Distanz, aber wie?!

Wenn es um den Kontakt zu toxischen Personen geht, bin ich mittlerweile sehr tough geworden und habe eigentlich nur eine klare Empfehlung: Distanz, und zwar so viel wie möglich.

Nullkontakt

Um eine destruktive Beziehung endgültig hinter sich zu lassen, ist Nullkontakt ein genau so einfaches wie effektives Tool. Nullkontakt bedeutet, dass man nach der Trennung vom Ex-Partner jeglichen Kontakt zu diesem einstellt. Und mit keinen Kontakt meine ich wirklich keinen Kontakt und z.B. stundenlanges Stalken der Facebook-Seite des Ex-Partners zählt als Kontakt.
Im konkreten Fall heißt das alle Kommunikationskanäle sperren wie whatsapp, Facebook, unter Umständen Telefonnummer blocken etc. Klingt radikal? Vielleicht, wirkt aber.
Zu Anfang wird es hart sein, den Nullkontakt aufrecht zu erhalten, aber irgendwann geht es. Erst zählt man quasi Stunden, dann Tage und irgendwann will man überhaupt keinen Kontakt mehr.

Warum ist Nullkontakt effektiv?

Weil man so Distanz gewinnt zum Ex-Partner und die Beziehung realistisch sehen kann ohne rosarote Brille. All die Manipulationen und destruktiven Muster einer solchen Beziehung brauchen Zeit, um an die Oberfläche zu kommen. Zu Beginn der Trennungszeit fühlt es sich vermutlich an, als hätte man Kleister im Kopf. Das ist die Folge der missbräuchlichen Verhaltensweisen und des ungeheuren Stresses innerhalb der Beziehung. Erst wenn der Kleister nicht mehr im Kopf ist, kann man klar denken. Und um dahin zu kommen, ist Nullkontakt einfach und effektiv.

Wann Nullkontakt schwierig wird?

Nullkontakt einzuleiten ist natürlich schwierig bei gemeinsamen Kindern oder wenn es andere Verbindungen gibt, z.B. wenn der Ex-Partner in der gleichen Firma arbeitet. Hier wäre mein Rat aber nichts desto trotz ebenfalls Distanz: so viel wie eben geht. Vor allem emotionale Distanz wäre wichtig, um sich zu lösen. Hier kann es helfen, sich bewusst vor Augen zu halten, wie die Beziehung wirklich war. Mit all ihren Facetten und destruktiven Inhalten.

Distanz zu toxische Familienangehörigen

Habt ihr wie ich ein toxisches Familienmitglied, ist es ungleich schwerer auf Distanz zu gehen. Und ich habe hierbei noch leicht reden, denn mein Vater ist schon seit über 10 Jahren von meiner Mutter geschieden. So war es für mich mit deutlich weniger Einschränkungen verbunden zu ihm auf Distanz zu gehen.
Oftmals ist es ungleich schwieriger zu Familienmitgliedern auf Distanz zu gehen, denn so stört man den Familienfrieden und schließt sich eventuell sogar von Familienevents aus.
Zu Familienmitgliedern auf Distanz zu gehen, ist hart. So richtig hart. Aber für mich hat es sich gelohnt, diesen Schritt zu gehen. Ich fühle mich deutlich besser und es war eine enorm effektive Möglichkeit, um meine Grenzen zu schützen. Vor allem zu Anfang war es auch für mich hart diesen Schritt einzuleiten, aber auf lange Sicht überwiegen die Vorteile total.

Auf Distanz zu gehen, sollte man also unbedingt ausprobieren, wenn man eine toxische Persönlichkeit in seinem Umfeld hat. Auch wenn es gerade am Anfang hart wird, der Lohn auf lange Sicht ist ungleich höher. Wie zum Beispiel mehr Ruhe, Seelenfrieden,…

Top 5 Manipulationstechniken

Mein Wort zum Sonntag sind heute meine Top 5 der fiesesten Manipulationstechniken. (Eigentlich ja Worst 5, da böse, aber was soll’s):

