Nach der Beziehung

Der Schock nach dem abrupten Ende

In der Regel ist das Ende einer Missbrauchsbeziehung nicht mit einem normalen Beziehungsende vergleichbar. Normale Beziehungen scheitern in der Regeln an unterschiedlichen Lebensentwürfen oder abflauender Spannung zwischen den Partnern. Nach dem Ende einer Missbrauchsbeziehung fragt sich der zurückgebliebene Angehörige (=geistig gesunder Partner), was echt und was unecht an dieser Beziehung war. Es gibt keine Chance zur abschließenden Klärung mit dem gestörten Partner und der Angehörige bleibt verwirrt zurück. In der ersten Schockphase sind das Gefühl eines körperlichen Entzugs wegen dem Suchtfaktor der Beziehung und Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (kann bis zu 6 Monate anhalten) nicht unüblich. Zu Anfang wird der Angehörige dem Gestörten in der Regel noch hinterhertrauern und verzweifelt um Klärung bemüht sein.

Nach der 1. Schockphase

Hat man die 1. Schockphase überwunden, so wird der Angehörige normalerweise die Beziehung systematisch auseinander nehmen und analysieren. Der Gestörte hat zum Ende der Beziehung dafür gesorgt, dass sich der Angehörige dauerhaft rechtfertigt und ihn mit Schuldgefühlen eingedeckt.
Allein deshalb halte ich das gerne fabrizierte Victim-Blaming nach einer Missbrauchsbeziehung für wenig hilfreich bis gefährlich. Aussagen wie „Hast du dir nicht einfach zu viel gefallen lassen?“ „Es braucht ja immer zwei für…“ „Was ist denn dein Anteil?“ treffen Leute, die meistens noch keine eigene Missbrauchsbeziehung hinter sich haben. Nach einer normalen Beziehung sind derartige Reaktionen absolut angemessen. Nach einer Missbrauchsbeziehung sind solche Fragen aber nur bedingt angebracht. Die Frage nach dem eigenen Anteil stellt sich in einer Missbrauchsbeziehung ohnehin nicht, denn der Angehörige hat im Regelfall die letzten 2/3 der Beziehung in der Defensive verbracht, war selbstreflektiert bis zum geht nicht mehr und jeder Millimeter der eigenen Psyche wurde vom Gestörten analysiert und bewertet.
Hier liegt allerdings für den Angehörigen eine riesige Chance zur persönlichen Entwicklung. Durch die Missbrauchsbeziehung ist seine Psyche quasi aufgefächert und jetzt ist der ideale Zeitpunkt da, um seinen Mist aufzuarbeiten: Kindheit, evtl. Traumata,…
Jeder sollte in so einer Ausnahmesituation den Mut aufbringen, sich anderen Menschen anzuvertrauen, seine Geschichte zu erzählen und sich auch professionelle Hilfe zu suchen. Kein Angehöriger sollte sich entmutigen lassen, dass das Umfeld momentan genervt ist von einem, da man eigentlich nur noch diese Missbrauchsbeziehung als Gesprächsthema hat. Das ist egal und man kann alles nicht oft genug erzählen. Bis der ganze Alptraum schlussendlich zu einer Geschichte mit Lernfaktor wird. Professionelle Hilfe findet man z.B. hier: www.psych-info.de
Man sollte den Therapeuten bereits beim 1. telefonischen Kontakt fragen, ob dieser Erfahrungen auf dem Gebiet „Beziehungen mit Cluster-B Gestörten“ hat.

Der Aha-Moment

Dem Angehörigen geht es am Ende der Beziehung meist richtig mies. Schlafstörungen, Angstzustände und Dauergrübeln sind recht häufige Begleiter in einer Missbrauchsbeziehung. Vor allem zum Ende hin merkt der Angehörige, dass er komplett neben sich steht und nicht mehr er selbst ist. Nachdem der Gestörte den Angehörigen zum Ende der Beziehung komplett auseinander nimmt und alles an ihm ablehnt, fällt es dem Angehörigen irgendwann wie Schuppen von den Augen: Was, wenn der Andere ein Gestörter ist?

