Gesunde vs. ungesunde Beziehung

In meinem Blog geht es in erster Linie um ungesunde Beziehungen und emotionalen Missbrauch. Und das gute vorweg: Es gibt (auch) gesunde Beziehungen!
Dabei geht es auch in gesunden Beziehungen zuweilen nicht gerade nett zu. So gibt es anstrengende Zeiten, Partner werden verletzt und gerade bei der Trennung wird manchmal schmutzige Wäsche gewaschen. In meinen Augen gibt es jedoch feine Unterschiede zwischen gesunden und ungesunden Beziehungen, die ich hier näher ausführen möchte.

Ungesund ist eine Beziehung in meinen Augen zum Beispiel dann, wenn folgende Tendenzen dauerhaft auftreten.

Den Partner als Person mögen vs. den Partner als Objekt mögen

In gesunden Beziehungen finden sich im Idealfall beide Partner grundsätzlich sympathisch. Das ist schon mal eine recht solide Basis und erleichtert vieles im Zusammenleben. Wenn man den anderen mag, interessiert man sich z.B. wirklich wie es dem anderen geht.
In ungesunden Beziehungen mag der eine Partner den anderen nicht wirklich für sein Wesen, aber ihm gefällt, was er abgreifen kann an Gefälligkeiten, wie z.B. Geschlechtsverkehr, kostenlose Bestätigung, etc. Wie es dem anderen geht, interessiert nicht wirklich und das beste wäre, wenn der Partner den anderen nicht mit seinem persönlichen Kram belästigt. Das Motto ist eher: Gib mir was ich brauche, wann ich es brauche und bis dahin warte auf Kommandos und nerv nicht.

Privatsphäre achten vs. Privatsphäre missachten

Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen. Manche Eigenarten nerven und andere  Dinge, wie z.B. irrationale Ängste eines Partner kann man nicht wirklich nachvollziehen.
In gesunden Beziehungen werden diese Schwachpunkte allerdings – wenn überhaupt – intern diskutiert und werden nicht in aller Öffentlichkeit breit getreten, um den Partner klein zu halten.
In ungesunden Beziehungen werden die wunden Punkte des Partners munter mit dem Umfeld geteilt. Praktisch dabei: Man kann schon für die Zeit nach der Trennung vorbauen und hat sich schon im Vorfeld rein gewaschen. Nach dem Motto: Ich habe ja schon immer gesagt, was mit dem nicht stimmt.
Wunde Punkte sind auch ein guter Ansatzpunkt, um den Partner nach Belieben zu manipulieren und ihm vor Augen zu halten, wie kaputt er doch ist.

Offene Kommunikation vs.  Manipulation

Jeder Mensch manipuliert zeitweise, um an das ein oder andere Ziel zu kommen. Die Illusion, dass immer komplett offen kommuniziert wird ohne je auch mal zu manipulieren, kann man sich gerne machen. Aber wenn man realisitsch denkt, ist ein gewisses Maß an Manipulation im Umgang mit anderen Menschen unvermeidlich.
Es gibt dabei aber ein großes ABER. Sobald ein Partner unter den Manipulationen des anderen leidet, wird es ungesund. Ungesunde Beziehungen zeichnen sich oft dadurch aus, dass ein Partner so gut wie gar nicht offen kommunizieren kann, sondern nur manipuliert und der andere Partner massiv darunter leidet, weil dieser sich fremdgesteuert und ausgenutzt fühlt.

Kompromissbereitschaft vs. Starrsinn

Nur in fake Beziehungen wird es jemals 100% Übereinstimmung geben. Auch sollte nicht ein Partner alles entscheiden können. Daher ist eine Beziehung von Kompromissen geprägt. In gesunden, modernen Beziehungen ist es für mich daher für ein angenehmes Miteinander wichtig, dass beide Partner Kompromisse eingehen können.
In ungesunden Beziehungen gibt es oft Partner, die so kompromissbereit und flexibel sind wie ein Amboss.

Gemeinsame Ziele vs. Eigene Interessen

Jeder sollte eigene Interessen in Beziehungen haben und seine Bedürfnisse kennen und formulieren können. Allerdings sollte man in gesunden Beziehungen auch gemeinsame Ziele haben, um die Beziehung weiter vertiefen zu können.
In ungesunden Beziehungen fehlen gemeinsame Ziele bei mindestens einem Partner oft komplett und der Partner ist ausschließlich auf seine eigenen Interessen aus.

