Interessanter Beitrag zum Thema Selbstvertrauen

Hier ein schöner Beitrag (auf englisch) aus dem lesenswerten Blog „Barking up the wrong tree“:

http://www.bakadesuyo.com/2016/04/how-to-be-more-confident-2/

Es geht im wesentlich darum, dass der allgemeine Fokus aufs Steigern des Selbstvertrauen nicht hilfreich ist und auch nicht den gewünschten Effekt hat. Der Text ist ein Plädoyer für Self-compassion (zu deutsch in etwa Selbstmitgefühl; wer ein passendes deutsches Wort weiß, möge es mir bitte verraten).
Damit man auf lange Sicht zufriedener mit sich selbst wird, ist es demnach hilfreich, sich selbst wie einen guten Freund zu behandeln. Wenn man sich hingegen darauf fokussiert, sein Selbstvertrauen zu steigern, ist dies eigentlich unmöglich. Das einzige was man auf lange Sicht vielleicht erreicht ist: Narzissmus. Und das ist wirklich alles andere als erstrebenswert.

Fazit: Für ein besseres Selbstbild ist es besser, sich zu sagen: „Ich bin ich und das ist okay!“ anstatt „Ich bin der geilste Mensch des Planeten.“

Umgang mit Narzissten

Seit dem 11. März 2015 habe ich diesen Beitrag als Entwurf drin stehen…Umgang mit Narzissten. Der ist auch eigentlich ganz nett geschrieben, wenn man mich fragt und ich habe den trotzdem noch immer nicht veröffentlicht. Werde ich in der Form auch nicht, habe ich jetzt endgültig beschlossen. Somit landen etwa 800 Wörter im virtuellen Nirvana.

Warum? Weil ich da nicht hinter stehe, was da drin steht. Immer wenn ich auf Infos zum Umgang mit Narzissten stoße, stehen da so nett gemeinte Allgemeinplätze drin: Grenzen setzen und nicht auf Manipulationsspielchen einsteigen. So was in der Art habe ich da auch rein geschrieben, aber inzwischen bin ich davon nicht mehr überzeugt. Wenn ich als Sohn eines in meinen Augen extrem narzisstischen Menschen so etwas lese, denke ich mir meinen Teil. Und zwar: nett gemeint, aber ist nett nicht die kleine Schwester von…ähm…Man kann manchen Leuten keine Grenzen setzen. Oder besser ausgedrückt: es gibt Leute, die reißen jede Grenze ein. Da kann man noch so vehement Grenzen setzen. Es gibt so extrem entgrenzte Bulldozer, da hilft nur die Flucht, um sich effektiv zu schützen. Und auf Manipulationsspielchen nicht zu reagieren ist für mich zuweilen schwer bis unmöglich. So manche bittere Praline kann ich einfach nicht wortlos schlucken. Für mich sollte immer der Selbtschutz an erster Stelle stehen und daher ist bei manchen Menschen einfach Distanz so viel gesünder, wenn man mich fragt. Und das Vorhaben einem Narzissten Grenzen zu setzen ist in etwa so erfolgsversprechend wie ein schickes Paar Männersandalen zu finden. Grenzen mit Narzissten und schicke Männersandalen kenne ich beides maximal vom Hörensagen, aber halte ich für real nicht existent. Also so was wie Bielefeld, aber jetzt schweife ich endgültig ab…

Ich kann jedenfalls niemandem Tipps geben. In meiner ursprüngliche Version des Artikels stand auch noch so was wie keine Schwächen zeigen und die verbale Keule raus holen. ABER: Kann jemand ernsthaft einen Kontakt in der Art wollen? Mir hat meine Therapeutin mal was gesagt und zwar:

Sie können dann Umgang mit einem ausgewachsenen Narzissten haben, wenn sie es schaffen mit ihm wie mit einem geistig Behinderten zu kommunzieren.

Ich habe da lange drüber nachgedacht und fand das am Anfang auch extrem. Aber ich muss sagen, dass wäre der einzige für mich denkbare Umgang mit Narzissten. Einfach nichts ernst nehmen und alles abtun als geistigen Diarrhoe. Dabei aber keine schlechten Gefühle aufkommen lassen, denn immer dran denken: der Mensch gegenüber kann einfach nicht anders.