  1. Schuld geben:
    Den Partner schön im Sud eines Vergehens aus jüngerer oder gerne auch älterer Vergangenheit köcheln lassen. Verhindert garantiert ernsthafte Gespräche und verhärtet jeden Konflikt.
  2. Strafen mit Schweigen:
    Statt mit dem Partner reden, ist Augenrollen angesagt. Der Partner fühlt sich nicht ernst genommen und fängt innerlich garantiert an zu kochen. Kindergartenkinder haben bessere Coping Skills im Konflikte lösen als manche Erwachsene.
  3. Drohen:
    Je nach Eskalationsstufe ist drohen die ultimative Waffe, um den Partner gefügig zu machen. Reicht von recht harmlosen Dingen wie der Drohung das gemeinsame Kuscheltier wegzuwerfen bis zur Androhung von Selbstmord. (In dem Fall definitiv die Polizei rufen, denn damit sollte niemand in einer Beziehung belastet werden.)
  4. Leere Versprechungen: Wenn du das machst, dann kriegst du das.
    So sollte man nicht mal Kinder gefügig machen, wenn Weihnachten vor der Tür steht. Glaubt nach ein paar Malen eh keiner mehr und der Frust ist vorprogrammiert.
  5. Proxy recruitment: Andere erledigen die Drecksarbeit für einen.
    Hier ein anschauliches Beispiel aus meiner „Beziehung“: Ich durfte mir damals von der Mutter meiner Ex anhören, wie sehr ihre arme Tochter doch unter mir leidet. Obwohl sie mich ja so sehr liebt. Die gute Dame war natürlich komplett unvoreingenommen und alles war komplett fair. Auch das Setting war perfekt in dem Fall: bei der Familie meiner Ex zu Hause; nachts um 2 Uhr nach einer Familienfeier; 600km von meinem Zuhause entfernt. Traumhaftes Szenario und ich habe mich dabei nur wie der schlimmste Mensch der Welt gefühlt.
    Schuldgefühle werden so quadriert beim Partner und ernsthafte Diskussionen im Keim erstickt. Untergräbt auch komplett das Vertrauen in den Partner und die Beziehung. Eigentlich sollte man in einer Beziehung ja ein Team sein. Beim Proxy recruitment verbündet sich der Maipulator aber gegen den eigenen Partner.

Habt ihr auch eine Top 5?

Wie man es schafft zur zwischenmenschlichen Vollkatastrophe zu werden

Wer kennt sie nicht, die Mitmenschen mit denen ein Miteinander so angenehm ist wie zu enge Schuhe tragen oder Videos gucken mit asynchroner Tonspur.
Hier mal meine Top 10 der Eigenschaften, die man sich antrainieren kann, um seine Mitmenschen in den Wahnsinn zu treiben. Für weitere „crazy-making“ Eigenschaften bin ich dankbar und die können gerne als Kommentar gepostet werden:

  1. Gib deinen Mitmenschen permanent die Schuld an wirklich allem. Spiel das Opfer in jeder Situation, um dir wahre Freunde zu machen.
  2. Wollen deine Mitmenschen sachlich diskutieren, werde sofort persönlich, wenn dir die Argumente ausgehen.
  3. Sage nie direkt, was du fühlst. Jeder hat gerne Kontakt zu passiv-aggressiven Menschen. Denn so ein wütendes und trotziges Kleinkind im Erwachsenenkostüm ist ein traumhafter Begleiter in jeder Lebenslage.
  4. Hat jemand etwas getan, was dir nicht gepasst hat, sag ihm das keinesfalls direkt. Strafe ihn mit Schweigen und verlange von ihm deine Gedanken zu lesen.
  5. Deine Bedürfnisse kommen an allererster Stelle. Dass andere Menschen ebenfalls Bedürfnisse haben, irritiert dich.
  6. Dreh dich im Kreis bei Argumentationen und bringe immer wieder die gleichen Themen und Argumente an. Alle deine Mitmenschen schätzen Monotonie sehr und hören sich die immer gleiche Platte nur allzu gerne auch zum 1000. Mal an.
  7. Rede nur von dir und höre anderen nicht zu. Wagt es jemand von sich zu sprechen, dann antworte mit catchy Phrasen: erzählt dir jemand von seiner Essstörung, erwähne hungernde afrikanische Kinder. Sagt dir jemand er sei depressiv, entgegegne einfach, dass traurig gucken das ganze auch nicht besser macht usw.
  8. Wenn es zum Konflikt kommen könnte, vermeide ihn, indem du lügst.
  9. Definiere die Realität deiner Mitmenschen. Hast du dich wie die Axt im Walde verhalten und der andere ist irritiert wegen deinem Verhalten, zeig keinerlei Einsicht. Sag dem anderen, er sei einfach zu sensibel. Da du ein gottähnliches Wesen bist, bestimmst allein du, was deine Menschen zu fühlen, glauben und denken haben.
  10. Nimm alles ernst und verstehe keinen Humor.

