Nach der Beziehung

Der Schock nach dem abrupten Ende

In der Regel ist das Ende einer Missbrauchsbeziehung nicht mit einem normalen Beziehungsende vergleichbar. Normale Beziehungen scheitern in der Regeln an unterschiedlichen Lebensentwürfen oder abflauender Spannung zwischen den Partnern. Nach dem Ende einer Missbrauchsbeziehung fragt sich der zurückgebliebene Angehörige (=geistig gesunder Partner), was echt und was unecht an dieser Beziehung war. Es gibt keine Chance zur abschließenden Klärung mit dem gestörten Partner und der Angehörige bleibt verwirrt zurück. In der ersten Schockphase sind das Gefühl eines körperlichen Entzugs wegen dem Suchtfaktor der Beziehung und Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (kann bis zu 6 Monate anhalten) nicht unüblich. Zu Anfang wird der Angehörige dem Gestörten in der Regel noch hinterhertrauern und verzweifelt um Klärung bemüht sein.

Nach der 1. Schockphase

Hat man die 1. Schockphase überwunden, so wird der Angehörige normalerweise die Beziehung systematisch auseinander nehmen und analysieren. Der Gestörte hat zum Ende der Beziehung dafür gesorgt, dass sich der Angehörige dauerhaft rechtfertigt und ihn mit Schuldgefühlen eingedeckt.
Allein deshalb halte ich das gerne fabrizierte Victim-Blaming nach einer Missbrauchsbeziehung für wenig hilfreich bis gefährlich. Aussagen wie „Hast du dir nicht einfach zu viel gefallen lassen?“ „Es braucht ja immer zwei für…“ „Was ist denn dein Anteil?“ treffen Leute, die meistens noch keine eigene Missbrauchsbeziehung hinter sich haben. Nach einer normalen Beziehung sind derartige Reaktionen absolut angemessen. Nach einer Missbrauchsbeziehung sind solche Fragen aber nur bedingt angebracht. Die Frage nach dem eigenen Anteil stellt sich in einer Missbrauchsbeziehung ohnehin nicht, denn der Angehörige hat im Regelfall die letzten 2/3 der Beziehung in der Defensive verbracht, war selbstreflektiert bis zum geht nicht mehr und jeder Millimeter der eigenen Psyche wurde vom Gestörten analysiert und bewertet.
Hier liegt allerdings für den Angehörigen eine riesige Chance zur persönlichen Entwicklung. Durch die Missbrauchsbeziehung ist seine Psyche quasi aufgefächert und jetzt ist der ideale Zeitpunkt da, um seinen Mist aufzuarbeiten: Kindheit, evtl. Traumata,…
Jeder sollte in so einer Ausnahmesituation den Mut aufbringen, sich anderen Menschen anzuvertrauen, seine Geschichte zu erzählen und sich auch professionelle Hilfe zu suchen. Kein Angehöriger sollte sich entmutigen lassen, dass das Umfeld momentan genervt ist von einem, da man eigentlich nur noch diese Missbrauchsbeziehung als Gesprächsthema hat. Das ist egal und man kann alles nicht oft genug erzählen. Bis der ganze Alptraum schlussendlich zu einer Geschichte mit Lernfaktor wird. Professionelle Hilfe findet man z.B. hier: www.psych-info.de
Man sollte den Therapeuten bereits beim 1. telefonischen Kontakt fragen, ob dieser Erfahrungen auf dem Gebiet „Beziehungen mit Cluster-B Gestörten“ hat.

Der Aha-Moment

Dem Angehörigen geht es am Ende der Beziehung meist richtig mies. Schlafstörungen, Angstzustände und Dauergrübeln sind recht häufige Begleiter in einer Missbrauchsbeziehung. Vor allem zum Ende hin merkt der Angehörige, dass er komplett neben sich steht und nicht mehr er selbst ist. Nachdem der Gestörte den Angehörigen zum Ende der Beziehung komplett auseinander nimmt und alles an ihm ablehnt, fällt es dem Angehörigen irgendwann wie Schuppen von den Augen: Was, wenn der Andere ein Gestörter ist?

