Einsamkeit in Beziehungen

In Deutschland lebt laut aktuellen Erhebungen mehr als ein Drittel der Bevölkerung alleine. In Großstädten leben mehr Menschen alleine als auf dem Land und es ist eine Tendenz in Richtung Single-Gesellschaft erkennbar.

Alleine sein vs. Einsamkeit

Von diesen Singles sind jedoch nicht alle Menschen einsam. Einsamkeit ist in meinen Augen viel eher, wenn man das Gefühl hat, man sei von der Welt komplett abgeschnitten und isoliert von allen Anderen auf sich selbst zurückgeworfen. Man kann sich auch in Gesellschaft einsam fühlen und so das Gefühl haben in einem inneren Gefängnis gefangen und von anderen ausgeschlossen zu sein. Genau so kann man alleine sein und sich nicht einsam fühlen. Gerade die Fähigkeit auch alleine sein auszuhalten und positiv gestalten zu könnnen, ist für mich wichtig für den eigenen Seelenfrieden und mitentscheidend, um eine Beziehung führen zu können.

Wann ich mich einsam gefühlt habe

Ich kenne das Gefühl der Einsamkeit. Seit meinen 20ern war ich nur relativ selten Single und auf mich alleine gestellt. In diesen kürzeren Zeitspannen habe ich aber zum überwiegenden Teil neue, spannende Zeiten erlebt: Neue Städte erkundet und neue Menschen kennengelernt. Es war aber andererseits stellenweise hart alleine in einer fremden Stadt und so ganz auf sich gestellt zu sein. Im Nachhinein haben mir diese Erfahrungen aber geholfen, ein tieferes Selbstvertrauen zu entwickeln, denn es war echt schön für mich zu sehen, dass ich alleine viel erreichen kann, wie z.B. neue Freunde finden und mein Leben fernab gewohnter Pfade meistern.

Was mir geholfen hat, diese Zeiten zu überstehen war, dass ich nie den Kontakt zu meinen alten Freunden und meiner Familie verloren habe. Ich war zwar räumlich getrennt von meiner Umgebung gelebt, aber war doch mit ihnen in Kontakt. Daher habe ich mich auch nie komplett isoliert und  von allem abgeschnitten gefühlt.

Während meiner Borderline Beziehung habe ich mich zum ersten mal komplett einsam gefühlt. Ich war nicht alleine in der Zeit, denn ich bin schon vor der Beziehung in meine Heimatstadt zurück gezogen und hatte hier mein gewohntes Umfeld und meine Heimat um mich herum. Dazu noch eine Beziehung, die ja mal so verheißungsvoll begonnen hat. So mancher würde sich da denken, was man sich in der Situation bloß einsam fühlen kann…Doch ich tat es.

Weshalb ich mich einsam gefühlt habe

Während der Beziehung zu meiner Borderline auffälligen Ex-Freundin habe ich mich vor meine Ex-Freundin gestellt und bin für die Beziehung eingestanden. Klingt zunächst ritterlich ehrenhaft, war für diesen Menschen aber vergeudete Liebesmühe. Ich habe nicht schlecht geredet über sie und wollte unsere Problem intern lösen. Ich habe auch nur bedingt darüber geredet, dass sie mich emotional auslaugt, mit mir Mind Games spielt und mich manipuliert ohne Ende. Als die Beziehung ins Trudeln geraten ist und erste (für mich merkwürdige) Probleme auftauchten, habe ich mich noch meinem Umfeld mitgeteilt. Dabei habe ich aber gemerkt, dass mein Umfeld die Situation nicht richtig greifen konnte. Daher habe ich irgendwann nicht mehr darüber geredet, wie es mir wirklich in der Beziehung geht. Zum einen um nicht schlecht über meine damalige Freundin zu reden und zum anderen, weil ich das Gefühl hatte, mich könnte eh keiner verstehen. So habe ich mich zunehmend einsam, unverstanden und abgeschnitten von allem gefühlt.
Ich habe diese Einsamkeit damals als sehr schmerzhaft empfunden und fühlte ich mich diesem Gefühl ausgeliefert, da ich dachte ich könnte dieser Situation nicht entfliehen. Auch deshalb habe ich so lange an dieser missbräuchlichen Beziehung festgehalten, denn ich fühlte mich ja schon einsam. Wie sollte es also werden, wenn mich auch noch meine Freundin verlässt?! Dann würde ich mich erst recht von der Welt abgeschnitten fühle, dachte ich.

