Was unterscheidet destruktive Beziehungen von normalen Beziehungen?

Der Abstand zu meiner destruktiven Beziehung wird immer größer und mittlerweile lebe ich auch wieder in einer Beziehung, die in meinen Augen größtenteils gesund und normal ist. Mir ist dabei klar, dass es ungefähr so viele normale Beziehungen auf dieser Welt gibt, wie es Einhörner gibt. Ich meine hier „normal“ in dem Sinne, dass keiner der Partner kontinuierlich unter der Beziehung leidet.
Mir ist ein echt gravierender Unterschied zwischen normalen und destruktiven Beziehungen aufgefallen, den ich fairerweise mit meiner Umwelt teilen möchte:

Normale Beziehungen durchlaufen Phasen – destruktive Beziehungen bleiben stecken

In gesunden bzw. normalen Beziehungen gibt es eine fortlaufende Entwicklung: Kennenlernen – Verliebtheitsphase – Festigen der Beziehung mit wachsendem Vertrauen – gemeinsame Zukunftspläne. Will man das ganze noch grober unterteilen könnte man es auch in Verliebtheits-  und Liebesphase unterteilen. Klar ist, dass das ganze nicht stromlinienförmig ablaufen muss und es auch immer wieder Rückschläge gibt.  Und auch gesunde Beziehungen können scheitern und tun das auch zuhauf. Dabei gibt es unzählige Gründe wie z.B. recht offensichtliche: der eine Partner ist Veganer und der andere leidenschaftlicher Jäger. Oder weniger offensichtliche: ein Partner ist HSV-Fan und ist davon überzeugt, dass der HSV in den nächsten 5 Jahren Meister wird und der andere ist Realist und möchte niemanden an seiner Seite haben, der ewig in Traumwelten gefangen ist. Oft gibt es auch einfach grundlegende Unterschiede, Ansichten oder Ziele für die eigene Zukunft.

Ich bin der Meinung, dass alle diese Phasen einer Beziehung ihre Berechtigung haben. Dieses Kennenlernen eines fremden Menschen ist komplett spannend. Dieses ganze Spiel beim Daten und die spannende Frage, ob der andere einen mag oder nicht. Verliebtsein ist sowieso der Knaller. Aber: auf Dauer muss sich die Beziehung weiter entwickeln, wenn man mich fragt. Auf Dauer unsicher sein, ob der andere einen mag oder nicht, ist aufregend und anfangs ist die Unsicherheit nicht so dominant wie die positiven Seiten. Aber ohne Gewissheit kein Vertrauen in den anderen und die Beziehung. Und diese Ungewissheit ist dauerhaft nicht zu ertragen. Am Ende kann man nicht immer im Rausch der Verliebtheit verweilen und ohne Netz und doppelten Boden durch die Welt stolpern. Das mag auf den 1. Blick traumhaft wirken: diese alles verzehrende Liebe ohne Grenzen. Jedoch braucht man mMn auch Gewissheiten, wie z.B. der andere mag mich dauerhaft.

Destruktive Beziehungen haben außer der Verliebtheit nicht wirklich viel zu bieten, wenn man das Ganze mal nüchtern und realistisch betrachtet. Dadurch sind die spannend und Verliebtheit ist auch ohne Zweifel großartig. Jedoch sind neben diesen offentsichtlich guten Seiten, wie angenehme und belebende Gefühle, Beziehungen auch deshalb so wertvoll, weil man zur Ruhe kommen kann und einfach mal man selbst ist.
Destruktive Beziehungen wirken auf den ersten Blick spannend und aufregend. Die traurige Wahrheit ist jedoch oft, dass sich die Beziehung einfach nicht weiter entwickelt und man in den 1. Phasen stecken bleibt. Kennenlernen  und Verlieben ist noch drin, aber bei destruktiven Beziehungen von Liebe zu sprechen, halte ich für Blödsinn. Da man nie sicher sein kann, ob der andere einen mag, wirkt es oft so, als würde man den anderen immer wieder neu erobern müssen. Zu Anfang ist das auch sauspannend, aber auf Dauer wird es lahm und ist einfach nur unfassbar kräftezehrend. Einmal den Mount Everest besteigen, ist sicher ein Highlight im Leben. Als professioneller Sherpa immer wieder das Gepäck der Touris auf den Everest schleppen, ist irgendwann einfach nur viel Geschleppe.
Liebe heißt für mich den anderen komplett akzeptieren und vertrauen. In destruktiven Beziehungen herrscht aber Misstrauen vor und mindestens ein Partner akzeptiert im besten Fall nur die postiven Seiten des anderen. Daher bleibt auf Dauer nur eine leere Beziehungshülle ohne Inhalt. Während gesunde Beziehungen weiter wachsen und auch ohne rosarote Brille überleben können, fehlt ungesunden Beziehungen der notwendige Unterbau und alles bricht irgendwann in sich zusammen.