Gefühle und die Gefahr von emotionalem Missbrauch

In meinem letzten Beitrag zum Thema Gefühle habe ich beschrieben, wie traurig es ist, dass sich so viele Menschen nicht trauen, zu ihren Gefühlen zu stehen. Und so traurig der Umstand auch ist, so verständlich finde ich ihn doch auch auf der anderen Seite. Denn wenn wir wirklich zu unseren Gefühlen stehen, zeigen wir unser wahres Ich. Wir können die coole Fassade immer aufrecht erhalten, wenn wir wollen. Wir können Beziehungen, Freundschaften und Sex mit anderen Menschen haben ohne wirklich unsere wahren Gefühle zu offenbaren. Erst wenn wir unsere Gefühle offenbaren, stehen wir einem anderen Menschen wahrhaftig nackt gegenüber. Ich muss echt schmunzeln, wenn ich das so schreibe. Noch vor 1 Jahr hätte ich den Verfasser solcher Zeilen wahrscheinlich als waschechten Waschlappen bezeichnet, der sich mit Mädchenkram beschäftigt. Bevor ich in einer Missbrauchsbeziehung war, war ich solchen Themen gegenüber nicht wirklich aufgeschlossen. Erst durch diese „Beziehung“ habe ich erfahren, was mit Einem passieren kann, wenn man nicht auf seine Gefühle vertraut und wie es sich anfühlt, wenn man emotional missbraucht wird.

Und das erklärt für mich auch, warum es wichtig ist, nicht jedem sein Innerstes zu offenbaren:

  1. Nicht jeden interessiert es, was man gerade fühlt. Wenn jemand z.B. der Penny-Verkäuferin erzählt, dass er gerade ganz schrecklich unter Verlustangst leidet, schafft er dadurch sicherlich keine tiefe zwischenmenschlich Begegnung. So ein Verhalten zeugt eher von mangelhaft ausgeprägten persönlichen Grenzen bzw. er verletzt damit sogar die Grenzen des Anderen, der damit verständlicherweise nichts anfangen kann. Ein derartiges Verhalten schreckt das Gegenüber verständlicherweise ab und zeugt nicht gerade von Taktgefühl. Daher denke ich, dass Gefühlsäußerungen der jeweiligen Beziehung angemessen sein sollten. Meiner Freundin kann ich sagen, wenn mich ihr Verhalten verletzt. Genauso kann ich ihr sagen, dass ich es liebe, wenn sie dieses und jenes macht. Meinem Fitness Studio Kumpel kann ich sagen, dass es cool ist, mit ihm zusammen zu pumpen. Ich würde allerdings nicht sagen, dass ich eifersüchtig bin, wenn er mit einem anderen Bankdrücken macht.
  2. Man wird verletzbar, wenn man seine Gefühle offenbart. Da ist der wohl entscheidende Grund, warum es einem so schwer fällt zu seinen Gefühlen zu stehen. Wenn man seine Gefühle offenbart und sein Innerstes gezeigt hat, begibt man sich stets in Gefahr, abgelehnt zu werden. Ich finde es dabei gar nicht schlimm, wenn jemande meine Gefühle nicht verstehen kann. Sind ja auch meine und daher ist es verständlich, dass der andere das nicht so fühlen und verstehen muss. Reicht mir schon, dass er mich mit meinen Gefühlen stehen lassen kann und akzeptiert, was ich fühle. Bitter wird es dann, wenn die Gefühle vom Gegenüber als krank abgestempelt werden. Sollte das regelmäßig vorkommen, sollte man sich von der Person so gut es geht entfernen. Denn emotionale Missbrauchstäter sind gefährlich fürs eigene Wohlbefinden und kontinuierlicher emotionaler Missbrauch kann das Selbstwertgefühl empfindlich verletzen.
    Schwierig wird es stets dann, wenn man in einer nahen Beziehung zu einem Missbrauchstäter steht. Es gibt ja Menschen, die propagieren, dass einen nichts treffen darf, was andere sagen oder tun. Aber wir sind nun mal Menschen und damit soziale Wesen. Und daher spielen gerade unsere nahen Beziehungen eine Rolle und hier trifft einen emotionalen Missbrauch umso härter. Wenn einen das nicht trifft, zeugt das mMn eher von Gefühlskälte und mangelndem Interesse am Anderen als von Stärke oder Selbstvertrauen. Daher habe ich für mich folgende Regel aufgestellt: Wertet der andere kontinuierlich meine Gefühle ab, gehe ich zum Selbstschutz auf Distanz zu dieser Person. Wenn ich diese Person nicht komplett aus meinem Leben ausschließen kann, belasse ich es bei oberflächlichem Kontakt. Mehr geht aber nicht mit solchen Kandidaten.