Mein Weg aus der Einsamkeit

Mein Weg aus der Einsamkeit war die Trennung von meiner Ex-Freundin. Ich dachte anfangs, ich wäre ohne sie noch einsamer als ich es ohnehin war. Aber dieses Gefühl der Einsamkeit hatte ich, weil ich an dieser Beziehung festgehalten habe und die Loslösung hat bewirkt, dass ich mich wieder anderen öffnen konnte und nicht einsam geblieben bin.

Mir hat es enorm geholfen, mich nach dem Ende meiner Borderline Beziehung anderen Menschen mitzuteilen. Mein Umfeld hat auch sehr gut und verständnisvoll reagiert. Zuweilen habe ich jedoch bis heute das Gefühl, als wäre gerade diese Erfahrung immer ein Teil, den ich nicht uneingeschränkt erzählen kann. Da viele Menschen nicht begreifen können, was mir passiert ist, wenn ihnen die Erfahrung solcher Beziehungen fehlt. Das kann ich auch niemandem verübeln, denn auch ich hätte früher solche Schilderungen als verletztes Ehrgefühl und überzogene Empfindsamkeit aufgefasst. Daher ist dieser Blog ein guter Weg für mich, um diese Erfahrung mitzuteilen. Das Internet bietet mir durch die größere Anonymität das Gefühl mich selber so weit öffnen zu können, wie ich es für richtig halte.

Ich denke, ich habe mich vor allem deshalb einsam gefühlt, weil ich irgendwann im Laufe der Beziehung angefangen habe, nicht mehr allzu viel von mir preiszugeben. Ich war nicht mehr wirklich offen und habe mich anderen Menschen anvertraut. Ich wollte mit dieser merkwürdigen Beziehung etwas schützen, was ich damals als enorm schützenswert empfunden habe. Daher meine Verschwiegenheit gegenüber Außenstehenden. Mit Abstand betrachtet war aber genau das Gegenteil schützenswert. Bei meinem Umfeld offen und ehrlich und somit wirklich ICH sein zu können, war das wirklich schützenswerte. Als ich wieder schrittweise offen gegenüber meinem Umfeld geworden bin, fühlte ich mich auch nicht mehr wirklich einsam.

Fazit

Nach dem Ende meiner Borderline Beziehung habe ich mich allein gefühlt, aber nie mehr habe ich diese Einsamkeit gespürt, wie während der Beziehung. Für mich entscheidend war dabei, anderen Menschen offen und ehrlich entgegen zu treten. Seitdem genieße ich wieder Zeiten, in denen ich alleine bin und Zeiten, in denen ich unter Menschen bin.

Für mich wäre es heute ein mehr als deutliches Warnsignal, wenn ich mich in einer Beziehung einsam fühlen würde. Würde ich mich über einen längeren Zeitraum kontinuierlich einsam fühle, würde ich die Beziehung genau anschauen:
Fühle ich mich dauerhaft einsam in eine Beziehung? Kann ich diese Situation verändern? Wenn nicht, würde ich diese Beziehung verlassen.

