Umgang mit Narzissten

Seit dem 11. März 2015 habe ich diesen Beitrag als Entwurf drin stehen…Umgang mit Narzissten. Der ist auch eigentlich ganz nett geschrieben, wenn man mich fragt und ich habe den trotzdem noch immer nicht veröffentlicht. Werde ich in der Form auch nicht, habe ich jetzt endgültig beschlossen. Somit landen etwa 800 Wörter im virtuellen Nirvana.

Warum? Weil ich da nicht hinter stehe, was da drin steht. Immer wenn ich auf Infos zum Umgang mit Narzissten stoße, stehen da so nett gemeinte Allgemeinplätze drin: Grenzen setzen und nicht auf Manipulationsspielchen einsteigen. So was in der Art habe ich da auch rein geschrieben, aber inzwischen bin ich davon nicht mehr überzeugt. Wenn ich als Sohn eines in meinen Augen extrem narzisstischen Menschen so etwas lese, denke ich mir meinen Teil. Und zwar: nett gemeint, aber ist nett nicht die kleine Schwester von…ähm…Man kann manchen Leuten keine Grenzen setzen. Oder besser ausgedrückt: es gibt Leute, die reißen jede Grenze ein. Da kann man noch so vehement Grenzen setzen. Es gibt so extrem entgrenzte Bulldozer, da hilft nur die Flucht, um sich effektiv zu schützen. Und auf Manipulationsspielchen nicht zu reagieren ist für mich zuweilen schwer bis unmöglich. So manche bittere Praline kann ich einfach nicht wortlos schlucken. Für mich sollte immer der Selbtschutz an erster Stelle stehen und daher ist bei manchen Menschen einfach Distanz so viel gesünder, wenn man mich fragt. Und das Vorhaben einem Narzissten Grenzen zu setzen ist in etwa so erfolgsversprechend wie ein schickes Paar Männersandalen zu finden. Grenzen mit Narzissten und schicke Männersandalen kenne ich beides maximal vom Hörensagen, aber halte ich für real nicht existent. Also so was wie Bielefeld, aber jetzt schweife ich endgültig ab…

Ich kann jedenfalls niemandem Tipps geben. In meiner ursprüngliche Version des Artikels stand auch noch so was wie keine Schwächen zeigen und die verbale Keule raus holen. ABER: Kann jemand ernsthaft einen Kontakt in der Art wollen? Mir hat meine Therapeutin mal was gesagt und zwar:

Sie können dann Umgang mit einem ausgewachsenen Narzissten haben, wenn sie es schaffen mit ihm wie mit einem geistig Behinderten zu kommunzieren.

Ich habe da lange drüber nachgedacht und fand das am Anfang auch extrem. Aber ich muss sagen, dass wäre der einzige für mich denkbare Umgang mit Narzissten. Einfach nichts ernst nehmen und alles abtun als geistigen Diarrhoe. Dabei aber keine schlechten Gefühle aufkommen lassen, denn immer dran denken: der Mensch gegenüber kann einfach nicht anders.

Ehrlich gesagt kann ich persönlich aber nicht mal das umsetzen. Ich kann noch nicht akzeptieren, dass mein Vater vielleicht einfach nicht anders kann und es keine Frage des Wollens (oder Willens) ist. So weit bin ich noch lange nicht und ich mache mir auch keinerlei Druck, dahin zu kommen. Ich fahre gerade sehr gut damit, keinen Kontakt mehr zu haben. Ist deutlich stressfreier für mich so. Daher ist das mein persönlicher Tipp im Umgang mit Narzissten: Weniger ist mehr!

Ehrlich zu sich selbst sein

In meinem letzten Beitrag habe ich es schon angesprochen und ist für mich eine goldene Regel geworden: ehrlich zu sich selbst sein. Denn für mich liegen die Vorteile auf der Hand. Man kann ernsthaft an sich arbeiten und seine Baustellen und Problemchen analysieren. Das Verbleiben in einer destruktiven Beziehung hat meiner Meinung nach auch viel mit Selbstbeschiss zu tun. Denn man zwingt sich negative Dinge auszublenden und ignoriert, wie schlecht es einem geht. Hier kann ein Reality Check von Zeit zu Zeit ein effektives Tool sein, um so einer Sache in Zukunft vorzubeugen bzw. rechtzeitig auszusteigen. Wirkt auf den ersten Blick auch denkbar einfach und logisch mit dem ehrlich zu sich selbst sein. Die Umsetzung ist nur gar nicht mal so einfach und für manche scheinbar unmöglich. Die größten Spielverderber, die ich bisher kennengelernt habe, sind ein zu schwaches Selbstwertgefühl und die psychischen Abwehrmechanismen, die man besitzt. Beide Punkte bedingen sich auch irgendwie gleichzeitig und gehen ineinander über.