Meine Borderline Beziehung (Part 3)

Nach der Borderline Beziehung

Phase 1: Jammertal

Nach dem Ende dieser Beziehung habe ich mich wie ausgekotzt gefühlt: leer und abgerockt. Angekommen im Jammertal: fühlte sich an wie körperlicher Entzug. Im Jammertal war ich eigentlich schon die letzten Monate unserer Beziehung und nach dem Ende erreichte ich noch mal einen Höhepunkt: Schlafstörungen, Magenprobleme, Gedankenkarussel deluxe, 50 Kippen pro Tag rauchen, Konzentrationsstörungen etc.
Nachdem ich das Ende akzeptiert habe und keinen Kontakt mehr hatte, wirkte alles immer merkwürdiger und fernab der Normalität. Können sich 2 gesunde Menschen wirklich so bizarr verstricken?! Ich war so dermaßen verwirrt und wollte Erklärungen haben für alles. Daher bin ich zu einer Therapeutin gegangen. Ergebnis: meine Psyche wirkt solide und der Gegenpart in dieser „Beziehung“ wirkt auffällig. Das Kind hatte jetzt auch einen vermeintlichen Namen: Borderline. Also ein Borderline Forum aufgesucht und meine Geschichte im Angehörigen Bereich gepostet und plötzlich fühlte ich mich verstanden. So viele Parallelen bei all den Geschichten… kann irgendwie kein Zufall sein.

Phase 2: Wutland

Nach dem Jammertal kam das Wutland und ich bin ein großer Fan davon! Ich habe meine Wut kanalisiert: aufgehört zu rauchen und Sport gemacht im Berserker-Modus. Man erreicht das Wutland aber nur durch konsequenten Nichtkontakt zum Ex Partner. Wichtigste Regel von Welt nach Missbrauchsbeziehungen!

Missbrauchsbeziehungen sind keine Liebesbeziehungen. Ich war immer getrieben von dieser Hoffnung, dass alles irgendwann wieder so wird wie am Anfang. Dass es mit mir wirklich so besonders und einzigartig ist. So wie sie es mir in den Idealisierungsphasen gesagt hat. Ich habe mich an dem Punkt aber selber verarscht, weil ich mich zwingen wollte, nur das positive zu sehen. Ich wollte mit aller Gewalt gegen meine Intuition gehen. Weil es zu toll gewesen wäre, all die negativen Seiten und Widersprüche zu ignorieren. Für mich war es ein Segen zu erkennen, dass eben nichts besonders war zwischen uns. All das Gelaber war Gelaber und hielt nie mit ihren Taten stand. All meine Erklärungen und Appelle an ihre Vernunft waren vergebens. Da hätte ich auch Mario Barth bitten können, mal witzig zu sein.

Jetzt stellen sich viele bestimmt die Standard Frage: Was war dein Anteil?
Ganz ehrlich, mein Anteil an dieser bitteren Entwicklung in unserer Beziehung war in meinen Augen meine Empathie, meine Offenheit und mein Verantwortungsgefühl. Ich stand zu meinen Gefühlen und habe diese konkret geäußert. Sie hat nie ihren Teil gesehen und nie Verantwortung übernommen. Ihre Welt war stets furchtbar einfach: alles ist deine Schuld! Ich habe mich zuweilen dämlich verhalten und Fehler gemacht. Aber ich habe mich für alles entschuldigt und sie nicht weiter verletzt, als ich ihre wunden Punkte kannte. Sie hat sich nur entschuldigt, wenn sie Angst hatte, dass ich sonst gehe. Ernst gemeint war genau keine. In meinen wunden Punkten hat sie fleißig weiter rumgerührt, auch nachdem sie wusste, welche das sind. Ich habe meine Bedürfnisse zur Sprache gebracht; ihre musste ich erraten, weil sie der Meinung ist, dass man als perfektes Paar nichts besprechen muss, sondern alles voneinander instinktiv weiß. Im Nachhinein wirkt es, als sei dieses zwischenmenschliche Miteinander für sie wie Integralrechnung für Erstklässler: leider zu hoch!

Und ich werde nicht außer acht lassen, dass ich leider in etwas übles rein geraten bin. Mir wurde was angepriesen als Seelenverwandtschaft und großer Liebe. Auch wenn ich skeptisch war, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, weil das zu lecker klang. Mir war nicht klar, dass ich nur einen komischen Spiegel kriege und dahinter nichts zu holen ist.