Macht vs. Vertrauen

Keine Beziehung ist frei von Machtgeplänkeln und grenzenloses Vertrauen gibt es wohl auch eher in Hollywoodstreifen als in der realen Welt. Aber in gesunden Beziehungen geht es nicht nur um Macht und grundsätzlich vertrauen sich beide Partner.
In ungesunden Beziehungen geht es dagegen nur um Macht und es ist so gut wie kein Vertrauen vorhanden. Oftmals sind in ungesunden Beziehungen Partner am Werk, die für Macht über Leichen gehen würden.

Unbeachsichtig verletzen vs. bewusst verletzen

Auch eher hollywoodhaft ist für mich das Klischee, dass es in gesunden Beziehungen immer nur eitel Sonnenschein geben wird. In jeder näheren, echten Beziehung verletzt man andere und man selber wird verletzt. Wer Angst hat, verletzt zu werden, lebt am sichersten alleine.
Der Unterschied zu ungesunden Beziehungen ist aber, dass man den anderen nicht bewusst verletzt. In ungesunden Beziehungen ist dieses bewusste Verletzen, z.B. durch Bohren in den Wunden des anderen im Laufe der Beziehung irgendwann an der Tagesordnung.

Fazit

Wie man sieht, gibt es zum Teil Überschneidungen zwischen ungesunden und gesunden Beziehungen und oft kann man nicht sofort sagen, was gesund bzw. ungesund ist. Allerdings wird bei ungesunden Beziehungen oft eine gewisse Grenze dauerhaft überschritten, was dazu führt, dass ein Partner unter dieser Beziehung leidet. Ein maßgebliches Kriterium für eine ungesunde Beziehung ist für mich, dass ein Partner den anderen bewusst verletzt.

 

Einsamkeit in Beziehungen

In Deutschland lebt laut aktuellen Erhebungen mehr als ein Drittel der Bevölkerung alleine. In Großstädten leben mehr Menschen alleine als auf dem Land und es ist eine Tendenz in Richtung Single-Gesellschaft erkennbar.

Alleine sein vs. Einsamkeit

Von diesen Singles sind jedoch nicht alle Menschen einsam. Einsamkeit ist in meinen Augen viel eher, wenn man das Gefühl hat, man sei von der Welt komplett abgeschnitten und isoliert von allen Anderen auf sich selbst zurückgeworfen. Man kann sich auch in Gesellschaft einsam fühlen und so das Gefühl haben in einem inneren Gefängnis gefangen und von anderen ausgeschlossen zu sein. Genau so kann man alleine sein und sich nicht einsam fühlen. Gerade die Fähigkeit auch alleine sein auszuhalten und positiv gestalten zu könnnen, ist für mich wichtig für den eigenen Seelenfrieden und mitentscheidend, um eine Beziehung führen zu können.

Wann ich mich einsam gefühlt habe

Ich kenne das Gefühl der Einsamkeit. Seit meinen 20ern war ich nur relativ selten Single und auf mich alleine gestellt. In diesen kürzeren Zeitspannen habe ich aber zum überwiegenden Teil neue, spannende Zeiten erlebt: Neue Städte erkundet und neue Menschen kennengelernt. Es war aber andererseits stellenweise hart alleine in einer fremden Stadt und so ganz auf sich gestellt zu sein. Im Nachhinein haben mir diese Erfahrungen aber geholfen, ein tieferes Selbstvertrauen zu entwickeln, denn es war echt schön für mich zu sehen, dass ich alleine viel erreichen kann, wie z.B. neue Freunde finden und mein Leben fernab gewohnter Pfade meistern.

Was mir geholfen hat, diese Zeiten zu überstehen war, dass ich nie den Kontakt zu meinen alten Freunden und meiner Familie verloren habe. Ich war zwar räumlich getrennt von meiner Umgebung gelebt, aber war doch mit ihnen in Kontakt. Daher habe ich mich auch nie komplett isoliert und  von allem abgeschnitten gefühlt.

Während meiner Borderline Beziehung habe ich mich zum ersten mal komplett einsam gefühlt. Ich war nicht alleine in der Zeit, denn ich bin schon vor der Beziehung in meine Heimatstadt zurück gezogen und hatte hier mein gewohntes Umfeld und meine Heimat um mich herum. Dazu noch eine Beziehung, die ja mal so verheißungsvoll begonnen hat. So mancher würde sich da denken, was man sich in der Situation bloß einsam fühlen kann…Doch ich tat es.