 

Meine Borderline Beziehung (Part 3)

Nach der Borderline Beziehung

Phase 1: Jammertal

Nach dem Ende dieser Beziehung habe ich mich wie ausgekotzt gefühlt: leer und abgerockt. Angekommen im Jammertal: fühlte sich an wie körperlicher Entzug. Im Jammertal war ich eigentlich schon die letzten Monate unserer Beziehung und nach dem Ende erreichte ich noch mal einen Höhepunkt: Schlafstörungen, Magenprobleme, Gedankenkarussel deluxe, 50 Kippen pro Tag rauchen, Konzentrationsstörungen etc.
Nachdem ich das Ende akzeptiert habe und keinen Kontakt mehr hatte, wirkte alles immer merkwürdiger und fernab der Normalität. Können sich 2 gesunde Menschen wirklich so bizarr verstricken?! Ich war so dermaßen verwirrt und wollte Erklärungen haben für alles. Daher bin ich zu einer Therapeutin gegangen. Ergebnis: meine Psyche wirkt solide und der Gegenpart in dieser „Beziehung“ wirkt auffällig. Das Kind hatte jetzt auch einen vermeintlichen Namen: Borderline. Also ein Borderline Forum aufgesucht und meine Geschichte im Angehörigen Bereich gepostet und plötzlich fühlte ich mich verstanden. So viele Parallelen bei all den Geschichten… kann irgendwie kein Zufall sein.

Phase 2: Wutland

Nach dem Jammertal kam das Wutland und ich bin ein großer Fan davon! Ich habe meine Wut kanalisiert: aufgehört zu rauchen und Sport gemacht im Berserker-Modus. Man erreicht das Wutland aber nur durch konsequenten Nichtkontakt zum Ex Partner. Wichtigste Regel von Welt nach Missbrauchsbeziehungen!

Missbrauchsbeziehungen sind keine Liebesbeziehungen. Ich war immer getrieben von dieser Hoffnung, dass alles irgendwann wieder so wird wie am Anfang. Dass es mit mir wirklich so besonders und einzigartig ist. So wie sie es mir in den Idealisierungsphasen gesagt hat. Ich habe mich an dem Punkt aber selber verarscht, weil ich mich zwingen wollte, nur das positive zu sehen. Ich wollte mit aller Gewalt gegen meine Intuition gehen. Weil es zu toll gewesen wäre, all die negativen Seiten und Widersprüche zu ignorieren. Für mich war es ein Segen zu erkennen, dass eben nichts besonders war zwischen uns. All das Gelaber war Gelaber und hielt nie mit ihren Taten stand. All meine Erklärungen und Appelle an ihre Vernunft waren vergebens. Da hätte ich auch Mario Barth bitten können, mal witzig zu sein.

Jetzt stellen sich viele bestimmt die Standard Frage: Was war dein Anteil?
Ganz ehrlich, mein Anteil an dieser bitteren Entwicklung in unserer Beziehung war in meinen Augen meine Empathie, meine Offenheit und mein Verantwortungsgefühl. Ich stand zu meinen Gefühlen und habe diese konkret geäußert. Sie hat nie ihren Teil gesehen und nie Verantwortung übernommen. Ihre Welt war stets furchtbar einfach: alles ist deine Schuld! Ich habe mich zuweilen dämlich verhalten und Fehler gemacht. Aber ich habe mich für alles entschuldigt und sie nicht weiter verletzt, als ich ihre wunden Punkte kannte. Sie hat sich nur entschuldigt, wenn sie Angst hatte, dass ich sonst gehe. Ernst gemeint war genau keine. In meinen wunden Punkten hat sie fleißig weiter rumgerührt, auch nachdem sie wusste, welche das sind. Ich habe meine Bedürfnisse zur Sprache gebracht; ihre musste ich erraten, weil sie der Meinung ist, dass man als perfektes Paar nichts besprechen muss, sondern alles voneinander instinktiv weiß. Im Nachhinein wirkt es, als sei dieses zwischenmenschliche Miteinander für sie wie Integralrechnung für Erstklässler: leider zu hoch!

Und ich werde nicht außer acht lassen, dass ich leider in etwas übles rein geraten bin. Mir wurde was angepriesen als Seelenverwandtschaft und großer Liebe. Auch wenn ich skeptisch war, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, weil das zu lecker klang. Mir war nicht klar, dass ich nur einen komischen Spiegel kriege und dahinter nichts zu holen ist.