Dieser Aha-Moment ist ungeheuer wichtig für die Verarbeitung einer toxischen Beziehung. Plötzlich hat das Kind einen Namen und der Angehörige kann sich über alles mögliche informieren: Psychopathie, Soziopathie, Borderline, Narzissmus, Cluster-B Persönlichkeitsstörungen, Missbrauchsbeziehungen, etc. Er kann außerdem in Foren schreiben und sich mit Gleichgesinnten austauschen. Seine Geschichte zu teilen und dabei festzustellen wie viele Parallelen es gibt, kann ein äußerst hilfreicher Schritt auf dem Weg zur Heilung sein. Plötzlich merkt man nämlich, dass man nicht allein ist mit seiner verstörenden Erfahrung und das es neben den eigenen Anteilen einen anderen Riesenanteil in der Beziehung gab: Die Störung des Anderen.
Hat man diesen Aha-Moment erlebt, verringern sich die Schuldgefühle Stück für Stück. Denn meist ist der Ablauf bei Beziehungen mit Gestörten recht ähnlich. Egal was der Angehörige gemacht hätte, so eine Beziehung wird durch die Störung diktiert und der Verlauf ist meist vorgegeben. Die Akteure können wechseln, aber das Drehbuch ist fast immer gleich…Fast so wie bei diesen romantischen Komödien von Til Schweiger.

Die Verarbeitung

Mit professioneller Hilfe können dem Angehörigen die eigenen psychischen Baustellen bewusst werden. Er kann jetzt von der Missbrauchsbeziehung heilen, sich mit Gleichgesinnten austauschen und evtl. sogar anderen helfen. Durch diese Heilung und das bewusste Erleben all der negativen Gefühle in der Trennungsphase geht der Angehörige im Idealfall gestärkt aus der Missbrauchsbeziehung hervor. Tiefere Selbsterkenntnis und bewusstere persönliche Grenzen haben sich ausgebildet. All das hat ihn menschlich reifen lassen. So kann er vom Victim (Opfer) zu einem Survivor (Überlebenden) einer Missbrauchsbeziehung werden. All dies benötigt jedoch Zeit und man sollte sich schon bewusst machen, dass dieser Prozess 1 Jahr oder länger dauern kann. Hier ist Geduld einfach unabdingbar. Und niemand sollte sich von seinem Umfeld einreden lassen, dass es „jetzt doch mal gut sei“ oder „an der Zeit ist, um nach vorne zu schauen“. Hier benötigt jeder genau so viel Zeit, wie er eben braucht. Und nur Gefühlskrüppel oder halt Gestörte können eine Missbrauchsbeziehung mal eben so abhaken. Jeder Angehörige hat dem Wahnsinn ins Gesicht gesehen und menschliche Abgründe entdeckt. Daher muss man einfach sehr geduldig mit sich selbst sein.

Was die meisten Überlebenden von Missbrauchsbeziehungen bedauern ist, dass sie in gewisser Weise ihre Unschuld verloren haben. Wir alle werden ja irgendwie darauf getrimmt, dass alle Menschen im Grunde genommen gut sind. Aber nach einer solchen Erfahrung sieht man das ganze differenzierter. Manche Menschen sind leider hochtoxisch und die hält man am besten auf Distanz. Und beim Thema Distanz zu Gestörten gilt für mich das gleiche wie beim Thema Alkohol: Mehr bringt mehr!
Jeder Angehörige, der sich intensiv mit dem erlebten Missbrauch befasst hat, wird beim kleinsten Anzeichen von Missbrauch in späteren Beziehungen allergisch reagieren. Bei mir ist es so, dass ich selbst bei Nichtgestörten inzwischen sehr kritisch auf Manipulationsversuche reagiere. Mir ist bewusst, dass jeder Mensch zuweilen manipuliert (auch ich). Aber wenn Menschen in meinem Umfeld das zu oft und zu plump machen, werde ich sie daraufhin so gut es geht meiden.

 

Hier gibt es das Buch zum Blog (lesbar mit amazon Kindle oder der kostenlosen Kindle App für Smartphone, Tablet, PC oder Mac)

196 Gedanken zu “Nach der Beziehung

  1. und noch etwas wollte ich noch sagen…dann werde ich mich erst mal wieder ausklinken, denn es bringt nix die eigene geschichte nur zu rezitieren…das macht einen selbst nicht glücklich und man benutzt andere nur als klangkörper…

    wir werden immer wieder menschen begegnen, die es nicht nur gut mit einem meinen…wer weiss, wieviele betroffene sich auch hier tummeln…wer weiss…wer orientierung hat und sich selbst mag, der ist gegen toxische personen insoweit gefeigt, als dass er ihnen frühzeitig grenzen setzt und sie hinterfragt…ganz normal halt…das leben ist zu kurz als sich nur mit den anderen zu beschäftigen und das haben wir als angehörige eine zeit lange vernachlässigt…

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  2. Mir geht es wie beastyboy, nachdem ich nun wieder tiefer in die Geschichte eingestiegen bin, ist es aber jetzt auch an der Zeit wieder nach vorne zu blicken und das Augenmerk auf mich selbst zu richten. Die Theorie kenne ich nun ausreichend und doch werde ich die Gedankengänge des anderen nie begreifen können. Muss ich auch nicht… Zeit zu leben! Zeit wieder glücklich zu sein.