Weshalb ich mich einsam gefühlt habe

Während der Beziehung zu meiner Borderline auffälligen Ex-Freundin habe ich mich vor meine Ex-Freundin gestellt und bin für die Beziehung eingestanden. Klingt zunächst ritterlich ehrenhaft, war für diesen Menschen aber vergeudete Liebesmühe. Ich habe nicht schlecht geredet über sie und wollte unsere Problem intern lösen. Ich habe auch nur bedingt darüber geredet, dass sie mich emotional auslaugt, mit mir Mind Games spielt und mich manipuliert ohne Ende. Als die Beziehung ins Trudeln geraten ist und erste (für mich merkwürdige) Probleme auftauchten, habe ich mich noch meinem Umfeld mitgeteilt. Dabei habe ich aber gemerkt, dass mein Umfeld die Situation nicht richtig greifen konnte. Daher habe ich irgendwann nicht mehr darüber geredet, wie es mir wirklich in der Beziehung geht. Zum einen um nicht schlecht über meine damalige Freundin zu reden und zum anderen, weil ich das Gefühl hatte, mich könnte eh keiner verstehen. So habe ich mich zunehmend einsam, unverstanden und abgeschnitten von allem gefühlt.
Ich habe diese Einsamkeit damals als sehr schmerzhaft empfunden und fühlte ich mich diesem Gefühl ausgeliefert, da ich dachte ich könnte dieser Situation nicht entfliehen. Auch deshalb habe ich so lange an dieser missbräuchlichen Beziehung festgehalten, denn ich fühlte mich ja schon einsam. Wie sollte es also werden, wenn mich auch noch meine Freundin verlässt?! Dann würde ich mich erst recht von der Welt abgeschnitten fühle, dachte ich.

Mein Weg aus der Einsamkeit

Mein Weg aus der Einsamkeit war die Trennung von meiner Ex-Freundin. Ich dachte anfangs, ich wäre ohne sie noch einsamer als ich es ohnehin war. Aber dieses Gefühl der Einsamkeit hatte ich, weil ich an dieser Beziehung festgehalten habe und die Loslösung hat bewirkt, dass ich mich wieder anderen öffnen konnte und nicht einsam geblieben bin.

Mir hat es enorm geholfen, mich nach dem Ende meiner Borderline Beziehung anderen Menschen mitzuteilen. Mein Umfeld hat auch sehr gut und verständnisvoll reagiert. Zuweilen habe ich jedoch bis heute das Gefühl, als wäre gerade diese Erfahrung immer ein Teil, den ich nicht uneingeschränkt erzählen kann. Da viele Menschen nicht begreifen können, was mir passiert ist, wenn ihnen die Erfahrung solcher Beziehungen fehlt. Das kann ich auch niemandem verübeln, denn auch ich hätte früher solche Schilderungen als verletztes Ehrgefühl und überzogene Empfindsamkeit aufgefasst. Daher ist dieser Blog ein guter Weg für mich, um diese Erfahrung mitzuteilen. Das Internet bietet mir durch die größere Anonymität das Gefühl mich selber so weit öffnen zu können, wie ich es für richtig halte.

Ich denke, ich habe mich vor allem deshalb einsam gefühlt, weil ich irgendwann im Laufe der Beziehung angefangen habe, nicht mehr allzu viel von mir preiszugeben. Ich war nicht mehr wirklich offen und habe mich anderen Menschen anvertraut. Ich wollte mit dieser merkwürdigen Beziehung etwas schützen, was ich damals als enorm schützenswert empfunden habe. Daher meine Verschwiegenheit gegenüber Außenstehenden. Mit Abstand betrachtet war aber genau das Gegenteil schützenswert. Bei meinem Umfeld offen und ehrlich und somit wirklich ICH sein zu können, war das wirklich schützenswerte. Als ich wieder schrittweise offen gegenüber meinem Umfeld geworden bin, fühlte ich mich auch nicht mehr wirklich einsam.

Fazit

Nach dem Ende meiner Borderline Beziehung habe ich mich allein gefühlt, aber nie mehr habe ich diese Einsamkeit gespürt, wie während der Beziehung. Für mich entscheidend war dabei, anderen Menschen offen und ehrlich entgegen zu treten. Seitdem genieße ich wieder Zeiten, in denen ich alleine bin und Zeiten, in denen ich unter Menschen bin.