Ehrlich gesagt kann ich persönlich aber nicht mal das umsetzen. Ich kann noch nicht akzeptieren, dass mein Vater vielleicht einfach nicht anders kann und es keine Frage des Wollens (oder Willens) ist. So weit bin ich noch lange nicht und ich mache mir auch keinerlei Druck, dahin zu kommen. Ich fahre gerade sehr gut damit, keinen Kontakt mehr zu haben. Ist deutlich stressfreier für mich so. Daher ist das mein persönlicher Tipp im Umgang mit Narzissten: Weniger ist mehr!

Narzissten und Therapie

Wenn es um Narzissten und hochfunktionale Gestörte geht, sind Therapeuten oftmals selbst überfordert. Denn sie standen vermutlich noch nie einem in ihrem Berufsleben gegenüber. Wenn überhaupt, dann sind sie einem Narzissten privat begegnet. Deshalb wirken viele Tipps zum Umgang mit Narzissten oftmals theoretisch sinnvoll, aber in der Praxis schlicht unbrauchbar.

Ein richtiger Narzisst ist unfähig zu erkennen, dass er Probleme hat bzw. das Problem ist und würde nie von selber in Therapie gehen. Die einzigen Narzissten in Therapie wurden vermutlich unter Androhung von Konsequenzen von ihren Partnern in Therapie geschickt. Aber ich glaube nicht, dass das irgendwas bringen kann, denn Selbstreflexion und Verantwortung bleiben leider Fremdwörter für waschechte Narzissten. Für wahrscheinlicher halte ich es, dass der Narzisst entweder den Therapeuten abwertet oder seine Rolle so überzeugend spielt, dass auch der Therapeut am Ende glaubt, der Partner des Narzissten sei schuld an allem. Im schlimmsten Fall nutzt der Narzisst die Erkenntnisse aus der Therapie nur dazu, um noch effektivere Manipulationstechniken zu erlernen und noch subtiler abzuwerten.

Oder es passiert das hier:

Narzisst

Narzissten

Pathologische Narzissten sind für mich immer wieder faszinierende Menschen. In meinen Augen ist es einfach unfassbar, wie viel Zerstörung ein einzelner Mensch verursachen und wie tiefe Wunden narzisstischer Missbrauch hinterlassen kann.

Narzissmus finde ich auch deshalb so extrem, weil der narzisstisch gestörte Mensch in der Regel nicht behandelt wird, aber dafür oftmals sein Umfeld in Behandlung müsste, wenn der Narzisst lange genug am Werk war. Eigentlich sollte der Narzisst dringend in Therapie und nachreifen. Aber aufgrund seiner grandiosen Selbstüberschätzung und mangelnden Reflexion erkennt er nicht, dass seine Störung im Grunde das entscheidende Problem in seinen zwischenmenschlichen Beziehungen darstellt. Und verursacht so munter Chaos und Zerstörung im Leben seiner nahen Umgebung. Für mich zeichnet einen waschechten Narzissten Folgendes aus:

  • schwaches Selbstvertrauen. Versucht der Narzisst zu kompensieren mit grandios überzogener Selbstdarstellung
  • Mangel an Empathie und Reue
  • Egozentrik
  • Entwertung anderer, um sich selbst aufzuwerten
  • hochmanipulatives Verhalten
  • überzogene Empfindlichkeit

