht hin, vorher Grenzen aufzuzeigen.
      Daher denke ich, dass bei Gewaltanwendung wirklich immer der Täter in der Verantwortung ist. Und das Opfer nur dann, wenn es über längere Zeit die Augen vor erlebter Gewalt verschließt.

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