Für mich wäre es heute ein mehr als deutliches Warnsignal, wenn ich mich in einer Beziehung einsam fühlen würde. Würde ich mich über einen längeren Zeitraum kontinuierlich einsam fühle, würde ich die Beziehung genau anschauen:
Fühle ich mich dauerhaft einsam in eine Beziehung? Kann ich diese Situation verändern? Wenn nicht, würde ich diese Beziehung verlassen.

 

Distanz, aber wie?!

Wenn es um den Kontakt zu toxischen Personen geht, bin ich mittlerweile sehr tough geworden und habe eigentlich nur eine klare Empfehlung: Distanz, und zwar so viel wie möglich.

Nullkontakt

Um eine destruktive Beziehung endgültig hinter sich zu lassen, ist Nullkontakt ein genau so einfaches wie effektives Tool. Nullkontakt bedeutet, dass man nach der Trennung vom Ex-Partner jeglichen Kontakt zu diesem einstellt. Und mit keinen Kontakt meine ich wirklich keinen Kontakt und z.B. stundenlanges Stalken der Facebook-Seite des Ex-Partners zählt als Kontakt.
Im konkreten Fall heißt das alle Kommunikationskanäle sperren wie whatsapp, Facebook, unter Umständen Telefonnummer blocken etc. Klingt radikal? Vielleicht, wirkt aber.
Zu Anfang wird es hart sein, den Nullkontakt aufrecht zu erhalten, aber irgendwann geht es. Erst zählt man quasi Stunden, dann Tage und irgendwann will man überhaupt keinen Kontakt mehr.

Warum ist Nullkontakt effektiv?

Weil man so Distanz gewinnt zum Ex-Partner und die Beziehung realistisch sehen kann ohne rosarote Brille. All die Manipulationen und destruktiven Muster einer solchen Beziehung brauchen Zeit, um an die Oberfläche zu kommen. Zu Beginn der Trennungszeit fühlt es sich vermutlich an, als hätte man Kleister im Kopf. Das ist die Folge der missbräuchlichen Verhaltensweisen und des ungeheuren Stresses innerhalb der Beziehung. Erst wenn der Kleister nicht mehr im Kopf ist, kann man klar denken. Und um dahin zu kommen, ist Nullkontakt einfach und effektiv.

Wann Nullkontakt schwierig wird?

Nullkontakt einzuleiten ist natürlich schwierig bei gemeinsamen Kindern oder wenn es andere Verbindungen gibt, z.B. wenn der Ex-Partner in der gleichen Firma arbeitet. Hier wäre mein Rat aber nichts desto trotz ebenfalls Distanz: so viel wie eben geht. Vor allem emotionale Distanz wäre wichtig, um sich zu lösen. Hier kann es helfen, sich bewusst vor Augen zu halten, wie die Beziehung wirklich war. Mit all ihren Facetten und destruktiven Inhalten.

Distanz zu toxische Familienangehörigen

Habt ihr wie ich ein toxisches Familienmitglied, ist es ungleich schwerer auf Distanz zu gehen. Und ich habe hierbei noch leicht reden, denn mein Vater ist schon seit über 10 Jahren von meiner Mutter geschieden. So war es für mich mit deutlich weniger Einschränkungen verbunden zu ihm auf Distanz zu gehen.
Oftmals ist es ungleich schwieriger zu Familienmitgliedern auf Distanz zu gehen, denn so stört man den Familienfrieden und schließt sich eventuell sogar von Familienevents aus.
Zu Familienmitgliedern auf Distanz zu gehen, ist hart. So richtig hart. Aber für mich hat es sich gelohnt, diesen Schritt zu gehen. Ich fühle mich deutlich besser und es war eine enorm effektive Möglichkeit, um meine Grenzen zu schützen. Vor allem zu Anfang war es auch für mich hart diesen Schritt einzuleiten, aber auf lange Sicht überwiegen die Vorteile total.

Auf Distanz zu gehen, sollte man also unbedingt ausprobieren, wenn man eine toxische Persönlichkeit in seinem Umfeld hat. Auch wenn es gerade am Anfang hart wird, der Lohn auf lange Sicht ist ungleich höher. Wie zum Beispiel mehr Ruhe, Seelenfrieden,…

Was unterscheidet destruktive Beziehungen von normalen Beziehungen?