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  3. HALLO…gestern hab ich die ehemalige Bettgeschichte neues ex getroffen..warum auch immer hat sie sich bei mir entschuldigt.und musste mir dann gleich erzählen,was sie für einen dicken Hals auf ihn hat und das er im joyclub nun ein paarprofil hat und auch in Swinger Clubs geht mit dieser Neuen…tja Borderliner er macht es mit Sex wo andere sich Ritzen.ich möchte ihn mir in Swinger Clubs gar .net vorstellen.mich hat es wenig berührt…aber ich hab gemerkt sie hat ihn noch nwt abgeschlossen sonst würde es sie .net so ärgern,dass sie demnächst in solchen auf ihn trifft.ich hab nur gedacht der arme…wie krank er ist.die Dame der er ja bei mir so hinterher gejammert hat und wo er hin ist wieder als zwischen uns aus war,will wohl auch nichts mehr von ihm wissen genauso wenig ihre Kinder.ich kann jedenfalls besser damit umgehen so was zu hören…vor einen Jahr hätt ich mir wieder das hirn kaputt gemacht.leute irgendwann wird alles wieder gut

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      • Okay, dann handelt es sich doch nicht um die gleiche Person. Allerdings weiß ich gerade nicht, ob ich weinen oder lachen soll, denn die Geschichten sind sich in wirklich einigen Punkten sowas von ähnlich! Schlimm, dass es noch mehr von dieser Sorte gibt, ich habe wirklich angenommen, dass der in dieser Ausprägung schon etwas einzigartiges hat… 👀
        Darf doch echt nicht wahr sein. Sei froh dass Du schon so früh davon gekommen bist!!! Wie lange bist du zur Therapie gegangen?

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      • Also ich hab den Anspruch nach wenigen Wochen Gott sei dank geschafft.aber dennoch bin ich mit all dem nicht klar gekommen.ich war 6 Monate bei m.psychologin.es hatte viel auch mit meinen inneren Kind zu tun warum er andocken konnte…das ist bearbeitet nun hat er keine Chance mehr.ich reagiere auch total allergisch auf männer die so los legen wie er damals…geht gar .net mehr

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      • Das kann ich gut nachvollziehen und empfinde es auch so. Bei mir schrillen bei jedem kleinsten Anzeichen die Alarmglocken, ist nur fraglich, wie ich mich mal wieder auf jemanden einlassen soll. Es braucht wohl doch noch etwas Zeit…
        aber gut, dass Du Deine Themen angehen konntest. Das alles passiert wirklich nicht grundlos!

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      • Das frag ich mich auch,ob ich mich jemals wieder auf wen einlassen kann.ich denke eher nicht.hab schon viel durch im Leben aber das war schon ne Hausnummer. Ich hab auch während er fröhlich durch die Gegend poppt keinerlei Interesse an was neuen

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      • Hallo Elfeks, hallo Faye und die Anderen, die vielleicht mitlesen!
        Meine Trennung von B. ist jetzt 9 ½ Monate her, der letzte Schreibkontakt 7 Monate. Das merkwürdige, auf einmal fallen mir mehrere Personen in meinem Umfeld auf, die auch Borderline haben könnten. Ich dachte schon, ich bilde mir das ein, weil ich mich mit dem Thema so intensiv beschäftige (immer noch). Im Falle eines guten Freundes, bzw. dessen jetziger Exfreundin, lag ich wohl richtig. Eine Psychologin hat deren Verhalten genauso eingestuft, wie ich. Er hatte sie in einem erotischen Kontaktportal aufgetan. Sie geht wohl auch in Swinger Clubs. Merkwürdig, wenn man so eifersüchtig ist. Kann ich nicht nachvollziehen.
        Ich habe vor kurzem einen Mann kennengelernt, bei dem ich denke, er könnte auch Borderliner sein. Bei der ersten Begegnung kamen (unter anderem) schon merkwürdige Selbstoffenbarungen seine Jugend betreffend. Da dachte ich, dass er mich wohl schon darauf vorbereiten will, alles mögliche tollerieren zu sollen, weil er eine schlimme Kindheit oder ähnliches hatte. Verfolgungswahn oder habe ich jetzt einfach nur sehr, sehr feine Antennten bekommen? Ich verurteile mich nicht, dass ich auf einen Borderliner „hereingefallen“ bin. Allerdings muss ich den Fehler nicht nochmal ein zweites Mal machen. Neue Fehler sind allerdings erlaubt …