Im Wutland kam ich wieder zu mir und wurde peu à peu wieder zu dem Menschen, der ich vor der verstörenden Erfahrung war. Plötzlich änderte sich mein Mindset von „Was habe ich bloß falsch gemacht und wie kann ich es wieder reparieren?!“ zu „In was für einen Dreck bin ich da nur rein geraten und warum war ich nur so blind?!“

Phase 3: Inner Peace

Ich bleibe nicht stehen im Wutland, sondern arbeite meine Dinge aus und akzeptiere die als Teil von mir: meine wunden Punkte und dies das. Mein Endziel ist es, damit zu leben, dass ich in eine Missbrauchsbeziehung rein gerutscht bin und stolz drauf sein, dass ich aus dieser gestärkt hervor gehe. Nach so einer Erfahrung ist man zwar misstrauischer als zuvor, aber kann Faker von echten Menschen besser unterscheiden.

All die Beschäftigung mit mir selbst, habe ich gemacht, weil meine Persönlichkeit während der Beziehung konsequent abgeklopft wurde auf Schwachstellen und nach dem Ende alles offen lag. War ein guter Zeitpunkt, um sich selbst mal „Hallo“ zu sagen auf einer tieferen Ebene. Aber meine Erkenntnis ist, dass jeder normale Mensch wunde Punkte hat und verletzlich ist. Nur ein gesünderer Counter Part, bohrt nicht absichtlich in den Wunden rum, nachdem man diese verbalisiert hat. Bedürfnisse und Ängste hat jeder. So lange alles im Rahmen bleibt und man ehrlich zu sich stehen kann, ist alles cool. Wogegen ich mich vehement wehre, ist dieses Victim Blaming nach Missbrauchsbeziehungen. Glaubt man der weit verbreiteten Meinung, war ich in einer Missbrauchsbeziehung, weil ich zu empathisch bin. Empathie beim richtigen Partner ist aber Gold wert und Täter bleibt Täter in einer Missbrauchsbeziehung. Die Schuld dem gesunden Part zu geben, irritiert mich immer mehr. Verstehe ich nicht das Prinzip und ich finde, dass da Ursache und Wirkung verwechselt wird. Regnet es etwa, weil der Boden nass ist oder ist der Boden nass, weil es regnet?!
Durch die Missbrauchsbeziehung (Ursache) liegen meine wunden Punkte offen (Wirkung) und die kann ich anschauen und akzeptieren als Teil von mir. Aber ich war nicht in einer Missbrauchsbeziehung wegen meiner wunden Punkte.

Was ungemein weiter hilft, ist den Gegenpart nicht mehr zu verteufeln. Klar, ich wurde mies behandelt und ich kann den emotionalen Missbrauch auch nicht gut heißen. Aber leider war sie als Gestörte wohl gezwungen so zu handeln. Es ist doch so, dass sie mich am Anfang vergöttern musste. Sonst wäre ich nicht abhängig geworden und wäre früher oder später einfach gegangen. Sie musste auch meine Persönlichkeit spiegeln, weil sie keine hat und ich sonst nicht das Gefühl gehabt hätte, dass ich meine Traumfrau gefunden habe. Auch musste sie mich am Ende brutal abwerten, damit sie gehen kann. Sie musste mir einfach die Schuld an allem geben und sich einreden, dass meine Schwächen nicht akzeptabel sind. Ansonsten müsste sie sich der Realität stellen und ich glaube, ihre seelischen Wunden sind zu schmerzhaft, um hinzuschauen. Daher muss sie immer alle Schuld im Außen zu suchen. Sie ist ein Opfer ihrer frühesten Intimbeziehung und wurde so zur Täterin. Sie trägt keine Schuld daran und ich glaube auch nicht, dass sie bewusst verletzend ist.

Im Grunde waren wir beide Darsteller in einem Theaterstück mit festen Regeln. Viel kann man ihr also eigentlich gar nicht vorwerfen. Sie muss das ewig gleiche Spiel spielen und wird Menschen nie wirklich begegnen, sondern immer nur vergöttern oder verteufeln können. Das ist verdammt traurig, finde ich. So kann ich auch den Gedanken loslassen, dass ich irgendwie versagt habe. Mir ging es schlecht in der Beziehung und das sollte Grund genug sein, um in Zukunft früher die Reißleine zu ziehen. Das war mein Issue und ich weiß jetzt, dass ich mich immer auf meine Gefühle und meinen Instinkt verlassen kann…Lesson learned!

