Ehrlich zu sich selbst sein

In meinem letzten Beitrag habe ich es schon angesprochen und ist für mich eine goldene Regel geworden: ehrlich zu sich selbst sein. Denn für mich liegen die Vorteile auf der Hand. Man kann ernsthaft an sich arbeiten und seine Baustellen und Problemchen analysieren. Das Verbleiben in einer destruktiven Beziehung hat meiner Meinung nach auch viel mit Selbstbeschiss zu tun. Denn man zwingt sich negative Dinge auszublenden und ignoriert, wie schlecht es einem geht. Hier kann ein Reality Check von Zeit zu Zeit ein effektives Tool sein, um so einer Sache in Zukunft vorzubeugen bzw. rechtzeitig auszusteigen. Wirkt auf den ersten Blick auch denkbar einfach und logisch mit dem ehrlich zu sich selbst sein. Die Umsetzung ist nur gar nicht mal so einfach und für manche scheinbar unmöglich. Die größten Spielverderber, die ich bisher kennengelernt habe, sind ein zu schwaches Selbstwertgefühl und die psychischen Abwehrmechanismen, die man besitzt. Beide Punkte bedingen sich auch irgendwie gleichzeitig und gehen ineinander über.

Schwaches Selbstvertrauen

Das ist irgendwie offensichtlich. Wenn man sich nicht so prickelnd findet, artet jede Form von Selbstkritik schnell mal ins absolute Selbstbashing aus und man schießt weit übers Ziel hinaus. Geht wohl jedem manchmal so, aber Menschen mit schwachem Selbstvertrauen dauerhaft. Das macht es dann umso schwerer ehrlich mit sich selbst umzugehen, da viele zum überkompensieren neigen. Und dadurch sich, ihre Fähigkeiten und täglichen Angewohnheiten chronisch positiv überschätzen und so verhindern an sich selbst zu arbeiten. Der Narzisst lässt grüßen…

Abwehrmechanismen

Das ist ein echtes Brett und de facto nicht zu umgehen. Jeder Mensch besitzt Abwehrmechanismen, die das Ich schützen und so wird manche Wahrheit, die einfach nicht wahr sein darf, geflissentlich ignoriert. Temporär oder dauerhaft. (Wer sich für die verschiedenen psychischen Abwehrmechanismen interessiert, klicke einfach hier) Eigentlich ist so ein geistiger Torwart davor echt praktisch, damit man psychisch nicht komplett auseinander bricht. Allerdings denken dadurch viele Verrückte und normal Verrückte, sie seien halt nicht verrückt. Sondern alle anderen. Und so wird munter Ping Pong in der Schuldfrage gespielt und auf andere mit dem Finger gezeigt.

Das Wissen um diese Mechanismen hat mir  in mancherlei Hinischt geholfen. Zum Einen hilft es mir meine eigene Überheblichkeit anzuerkennen. Ja, auch ich muss feststellen, dass meine Wahrheit verdammt nochmal subjektiv ist und mich meine Psyche schützt vor so mancher unbequemen Wahrheit. Schön zu sehen war, dass nach meiner Borderline Beziehung das ganze Ausmaß nur stückweise in mein Hirn durchgedrungen ist und mir mein Hirn immer nur so viel Schmerz auf einen Schlag verpasst hat, wie ich zu verarbeiten im Stande war. Der Mechanismus der Verdängung lässt grüßen, den ich – by the way – super finde. Neben der Erkenntnis, dass meine Wahrheit nur ein Ausschnitt und gefiltert ist, hilft es mir außerdem nachischtiger mit meinen Mitmenschen zu sein. Von außen betrachtet scheint immer alles klar und logisch. Aber das viele Leute ihre eigenen Probleme nicht sehen und ihr Verhalten entsprechend ändern, liegt oftmals daran, dass sie einfach nicht können. Unsere eigene Psyche schützt uns vor den Wahrheiten, die nicht sein dürfen. Weil sonst das System zusammenbricht und wir als Menschen nun mal auf Überleben getrimmt sind. So habe ich anerkannt, dass nicht jeder die gleichen Möglichkeiten zur Reflexion hat. Der eine ist mehr und der andere weniger beschränkt, aber beschränkt sind wir alle. Und wenn der Blick nach innen schlicht zu schmerzhaft ist, macht das wohl niemand auf Dauer mit.

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2 Gedanken zu “Ehrlich zu sich selbst sein

  1. Ich kann von destruktiven Beziehungen auch ein Lied singen. Inzwischen gehören sie der Vergangenheit an. Das hat aber auch seine Gründe: man muss lernen, sich selbst zu lieben, zu schätzen und an die erste Stelle zu rücken. Und vor allem muss man auch lernen, sich selbst der beste Freund und nicht der ärgste Feind zu sein. (Mein Lieblingssatz gegenüber Menschen, die unglücklich sind und sich in einer Lage befinden, wo andere die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: Wenn dein bester Freund in dieser Situation wäre und dir sagen würde, was du mir gesagt hast, was würdest du zu ihm sagen? Was würdest du ihm als Freund, der auf sein Wohlbefinden bedacht ist, raten?)

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