        Wie ist es Euch in der Zwischenzeit ergangen?

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      • Naja ich war die letzten Monate durch meine depressive Tochter abgelenkt da hatte ich echt andere Probleme.aber mir geht es genauso wie dir…man merkt bei anderen irgendwie wenn sie in die Richtung Borderliner tendieren.ich hab einen Gröll gegen Borderliner bekommen.im Grunde könne sie einem ja leid tun…aber sie fügen anderen soviel schaden zu.und wenn ich jetzt höre er geht in Swinger Clubs jetzt und bei uns war für ihn Sex .net so der Bestandteil…jabis klar war seine Seele.mülltonne…krieg ich das würgen…

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      • Ja Elfeks,
        Borderliner könnten einem Leid tun, wenn sie nicht alles dafür tun würden, um uns mit in IHRE Abwärtsspirale zu reißen, um dann zu sagen, dass WIR an allem Schuld und im höchsten Maße Fehlerhaft sind – lles garniert mit schmerzhaften Beschuldigungen und Beschimpfungen. Als Sahnehäubchen verpassen sie uns dann noch eine sehr große Portion Abwertung.

        Und es gibt leider viele von ihnen! Ich glaube es sind sehr viel mehr, als die offiziell vermuteten 4 Prozent. Auf der Seite „Trennungsschmerzen.de“ sind täglich neue Schilderungen, überwiegend von Frauen zu lesen, die schlimme Beziehungen mitmachen/mitgemacht haben. Wenn ich ihre Schilderungen lese, muss ich sehr oft an die Zeit mit „meinem“ Borderliner denken. Ich merke, es geht noch viel schlimmer, als ich es erlebt habe. Ich bin nach 10 Monaten gegangen. Da ist mir noch eine Menge erspart geblieben! Schlimm ist es für mich aber immer noch. Ich es nicht noch nicht überwunden!

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      • Hey Stella und Elfeks,
        Ich bin auch wirklich froh, das alles hinter mir zu haben. Lesson learned. 😦 wirklich drüber hinweg bin ich aber nicht. Zum Glück sehe ich immer wieder, wie gut es mir ohne ihn und all seine Probleme geht, ohne all die Eskapaden und „Ausfälle“. Das war wirklich Gift für mein Leben und wenn ich an all das denke, was da letztes Jahr zu dieser Zeit passiert ist, ich frage mich, wie ich das ertragen konnte. Die Frage nach dem Warum habe ich in den letzten 1,5 Jahren mit meiner Therapeutin erörtert.
        Ich bin allerdings auch der Meinung, dass mehr Leute Tendenzen in diese Richtung haben als nur 4% diagnostizierter! Auch mein Ex ist der Meinung, er sei okay und es gäbe keine Gründe an sich zu arbeiten…

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      • Ja das hat mein ex auch gesagt.er war ja bei Psychologen weil er sich vor paar Jahren umbringen wollte.sein Psychologe hätte gesagt er brauch keine therapiert hätte das nötige Werkzeug muss es nur einsetzen…hahahaha.als ich ihn wegen REHA überzeugt hatte sollte er zum Psychologen Bericht holen hat er natürlich net gemacht.als ich gegangen bin fand er das ja gar .net so schlimm..da kamen dann Worte besser so er müsse erstmal seine Vergangenheit bearbeiten,ich hätte ja mit allem recht gehabt hätte ihm die Augen geöffnet..er wolle mich .net länger verletzten…arsch ich war Wochen sein Mülleimer.. ich weiss alles über seine exfreundinnen welche Stellung welchen Sex ext.und wie schlimm die waren.kaum war ich Weg war er eine Woche später wieder bei seiner Exfreundin…die heute auch nichts mehr von ihm wissen will….

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