In Zukunft will ich lieber was echtes mit leicht rauer Oberfläche statt blank poliertem Spiegel ohne Unterbau!

Meine Borderline Beziehung (Part 2)

Was mich an meiner Borderline Ex am meisten gestresst hat: ihre instabile Persönlichkeit

Wenn ich an meine Borderline Beziehung zurück denke, gibt es recht viele Dinge, die eigentlich untragbar waren. Die ausgeprägten gegensätzlichen Ängste meiner Ex vorm „Verlassen werden“ und vorm „Verschlungen werden“ waren wirklich anstrengend für mich. Auch dieses dauernde Wechselspiel aus symbiotischer Nähe und Distanz war hart für mich. Aber heute bin ich überzeugt, dass ich darauf mehr oder weniger klar gekommen bin. Was mich mit Abstand am meisten gestresst und mich emotional komplett erschöpft hat, war ihre instabile Persönlichkeit und die daraus resultierende fehlende Objektkonstanz mir gegenüber.

Eine Beziehung zu einer so instabilen und wackligen Persönlichkeit wie meine Ex eine war, bedeutet fürs Hirn Dauerstress. Man hat einen nicht greifbaren Partner, der eine Wackelpudding Persönlichkeit hat: immer wechselhaft in der Form und nicht greifbar, wenn man Halt sucht. Der Fachmann nennt diesen Dauerstress kognitive Dissonanz. Das Hirn versucht verzweifelt zu verstehen, wo der Fehler liegt, doch findet keinen. Das hat zur Folge, dass der ganze Körper in Alarmbereitschaft geht. Bei mir kam es daher zu Konzentrationsmängeln, Schlafstörungen und einem Gedankenkarussel allererster Güte.

Meine Ex hat mir ihre Gefühlslage öfter durch Vergleiche mit ihren Ex Freunden beschrieben. Und hat dabei die ganze Bandbreite ihrer wackligen Borderline Persönlichkeit offenbart. Ihre Aussagen haben sich z.T. direkt widersprochen. Hier mal einige Beispiele:

Ich hatte noch nie ansatzweise solche Gefühle wie für dich – Natürlich hatte ich schon solche Gefühle für andere

Ich war noch nie richtig verliebt – Natürlich war ich vorher schon verliebt. Das habe ich nie in Abrede gestellt

Ich habe noch nie so etwas gefühlt wie in deiner Nähe – Nur weil man sagt, man hat so was noch nie gefühlt, heißt das ja nicht, dass man noch nie so etwas gefühlt hat

Unsere Beziehung wird nicht an meinen Gefühlen scheitern – Unsere Beziehung wird daran scheitern, dass ich nicht mehr die gleichen Gefühle für dich habe

All diese widersprüchlichen Beispiele liegen nicht etwa Monate auseinander, denn dann könnte ich eine gewisse Veränderung ihrer Gefühlslage nachvollziehen. Ich habe hier nur Beispiele angebracht, die innerhalb kurzer Zeit aufeinander folgten. Teilweise fielen diese Aussagen von ihr am gleichen Tag bzw. im Abstand weniger Tage.

Generell wirkt ihr ganzes Wesen im Nachhinein wie Flickwerk und es scheint, als ob sie verschiedene Persönlichkeitsanteile in sich trägt, die unabhängig voneinander existieren. Daher kam es auch zu der kognitiven Dissonanz bei mir, weil ich diese Anteile zu keinem Gesamtbild ihrer Persönlichkeit verbinden konnte. Ich hatte oft das Gefühl mit verschiedenen Personen zusammen zu sein und hielt sie daher kurzzeitig für schizophren. Folgende Persönlichkeitsanteile habe ich beobachtet:

  1. das verletzliche Mädchen (Alter ca. 5)
  2. die draufgängerische Jugendliche (Alter ca. 17)
  3. die erwachsene Frau (Alter ca. 30)
  4. der Symbiotiker
  5. der aggressive Beschützer