Im Wutland kam ich wieder zu mir und wurde peu à peu wieder zu dem Menschen, der ich vor der verstörenden Erfahrung war. Plötzlich änderte sich mein Mindset von „Was habe ich bloß falsch gemacht und wie kann ich es wieder reparieren?!“ zu „In was für einen Dreck bin ich da nur rein geraten und warum war ich nur so blind?!“

Phase 3: Inner Peace

Ich bleibe nicht stehen im Wutland, sondern arbeite meine Dinge aus und akzeptiere die als Teil von mir: meine wunden Punkte und dies das. Mein Endziel ist es, damit zu leben, dass ich in eine Missbrauchsbeziehung rein gerutscht bin und stolz drauf sein, dass ich aus dieser gestärkt hervor gehe. Nach so einer Erfahrung ist man zwar misstrauischer als zuvor, aber kann Faker von echten Menschen besser unterscheiden.

All die Beschäftigung mit mir selbst, habe ich gemacht, weil meine Persönlichkeit während der Beziehung konsequent abgeklopft wurde auf Schwachstellen und nach dem Ende alles offen lag. War ein guter Zeitpunkt, um sich selbst mal „Hallo“ zu sagen auf einer tieferen Ebene. Aber meine Erkenntnis ist, dass jeder normale Mensch wunde Punkte hat und verletzlich ist. Nur ein gesünderer Counter Part, bohrt nicht absichtlich in den Wunden rum, nachdem man diese verbalisiert hat. Bedürfnisse und Ängste hat jeder. So lange alles im Rahmen bleibt und man ehrlich zu sich stehen kann, ist alles cool. Wogegen ich mich vehement wehre, ist dieses Victim Blaming nach Missbrauchsbeziehungen. Glaubt man der weit verbreiteten Meinung, war ich in einer Missbrauchsbeziehung, weil ich zu empathisch bin. Empathie beim richtigen Partner ist aber Gold wert und Täter bleibt Täter in einer Missbrauchsbeziehung. Die Schuld dem gesunden Part zu geben, irritiert mich immer mehr. Verstehe ich nicht das Prinzip und ich finde, dass da Ursache und Wirkung verwechselt wird. Regnet es etwa, weil der Boden nass ist oder ist der Boden nass, weil es regnet?!
Durch die Missbrauchsbeziehung (Ursache) liegen meine wunden Punkte offen (Wirkung) und die kann ich anschauen und akzeptieren als Teil von mir. Aber ich war nicht in einer Missbrauchsbeziehung wegen meiner wunden Punkte.

Was ungemein weiter hilft, ist den Gegenpart nicht mehr zu verteufeln. Klar, ich wurde mies behandelt und ich kann den emotionalen Missbrauch auch nicht gut heißen. Aber leider war sie als Gestörte wohl gezwungen so zu handeln. Es ist doch so, dass sie mich am Anfang vergöttern musste. Sonst wäre ich nicht abhängig geworden und wäre früher oder später einfach gegangen. Sie musste auch meine Persönlichkeit spiegeln, weil sie keine hat und ich sonst nicht das Gefühl gehabt hätte, dass ich meine Traumfrau gefunden habe. Auch musste sie mich am Ende brutal abwerten, damit sie gehen kann. Sie musste mir einfach die Schuld an allem geben und sich einreden, dass meine Schwächen nicht akzeptabel sind. Ansonsten müsste sie sich der Realität stellen und ich glaube, ihre seelischen Wunden sind zu schmerzhaft, um hinzuschauen. Daher muss sie immer alle Schuld im Außen zu suchen. Sie ist ein Opfer ihrer frühesten Intimbeziehung und wurde so zur Täterin. Sie trägt keine Schuld daran und ich glaube auch nicht, dass sie bewusst verletzend ist.

Im Grunde waren wir beide Darsteller in einem Theaterstück mit festen Regeln. Viel kann man ihr also eigentlich gar nicht vorwerfen. Sie muss das ewig gleiche Spiel spielen und wird Menschen nie wirklich begegnen, sondern immer nur vergöttern oder verteufeln können. Das ist verdammt traurig, finde ich. So kann ich auch den Gedanken loslassen, dass ich irgendwie versagt habe. Mir ging es schlecht in der Beziehung und das sollte Grund genug sein, um in Zukunft früher die Reißleine zu ziehen. Das war mein Issue und ich weiß jetzt, dass ich mich immer auf meine Gefühle und meinen Instinkt verlassen kann…Lesson learned!