Ein narzisstisch Gestörter kommt wie ein Wolf im Schafspelz daher und zu Anfang sind Begegnungen mit Narzissten sehr beschwingend, denn sie wirken oftmals charmant und lässig. Doch je näher man dem eigentlichen Menschen kommt, desto widersprüchlicher und irritierender werden die Verhaltensweisen. Als geübter Beobachter merkt man recht schnell, dass das Selbstvertrauen nur aufgesetzt ist und sich dahinter ein zutiefst verletzliches Wesen befindet. Diese Verletzlichkeit bedeutet für Narzissten jedoch eine Schwäche, die niemand sehen darf. Vor allem sie selbst nicht. Narzissten schämen sich so sehr vor ihrer eigenen Minderwertigkeit, dass sie über Leichen gehen würden, um ihr aufgesetztes, Gott gleiches Selbstbild aufrechterhalten zu können. Also wird der Narzisst bei dem kleinsten Gegenwind munter austeilen und jeden massiv abwerten, der ihm zu Nahe kommt. Das hat nichts mit gesunden menschlichen Grenzen zu tun, denn der Narzisst zeigt nicht, wo seine Grenzen liegen. Er wertet stattdessen massiv ab, wenn man sich seinen Grenzen auch nur nähert. Er selbst übertritt munter Grenzen und akzeptiert diese nicht, selbst wenn man sie ihm mehr als deutlich zeigt. So verschwimmen die eigenen Grenzen zu einem merkwürdigen Brei im Umgang mit Narzissten.
Ein Narzisst kann sich nicht vorstellen, dass ihn jemand um seiner selbst willen mag. Also spielt er diese Rolle der selbstbewussten Person und greift auf hochmanipulatives Verhalten zurück, damit er Menschen in seine Nähe ziehen kann. Es ist wirklich traurig, für wie minderwertig sich Narzissten eigentlich halten und wäre das Verhalten von Narzissten nicht so schädlich, könnte man wirklich Mitleid haben.
Ein trotziges Kind ist fair in seinem Verhalten im Vergleich zu einem malignen Narzissten. Der Narzisst fordert alles, aber gibt nicht viel mehr als nichts. Was er fordert: grenzenlose Bewunderung, keinerlei Kritik, Wahren seiner Grenzen und noch viel mehr. Was er gibt: massive Grenzüberschreitungen, Abwertungen weit unter der Gürtellinie sowie andauernde Respektlosigkeiten und Sticheleien. „Wenig geben, alles kriegen“ oder auch „Wasch‘ mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“ scheint das Motto von Narzissten zu sein.

Ich selbst bin als Kind eines narzisstisch gestörten Vaters groß geworden und das ist alles andere als ein Zuckerschlecken. Als kleines Kind fand ich ihn noch großartig und es war auch toll, dass er sich wirklich um mich gekümmert hat. Aber je älter ich wurde, desto anstrengender wurde das Zusammenleben. Denn die Rollen in unserer Beziehung haben sich mehr und mehr vertauscht. Ich schätze, ich war etwa 10, als sich unser Rollenverhältnis anfing zu drehen. Ab diesem Zeitpunkt wollte er mehr von mir haben, als er zu geben im Stande war. Egal was ich getan habe, er hat immer noch mehr von mir als Kind gefordert; vor allem Bewunderung, Aufmerksamkeit und Bestätigung. Jedes meiner Probleme und Bedürfnisse hat er  so aufgefasst, als ob ich ihn damit belästige und seine kostbare Energie vergeude. Schließlich hätte ich nach seiner Auffassung die Zeit ja sinnvoller nutzen können und ihn bewundern können, statt über Quatsch wie meine Sorgen, Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen. Die Konsequenz davon war, dass ich so gelernt habe, nicht über eigene Probleme zu reden und meine Bedürfnisse nicht über die anderer zu stellen.
Wer narzisstischen Missbrauch in seiner Kindheit erlebt hat, lernt erst viel später auf sich und seine Gefühle zu achten. Heute beziehe ich eigentlich immer Position, bringe meine Gefühle zur Sprache und rede auch über meine Bedürfnisse. Aber ich halte automatisch die Bedürfnisse anderer für wichtiger als meine. Diesen Automatismus habe ich in meiner Kindheit gelernt und ich muss mich immer wieder daran erinnern, dass ich der wichtigste Mensch in meinem Leben bin. Nein zu sagen, gesunden Egoismus und das Recht zu haben, Grenzen ziehen zu dürfen, musste ich mühsam als Erwachsener lernen. So geht es vielen Menschen, die mit narzisstischem Missbrauch aufgewachsen sind. Aber das schöne ist, dass man als gesunder Mensch nachreifen kann, während Narzissten leider immer Kinder im Erwachsenenkostüm bleiben. So kämpfen sie als Peter Pans dieser Welt weiter gegen imaginäre Captain Hooks und merken nicht mal, dass sie dabei eigentlich nur sich selbst bekämpfen.

Mein narzisstischer Vater und ich

Am Wochenende habe ich mich mit meinem Vater getroffen und war Gott sei dank nicht alleine bei ihm. Ich bin Anfang 30 und habe mein Leben ganz gut im Griff, würde ich sagen. Doch mein Vater versteht es wie sonst niemand, meine wunden Punkten zu treffen und genau die richtigen Knöpfe zu drücken. Dann mutiere ich vom Erwachsenen zum pissigen Jugendlichen.