Aufgrund dieser diversen Persönlichkeitsanteile finde ich es passend, Borderliner als Personen mit einer fragmentierten Persönlichkeit zu bezeichnen. Mir kam es außerdem so vor, als würde meine Ex Meinungen und Persönlichkeitsanteile von anderen übernehmen. Und je nachdem, wen sie gerade am stärksten idealisiert hat, den spiegelte sie am stärksten wieder. Schon zu Anfang unserer Beziehung habe ich festgestellt, dass sie sich in unterschiedlichen Kreisen anders verhält. Sie hat sich immer ziemlich passend in die jeweilige Gruppe eingefügt. Aber wenn wir alleine waren und von mir kein Input kam, wirkte sie komplett konturlos.
Am Schluss unserer gemeinsamen Zeit konnte ich bei unseren Diskussionen sagen, mit wem sie vorher geredet hat. Mal hat sie dann eine frühere Meinung von mir, ihrer Mutter oder einer Freundin unverändert übernommen und vertreten. Und nicht nur die Meinung der jeweiligen anderen Person wurde von ihr übernommen, auch den individuellen Sprachstil und die Mimik der jeweils anderen Person hat sie 1 zu 1 imitiert. Sie wurde dann quasi zu der anderen Person und wer sie eigentlich war, wurde immer unklarer.

Im Nachhinein ist das alles total spooky für mich. Ob sie überhaupt eigene Persönlichkeitsanteile oder Meinungen hat, kann ich nicht sicher sagen. Vielmehr wirkt ihre Persönlichkeit wie Knete auf mich und die formt sich je nach der aktuell idealisierten Person. Zu Beginn hat sie mich zu 100% gespiegelt. Sie hat meinen Musikgeschmack, Humor, meine Hobbys, Ansichten und Werte komplett übernommen. Deshalb dachte ich zu Beginn – wie so viele Menschen in Missbrauchsbeziehungen – ich hätte meinen Seelenverwandten getroffen. Als sie mit der Zeit auch bei mir Schwächen festgestellt hat, war ich nicht mehr perfekt in ihren Augen. Also hat sie zeitweise andere Menschen in ihrem Umfeld idealisiert und diese gespiegelt. Erst dann habe ich gemerkt, dass ihr ganzes Wesen sowie ihre Werte, Hobbys und Ansichten schwanken wie ein Hafenkahn und die zu Anfang vorhandene Seelenverwandtschaft nur eine Illusion war.

Im Nachhinein kommt es mir so vor, als wäre ich mit einer menschlichen Hülle zusammen gewesen. Nüchtern betrachtet ist ihre Persönlichkeit wie ein weißes Blatt Papier für mich. Ich kann ungelogen nicht eine Charaktereigenschaft von ihr aufzählen, da nichts konstant vorhanden war. Das ist der Fakt, den ich am gruseligsten finde, wenn ich an diese Beziehung zurück denke…

To be continued

Meine Borderline Beziehung (Part 1)

Einleitung

Vorweg möchte ich klar stellen, dass meine Ex keine diagnostizierte Boderlinerin ist. Ich bezeichne sie aber für mich als Persönlichkeit mit Borderline Auffälligkeiten oder kurz „die Borderlinerin“, da diese Bezeichnung weniger sperrig ist.
Als ich nach besagter Beziehung zu einer Therapeutin ging, hat diese mir direkt gesagt, dass es bei meiner Ex deutliche Auffälligkeiten Richtung Borderline gibt. Das soll hier keine Ferndiagnose eines Laien sein, aber mit dieser „Krücke Borderline“ konnte ich zum 1. Mal ihre Verhaltensweisen verstehen und einordnen. Mir hat das Wissen und die Einordnung als Borderline Beziehung bei der Verarbeitung des ganzen sehr geholfen, da plötzlich alles Sinn ergeben hat. Ob man sie jetzt eindeutig diagnostizieren könnte oder nicht, ist mir gar nicht so wichtig. In meinen Augen ist meine Ex emotional sehr sehr instabil und ob diagnostizierbar oder nicht: einen Partner mit solchen Wesenszügen würde ich nicht mal meinem schlimmsten Feind gönnen!

Da ich ein großer Freund von Checklisten bin, hier die Anzeichen, die bei meiner Ex auffällig sind und mMn auf Borderline hinweisen:

  • Symbiosewunsch
  • instabile Persönlichkeit bzw. fragmentierte Persönlichkeit
  • schwarz-weiß Denken
  • ausgeprägte Angst vorm Verlassen werden und gleichzeitig ausgeprägte Angst vorm Verschlungen werden
  • Wechselspiel aus Nähe und Distanz
  • fehlende Objektkonstanz
  • Phasen von Idealisierung und Abwertung

Unsere Beziehung ging über ein Jahr und keine zwischenmenschliche Begegnung hat mich jemals so verstört. Ich hätte es zuvor einfach nicht für möglich gehalten, dass es tatsächlich Menschen gibt, die 0 Selbstreflexion besitzen und alle Verantwortung an andere abgeben. Aber diese spezielle Persönlichkeit hat es geschafft, mich eines besseren zu belehren. Sie ist auf jeden Fall eine hochfunktionale Gestörte. Das bedeutet, dass sie im Job und oberflächlichen Beziehungen recht gut funktioniert. Aber tiefer gehende Beziehungen auf Augenhöhe hat sie keine. Heute wäre auch dieser Umstand ein Warnsignal für mich.