In Zukunft will ich lieber was echtes mit leicht rauer Oberfläche statt blank poliertem Spiegel ohne Unterbau!

Meine Borderline Beziehung (Part 2)

Was mich an meiner Borderline Ex am meisten gestresst hat: ihre instabile Persönlichkeit

Wenn ich an meine Borderline Beziehung zurück denke, gibt es recht viele Dinge, die eigentlich untragbar waren. Die ausgeprägten gegensätzlichen Ängste meiner Ex vorm „Verlassen werden“ und vorm „Verschlungen werden“ waren wirklich anstrengend für mich. Auch dieses dauernde Wechselspiel aus symbiotischer Nähe und Distanz war hart für mich. Aber heute bin ich überzeugt, dass ich darauf mehr oder weniger klar gekommen bin. Was mich mit Abstand am meisten gestresst und mich emotional komplett erschöpft hat, war ihre instabile Persönlichkeit und die daraus resultierende fehlende Objektkonstanz mir gegenüber.

Eine Beziehung zu einer so instabilen und wackligen Persönlichkeit wie meine Ex eine war, bedeutet fürs Hirn Dauerstress. Man hat einen nicht greifbaren Partner, der eine Wackelpudding Persönlichkeit hat: immer wechselhaft in der Form und nicht greifbar, wenn man Halt sucht. Der Fachmann nennt diesen Dauerstress kognitive Dissonanz. Das Hirn versucht verzweifelt zu verstehen, wo der Fehler liegt, doch findet keinen. Das hat zur Folge, dass der ganze Körper in Alarmbereitschaft geht. Bei mir kam es daher zu Konzentrationsmängeln, Schlafstörungen und einem Gedankenkarussel allererster Güte.

Meine Ex hat mir ihre Gefühlslage öfter durch Vergleiche mit ihren Ex Freunden beschrieben. Und hat dabei die ganze Bandbreite ihrer wackligen Borderline Persönlichkeit offenbart. Ihre Aussagen haben sich z.T. direkt widersprochen. Hier mal einige Beispiele:

Ich hatte noch nie ansatzweise solche Gefühle wie für dich – Natürlich hatte ich schon solche Gefühle für andere

Ich war noch nie richtig verliebt – Natürlich war ich vorher schon verliebt. Das habe ich nie in Abrede gestellt

Ich habe noch nie so etwas gefühlt wie in deiner Nähe – Nur weil man sagt, man hat so was noch nie gefühlt, heißt das ja nicht, dass man noch nie so etwas gefühlt hat

Unsere Beziehung wird nicht an meinen Gefühlen scheitern – Unsere Beziehung wird daran scheitern, dass ich nicht mehr die gleichen Gefühle für dich habe

All diese widersprüchlichen Beispiele liegen nicht etwa Monate auseinander, denn dann könnte ich eine gewisse Veränderung ihrer Gefühlslage nachvollziehen. Ich habe hier nur Beispiele angebracht, die innerhalb kurzer Zeit aufeinander folgten. Teilweise fielen diese Aussagen von ihr am gleichen Tag bzw. im Abstand weniger Tage.

Generell wirkt ihr ganzes Wesen im Nachhinein wie Flickwerk und es scheint, als ob sie verschiedene Persönlichkeitsanteile in sich trägt, die unabhängig voneinander existieren. Daher kam es auch zu der kognitiven Dissonanz bei mir, weil ich diese Anteile zu keinem Gesamtbild ihrer Persönlichkeit verbinden konnte. Ich hatte oft das Gefühl mit verschiedenen Personen zusammen zu sein und hielt sie daher kurzzeitig für schizophren. Folgende Persönlichkeitsanteile habe ich beobachtet:

  1. das verletzliche Mädchen (Alter ca. 5)
  2. die draufgängerische Jugendliche (Alter ca. 17)
  3. die erwachsene Frau (Alter ca. 30)
  4. der Symbiotiker
  5. der aggressive Beschützer

Aufgrund dieser diversen Persönlichkeitsanteile finde ich es passend, Borderliner als Personen mit einer fragmentierten Persönlichkeit zu bezeichnen. Mir kam es außerdem so vor, als würde meine Ex Meinungen und Persönlichkeitsanteile von anderen übernehmen. Und je nachdem, wen sie gerade am stärksten idealisiert hat, den spiegelte sie am stärksten wieder. Schon zu Anfang unserer Beziehung habe ich festgestellt, dass sie sich in unterschiedlichen Kreisen anders verhält. Sie hat sich immer ziemlich passend in die jeweilige Gruppe eingefügt. Aber wenn wir alleine waren und von mir kein Input kam, wirkte sie komplett konturlos.
Am Schluss unserer gemeinsamen Zeit konnte ich bei unseren Diskussionen sagen, mit wem sie vorher geredet hat. Mal hat sie dann eine frühere Meinung von mir, ihrer Mutter oder einer Freundin unverändert übernommen und vertreten. Und nicht nur die Meinung der jeweiligen anderen Person wurde von ihr übernommen, auch den individuellen Sprachstil und die Mimik der jeweils anderen Person hat sie 1 zu 1 imitiert. Sie wurde dann quasi zu der anderen Person und wer sie eigentlich war, wurde immer unklarer.

Im Nachhinein ist das alles total spooky für mich. Ob sie überhaupt eigene Persönlichkeitsanteile oder Meinungen hat, kann ich nicht sicher sagen. Vielmehr wirkt ihre Persönlichkeit wie Knete auf mich und die formt sich je nach der aktuell idealisierten Person. Zu Beginn hat sie mich zu 100% gespiegelt. Sie hat meinen Musikgeschmack, Humor, meine Hobbys, Ansichten und Werte komplett übernommen. Deshalb dachte ich zu Beginn – wie so viele Menschen in Missbrauchsbeziehungen – ich hätte meinen Seelenverwandten getroffen. Als sie mit der Zeit auch bei mir Schwächen festgestellt hat, war ich nicht mehr perfekt in ihren Augen. Also hat sie zeitweise andere Menschen in ihrem Umfeld idealisiert und diese gespiegelt. Erst dann habe ich gemerkt, dass ihr ganzes Wesen sowie ihre Werte, Hobbys und Ansichten schwanken wie ein Hafenkahn und die zu Anfang vorhandene Seelenverwandtschaft nur eine Illusion war.

Im Nachhinein kommt es mir so vor, als wäre ich mit einer menschlichen Hülle zusammen gewesen. Nüchtern betrachtet ist ihre Persönlichkeit wie ein weißes Blatt Papier für mich. Ich kann ungelogen nicht eine Charaktereigenschaft von ihr aufzählen, da nichts konstant vorhanden war. Das ist der Fakt, den ich am gruseligsten finde, wenn ich an diese Beziehung zurück denke…

To be continued

Meine Borderline Beziehung (Part 1)

Einleitung

Vorweg möchte ich klar stellen, dass meine Ex keine diagnostizierte Boderlinerin ist. Ich bezeichne sie aber für mich als Persönlichkeit mit Borderline Auffälligkeiten oder kurz „die Borderlinerin“, da diese Bezeichnung weniger sperrig ist.
Als ich nach besagter Beziehung zu einer Therapeutin ging, hat diese mir direkt gesagt, dass es bei meiner Ex deutliche Auffälligkeiten Richtung Borderline gibt. Das soll hier keine Ferndiagnose eines Laien sein, aber mit dieser „Krücke Borderline“ konnte ich zum 1. Mal ihre Verhaltensweisen verstehen und einordnen. Mir hat das Wissen und die Einordnung als Borderline Beziehung bei der Verarbeitung des ganzen sehr geholfen, da plötzlich alles Sinn ergeben hat. Ob man sie jetzt eindeutig diagnostizieren könnte oder nicht, ist mir gar nicht so wichtig. In meinen Augen ist meine Ex emotional sehr sehr instabil und ob diagnostizierbar oder nicht: einen Partner mit solchen Wesenszügen würde ich nicht mal meinem schlimmsten Feind gönnen!