Der Abstand zu meiner destruktiven Beziehung wird immer größer und mittlerweile lebe ich auch wieder in einer Beziehung, die in meinen Augen größtenteils gesund und normal ist. Mir ist dabei klar, dass es ungefähr so viele normale Beziehungen auf dieser Welt gibt, wie es Einhörner gibt. Ich meine hier „normal“ in dem Sinne, dass keiner der Partner kontinuierlich unter der Beziehung leidet.
Mir ist ein echt gravierender Unterschied zwischen normalen und destruktiven Beziehungen aufgefallen, den ich fairerweise mit meiner Umwelt teilen möchte:

Normale Beziehungen durchlaufen Phasen – destruktive Beziehungen bleiben stecken

In gesunden bzw. normalen Beziehungen gibt es eine fortlaufende Entwicklung: Kennenlernen – Verliebtheitsphase – Festigen der Beziehung mit wachsendem Vertrauen – gemeinsame Zukunftspläne. Will man das ganze noch grober unterteilen könnte man es auch in Verliebtheits-  und Liebesphase unterteilen. Klar ist, dass das ganze nicht stromlinienförmig ablaufen muss und es auch immer wieder Rückschläge gibt.  Und auch gesunde Beziehungen können scheitern und tun das auch zuhauf. Dabei gibt es unzählige Gründe wie z.B. recht offensichtliche: der eine Partner ist Veganer und der andere leidenschaftlicher Jäger. Oder weniger offensichtliche: ein Partner ist HSV-Fan und ist davon überzeugt, dass der HSV in den nächsten 5 Jahren Meister wird und der andere ist Realist und möchte niemanden an seiner Seite haben, der ewig in Traumwelten gefangen ist. Oft gibt es auch einfach grundlegende Unterschiede, Ansichten oder Ziele für die eigene Zukunft.

Ich bin der Meinung, dass alle diese Phasen einer Beziehung ihre Berechtigung haben. Dieses Kennenlernen eines fremden Menschen ist komplett spannend. Dieses ganze Spiel beim Daten und die spannende Frage, ob der andere einen mag oder nicht. Verliebtsein ist sowieso der Knaller. Aber: auf Dauer muss sich die Beziehung weiter entwickeln, wenn man mich fragt. Auf Dauer unsicher sein, ob der andere einen mag oder nicht, ist aufregend und anfangs ist die Unsicherheit nicht so dominant wie die positiven Seiten. Aber ohne Gewissheit kein Vertrauen in den anderen und die Beziehung. Und diese Ungewissheit ist dauerhaft nicht zu ertragen. Am Ende kann man nicht immer im Rausch der Verliebtheit verweilen und ohne Netz und doppelten Boden durch die Welt stolpern. Das mag auf den 1. Blick traumhaft wirken: diese alles verzehrende Liebe ohne Grenzen. Jedoch braucht man mMn auch Gewissheiten, wie z.B. der andere mag mich dauerhaft.

Destruktive Beziehungen haben außer der Verliebtheit nicht wirklich viel zu bieten, wenn man das Ganze mal nüchtern und realistisch betrachtet. Dadurch sind die spannend und Verliebtheit ist auch ohne Zweifel großartig. Jedoch sind neben diesen offentsichtlich guten Seiten, wie angenehme und belebende Gefühle, Beziehungen auch deshalb so wertvoll, weil man zur Ruhe kommen kann und einfach mal man selbst ist.
Destruktive Beziehungen wirken auf den ersten Blick spannend und aufregend. Die traurige Wahrheit ist jedoch oft, dass sich die Beziehung einfach nicht weiter entwickelt und man in den 1. Phasen stecken bleibt. Kennenlernen  und Verlieben ist noch drin, aber bei destruktiven Beziehungen von Liebe zu sprechen, halte ich für Blödsinn. Da man nie sicher sein kann, ob der andere einen mag, wirkt es oft so, als würde man den anderen immer wieder neu erobern müssen. Zu Anfang ist das auch sauspannend, aber auf Dauer wird es lahm und ist einfach nur unfassbar kräftezehrend. Einmal den Mount Everest besteigen, ist sicher ein Highlight im Leben. Als professioneller Sherpa immer wieder das Gepäck der Touris auf den Everest schleppen, ist irgendwann einfach nur viel Geschleppe.
Liebe heißt für mich den anderen komplett akzeptieren und vertrauen. In destruktiven Beziehungen herrscht aber Misstrauen vor und mindestens ein Partner akzeptiert im besten Fall nur die postiven Seiten des anderen. Daher bleibt auf Dauer nur eine leere Beziehungshülle ohne Inhalt. Während gesunde Beziehungen weiter wachsen und auch ohne rosarote Brille überleben können, fehlt ungesunden Beziehungen der notwendige Unterbau und alles bricht irgendwann in sich zusammen.