Der Ablauf meiner Borderline Beziehung

Unsere Beziehung begann wie eigentlich alle Missbrauchsbeziehungen mit einem BÄMM (Love bombing). Schon nach kurzer Zeit sprach sie von mir als „den Einen“, von Kindern und das unsere Beziehung für sie „das Heiligste auf der Welt“ wäre. In der Anfangszeit hat sie mich auf ein Podest gestellt und über alle Maße idealisiert. Aber sie schien irgendwie anders verliebt zu sein als andere. Sie hat mich zwar vergöttert wie noch nie zuvor jemand, aber sie wirkte irgendwie instabil in ihren Aussagen und ihrem Wesen. Was ich immer merkwürdig fand, war dieser extreme Wechsel aus Nähe und Distanz. Anfangs habe ich es noch geschafft, ihr Grenzen zu setzen. Doch mit der Zeit wurde ich immer unsicherer und hatte gefühlt keine Kraft mehr, um ihr Grenzen aufzuzeigen.
Sie hat mich emotional komplett ausgelaugt und mich als emotionale Tankstelle missbraucht. Zu Anfang unserer Beziehung war ich der souveräne, sportliche Typ mit einem gesunden Selbstvertrauen. Mit der Zeit wurde ich immer unsicherer und war chronisch erschöpft; vor allem in ihrer Nähe. Die letzten 2/3 unserer Beziehung habe ich mich nur noch gerechtfertigt und hatte massive Schuldgefühle, weil ich scheinbar alles kaputt mache. Nach ihrer Meinung gab es nur deshalb Schwierigkeiten zwischen uns, weil ich psychische Probleme habe, denn an ihr und ihrem Verhalten sei alles richtig. Mit der Zeit wurde alles immer dramatischer und ihre Aussagen schwankten irgendwann nahezu täglich zwischen „Ich liebe dich“ und „ich hasse dich“. Unweigerlich kam es dann irgendwann zum Ende und ich blieb verstört zurück. Nie zuvor fühlte ich mich so ausgelaugt, missbraucht und verarscht. Doch ich war gleichzeitig froh, nicht mehr diesen quälenden Druck zu verspüren, den ich bei ihr gefühlt habe. Mit der Zeit kam ich immer mehr zu mir und wurde step by step wieder zu dem Menschen, der ich vor der Begegnung mit ihr war und den ich eigentlich sehr mag.

To be continued

Offener Brief

Liebe unreflektierte (Cluster-B) Gestörte,

wann werdet ihr endlich verstehen, was ihr anderen Leuten antut?
Ihr seid euch nie eurer missbräuchlichen Taten bewusst. Werdet ihr damit konfrontiert, macht ihr das gleiche wie immer: Ihr gebt anderen die Schuld. Schlagt ihr Kinder, sind die Kinder schuld. Schlagt ihr euren Partner, ist dieser schuld. Seid ihr respektlos und beleidigend, ist der Andere schuld, denn den Anderen kann niemand respektieren.

Ihr verallgemeinert eure Aussagen, um euer Verhalten zu rechtfertigen: „Man kann niemanden respektieren, der..“ „Niemand mag das…“ „Jeder würde da die Geduld verlieren…“

Hört endlich auf damit, eure Taten so zu rechtfertigen und als gesellschaftlich akzeptabel zu deklarieren. Ihr merkt doch, dass ihr irgendwie anders seid. Steht also endlich zu eurer Andersartigkeit, reflektiert euch und lernt damit umzugehen. Gebt nicht immer anderen Menschen und äußeren Umständen die Schuld an euren Gefühlen und eurem Verhalten.

Ich z.B. stotter und werde daher wohl nie Politiker werden oder große Reden schwingen können. Doch das ist mein Ding und ich lebe damit. Wenn ich stotter, hat nicht mein Gesprächspartner schuld daran.
Das gleiche wünsche ich mir von euch: Seid ihr emotional oder körperlich gewalttätig, ist nicht der andere schuld. Das ist ganz allein euer Ding!