Da ich ein großer Freund von Checklisten bin, hier die Anzeichen, die bei meiner Ex auffällig sind und mMn auf Borderline hinweisen:

  • Symbiosewunsch
  • instabile Persönlichkeit bzw. fragmentierte Persönlichkeit
  • schwarz-weiß Denken
  • ausgeprägte Angst vorm Verlassen werden und gleichzeitig ausgeprägte Angst vorm Verschlungen werden
  • Wechselspiel aus Nähe und Distanz
  • fehlende Objektkonstanz
  • Phasen von Idealisierung und Abwertung

Unsere Beziehung ging über ein Jahr und keine zwischenmenschliche Begegnung hat mich jemals so verstört. Ich hätte es zuvor einfach nicht für möglich gehalten, dass es tatsächlich Menschen gibt, die 0 Selbstreflexion besitzen und alle Verantwortung an andere abgeben. Aber diese spezielle Persönlichkeit hat es geschafft, mich eines besseren zu belehren. Sie ist auf jeden Fall eine hochfunktionale Gestörte. Das bedeutet, dass sie im Job und oberflächlichen Beziehungen recht gut funktioniert. Aber tiefer gehende Beziehungen auf Augenhöhe hat sie keine. Heute wäre auch dieser Umstand ein Warnsignal für mich.

Der Ablauf meiner Borderline Beziehung

Unsere Beziehung begann wie eigentlich alle Missbrauchsbeziehungen mit einem BÄMM (Love bombing). Schon nach kurzer Zeit sprach sie von mir als „den Einen“, von Kindern und das unsere Beziehung für sie „das Heiligste auf der Welt“ wäre. In der Anfangszeit hat sie mich auf ein Podest gestellt und über alle Maße idealisiert. Aber sie schien irgendwie anders verliebt zu sein als andere. Sie hat mich zwar vergöttert wie noch nie zuvor jemand, aber sie wirkte irgendwie instabil in ihren Aussagen und ihrem Wesen. Was ich immer merkwürdig fand, war dieser extreme Wechsel aus Nähe und Distanz. Anfangs habe ich es noch geschafft, ihr Grenzen zu setzen. Doch mit der Zeit wurde ich immer unsicherer und hatte gefühlt keine Kraft mehr, um ihr Grenzen aufzuzeigen.
Sie hat mich emotional komplett ausgelaugt und mich als emotionale Tankstelle missbraucht. Zu Anfang unserer Beziehung war ich der souveräne, sportliche Typ mit einem gesunden Selbstvertrauen. Mit der Zeit wurde ich immer unsicherer und war chronisch erschöpft; vor allem in ihrer Nähe. Die letzten 2/3 unserer Beziehung habe ich mich nur noch gerechtfertigt und hatte massive Schuldgefühle, weil ich scheinbar alles kaputt mache. Nach ihrer Meinung gab es nur deshalb Schwierigkeiten zwischen uns, weil ich psychische Probleme habe, denn an ihr und ihrem Verhalten sei alles richtig. Mit der Zeit wurde alles immer dramatischer und ihre Aussagen schwankten irgendwann nahezu täglich zwischen „Ich liebe dich“ und „ich hasse dich“. Unweigerlich kam es dann irgendwann zum Ende und ich blieb verstört zurück. Nie zuvor fühlte ich mich so ausgelaugt, missbraucht und verarscht. Doch ich war gleichzeitig froh, nicht mehr diesen quälenden Druck zu verspüren, den ich bei ihr gefühlt habe. Mit der Zeit kam ich immer mehr zu mir und wurde step by step wieder zu dem Menschen, der ich vor der Begegnung mit ihr war und den ich eigentlich sehr mag.

To be continued