Schwaches Selbstvertrauen

Das ist irgendwie offensichtlich. Wenn man sich nicht so prickelnd findet, artet jede Form von Selbstkritik schnell mal ins absolute Selbstbashing aus und man schießt weit übers Ziel hinaus. Geht wohl jedem manchmal so, aber Menschen mit schwachem Selbstvertrauen dauerhaft. Das macht es dann umso schwerer ehrlich mit sich selbst umzugehen, da viele zum überkompensieren neigen. Und dadurch sich, ihre Fähigkeiten und täglichen Angewohnheiten chronisch positiv überschätzen und so verhindern an sich selbst zu arbeiten. Der Narzisst lässt grüßen…

Abwehrmechanismen

Das ist ein echtes Brett und de facto nicht zu umgehen. Jeder Mensch besitzt Abwehrmechanismen, die das Ich schützen und so wird manche Wahrheit, die einfach nicht wahr sein darf, geflissentlich ignoriert. Temporär oder dauerhaft. (Wer sich für die verschiedenen psychischen Abwehrmechanismen interessiert, klicke einfach hier) Eigentlich ist so ein geistiger Torwart davor echt praktisch, damit man psychisch nicht komplett auseinander bricht. Allerdings denken dadurch viele Verrückte und normal Verrückte, sie seien halt nicht verrückt. Sondern alle anderen. Und so wird munter Ping Pong in der Schuldfrage gespielt und auf andere mit dem Finger gezeigt.

Das Wissen um diese Mechanismen hat mir  in mancherlei Hinischt geholfen. Zum Einen hilft es mir meine eigene Überheblichkeit anzuerkennen. Ja, auch ich muss feststellen, dass meine Wahrheit verdammt nochmal subjektiv ist und mich meine Psyche schützt vor so mancher unbequemen Wahrheit. Schön zu sehen war, dass nach meiner Borderline Beziehung das ganze Ausmaß nur stückweise in mein Hirn durchgedrungen ist und mir mein Hirn immer nur so viel Schmerz auf einen Schlag verpasst hat, wie ich zu verarbeiten im Stande war. Der Mechanismus der Verdängung lässt grüßen, den ich – by the way – super finde. Neben der Erkenntnis, dass meine Wahrheit nur ein Ausschnitt und gefiltert ist, hilft es mir außerdem nachischtiger mit meinen Mitmenschen zu sein. Von außen betrachtet scheint immer alles klar und logisch. Aber das viele Leute ihre eigenen Probleme nicht sehen und ihr Verhalten entsprechend ändern, liegt oftmals daran, dass sie einfach nicht können. Unsere eigene Psyche schützt uns vor den Wahrheiten, die nicht sein dürfen. Weil sonst das System zusammenbricht und wir als Menschen nun mal auf Überleben getrimmt sind. So habe ich anerkannt, dass nicht jeder die gleichen Möglichkeiten zur Reflexion hat. Der eine ist mehr und der andere weniger beschränkt, aber beschränkt sind wir alle. Und wenn der Blick nach innen schlicht zu schmerzhaft ist, macht das wohl niemand auf Dauer mit.

Retrospektive

Nachdem meine destruktive Beziehung schon länger zurückliegt, blicke ich mal wieder zurück auf die Zeit und kann wirklich sagen: die Trennung war das beste an dieser Beziehung. Ansonsten war es wirklich eine bitterböse Erfahrung für mich, die ich niemals wiederholen möchte. Daher ist es mir so wichtig diese Erfahrung sauber aufzuarbeiten. Das ist nicht einfach nur etwas, dass man mal eben abhaken sollte, wenn man mich fragt. Denn so eine Beziehung ist wirklich gefährlich für die geistige und körperliche Gesundheit. Es lohnt sich auch seine eigenen Baustellen anzuschauen. Und hier half es mir einfach wirklich ehrlich zu mir zu sein.

Ich bin immer noch nicht dankbar für die Zeit oder danke meiner Ex. Mir geht es wieder gut, weil ich die richtigen Schlüsse gezogen habe. Ich habe mich wieder auf mich konzentriert und sortiert was meine „Probleme“ sind und was nur Projektionen waren. Für mich ist es einfach nur spooky, wenn ich daran denke, mit wem ich da mal zusammen war.

Ich habe nach der Trennung Dinge getan, die mir gut tun. Dazu zählten Gewohnheiten, die ich schon früher beherrscht habe und die mir wissentlich gut tun:

  • Sport
  • gesundes Essen
  • aufhören zu rauchen

Was gut ist an so einer destruktiven Beziehung. Es werden die eigenen Baustellen extrem vergrößert deutlich. Ich habe mir die Mühe gemacht diese ehrlich anzuschauen. Und habe für mich rausgefunden, dass vor allem meine Impulskontrolle und Fähigkeit zur Geduld durchaus ausbaufähig ist. Daher habe ich auch neue Aktivitäten integriert:

  • Tagebuch schreiben
  • Yoga
  • Meditation

Vom Meditieren bin ich wirklich mehr als begeistert, weil ich wirklich mehr mit mir in Kontakt trete seitdem und sich meine Impulskontrolle deutlich verbessert hat. Noch vor einem Jahr hätte ich das als absolten Weicheierkram abgetan, aber heute merke ich, dass es sich lohnt, manchmal auch ungewohnte Sachen zu testen.