Das schlimmste an der Beziehung zu meinem Vater ist für mich, dass ich ihm nicht vertraue. In seiner Nähe beobachte ich alles kritisch und bin immer sehr vorsichtig, was ich sage und wie ich mich verhalte. Ich zeige bei ihm keine Schwäche, weil er mich dafür abwerten würde. Vielleicht nicht sofort, aber irgendwann mit Sicherheit. Ich finde die folgende Aussage ziemlich passend:

Ein Elefant vergisst irgendwann; der Narzisst nicht.

Ich kann mich daran erinnern, dass ich ihm irgendwann im letzten Jahr gesagt habe, dass er moralisch nicht über andere urteilen kann. Nicht wenn er selber ein Betrüger und notorischer Lügner ist. Monate später hat er meine Ex-Schwiegermutter getroffen und mir von dem Treffen berichtet. Und dabei hat er einen Aspekt von deren Unterhaltung so verdreht, dass er mich persönlich schwer getroffen hat. Und derartige Reaktionen zeigt er immer. Er provoziert mich ohne Ende und wenn ich dann reagiere, ist er zunächst geknickt, weil ich so ätzend bin zu ihm. Aber Wochen oder Monate später, rächt er sich mit einer persönlichen Attacke.

Ich wünsche wirklich niemandem eine solche Beziehung zu einem Elternteil. Eine, in der Misstrauen herrscht, in der man sich kleiner fühlt als normal und in der man immer aufs schlimmste gefasst ist. Er hat schon so oft abstruse Lügengeschichten erzählt, dass ich ihm eigentlich nichts mehr glaube.
Warum ich mich noch mit meinem Vater treffe, kann ich wirklich nicht sagen. Vielleicht weil es sich so gehört und er mich nur noch mehr nerven würde, wenn wir uns gar nicht mehr treffen. Fakt ist jedoch, dass jedes Treffen eher Sport ist statt Erholung. Danach bin ich meist erschöpft und fühle mich ausgelaugt.

Bei jedem Treffen dreht es sich im Endeffekt darum, dass er Bestätigung bekommt. Dafür würde er sogar über Leichen gehen. Er ist so dermaßen grenzverletzend, dass es wirklich anstrengend ist mit ihm. Seine Hilfsbereitschaft nervt mich auch, weil ich weiß, dass er nur hilfsbereit ist, um mir noch Jahre später vorzuhalten, was er denn alles für mich getan hat. Deshalb wäre mein Vater mit der letzte, den ich kontaktieren würde, wenn es mir schlecht geht oder den ich um Hilfe bitten würde.

Ich weiß gar nicht, wie er es immer schafft, dass sich jedes Gespräch am Ende um ihn dreht und er danach bettelt, dass ich ihm sage, wie stolz ich doch bin.
Hier mal ein typisches Beispiel: Ich kann mich noch daran erinnern, als ich ihm erzählt habe, dass ich mich scheiden lassen werde von meiner 1. großen Liebe. Er hat das kurz zur Kenntnis genommen und mir dann erzählt, dass ein Freund von ihm Anwalt ist. Es ging dann nur noch darum, dass er jemanden kennt, der Anwalt ist und ich den doch nehmen kann als Rechtsbeistand. Das meine Ex-Frau und ich zu dem Zeitpunkt längst einen gemeinsamen Anwalt hatten, hat ihn 0 interessiert. Er war in einer rhetorischen Dauerschlaufe: „Ich kenne einen Anwalt-nimm diesen Anwalt.“
Am Ende habe ich dann gesagt: „Okay, es ist richtig toll, dass du einen Anwalt kennst. Gib mir mal die Telefonnummer von dem und dann mache ich einen Termin aus mit dem.“ Da ich meinen Vater kenne, wusste ich, dass ich nur so das Thema beenden kann. Die Nummer hatte er merkwürdigerweise nicht da und ich habe nie wieder was von dem Anwaltsfreund gehört. So enden eigentlich alle Unterhaltungen von uns. Ich sage ihm: „Super, ganz toll ist das bzw. ganz toll hast du das gemacht!“ Und dann geht es weiter zum nächsten Thema. Ich habe es längst aufgegeben, irgendwas von mir zu erzählen außer, dass alles gut ist.