Dieser Aha-Moment ist ungeheuer wichtig für die Verarbeitung einer toxischen Beziehung. Plötzlich hat das Kind einen Namen und der Angehörige kann sich über alles mögliche informieren: Psychopathie, Soziopathie, Borderline, Narzissmus, Cluster-B Persönlichkeitsstörungen, Missbrauchsbeziehungen, etc. Er kann außerdem in Foren schreiben und sich mit Gleichgesinnten austauschen. Seine Geschichte zu teilen und dabei festzustellen wie viele Parallelen es gibt, kann ein äußerst hilfreicher Schritt auf dem Weg zur Heilung sein. Plötzlich merkt man nämlich, dass man nicht allein ist mit seiner verstörenden Erfahrung und das es neben den eigenen Anteilen einen anderen Riesenanteil in der Beziehung gab: Die Störung des Anderen.
Hat man diesen Aha-Moment erlebt, verringern sich die Schuldgefühle Stück für Stück. Denn meist ist der Ablauf bei Beziehungen mit Gestörten recht ähnlich. Egal was der Angehörige gemacht hätte, so eine Beziehung wird durch die Störung diktiert und der Verlauf ist meist vorgegeben. Die Akteure können wechseln, aber das Drehbuch ist fast immer gleich…Fast so wie bei diesen romantischen Komödien von Til Schweiger.

Die Verarbeitung

Mit professioneller Hilfe können dem Angehörigen die eigenen psychischen Baustellen bewusst werden. Er kann jetzt von der Missbrauchsbeziehung heilen, sich mit Gleichgesinnten austauschen und evtl. sogar anderen helfen. Durch diese Heilung und das bewusste Erleben all der negativen Gefühle in der Trennungsphase geht der Angehörige im Idealfall gestärkt aus der Missbrauchsbeziehung hervor. Tiefere Selbsterkenntnis und bewusstere persönliche Grenzen haben sich ausgebildet. All das hat ihn menschlich reifen lassen. So kann er vom Victim (Opfer) zu einem Survivor (Überlebenden) einer Missbrauchsbeziehung werden. All dies benötigt jedoch Zeit und man sollte sich schon bewusst machen, dass dieser Prozess 1 Jahr oder länger dauern kann. Hier ist Geduld einfach unabdingbar. Und niemand sollte sich von seinem Umfeld einreden lassen, dass es „jetzt doch mal gut sei“ oder „an der Zeit ist, um nach vorne zu schauen“. Hier benötigt jeder genau so viel Zeit, wie er eben braucht. Und nur Gefühlskrüppel oder halt Gestörte können eine Missbrauchsbeziehung mal eben so abhaken. Jeder Angehörige hat dem Wahnsinn ins Gesicht gesehen und menschliche Abgründe entdeckt. Daher muss man einfach sehr geduldig mit sich selbst sein.

Was die meisten Überlebenden von Missbrauchsbeziehungen bedauern ist, dass sie in gewisser Weise ihre Unschuld verloren haben. Wir alle werden ja irgendwie darauf getrimmt, dass alle Menschen im Grunde genommen gut sind. Aber nach einer solchen Erfahrung sieht man das ganze differenzierter. Manche Menschen sind leider hochtoxisch und die hält man am besten auf Distanz. Und beim Thema Distanz zu Gestörten gilt für mich das gleiche wie beim Thema Alkohol: Mehr bringt mehr!
Jeder Angehörige, der sich intensiv mit dem erlebten Missbrauch befasst hat, wird beim kleinsten Anzeichen von Missbrauch in späteren Beziehungen allergisch reagieren. Bei mir ist es so, dass ich selbst bei Nichtgestörten inzwischen sehr kritisch auf Manipulationsversuche reagiere. Mir ist bewusst, dass jeder Mensch zuweilen manipuliert (auch ich). Aber wenn Menschen in meinem Umfeld das zu oft und zu plump machen, werde ich sie daraufhin so gut es geht meiden.

 

Hier gibt es das Buch zum Blog (lesbar mit amazon Kindle oder der kostenlosen Kindle App für Smartphone, Tablet, PC oder Mac)

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206 Gedanken zu “Nach der Beziehung

  1. und noch etwas wollte ich noch sagen…dann werde ich mich erst mal wieder ausklinken, denn es bringt nix die eigene geschichte nur zu rezitieren…das macht einen selbst nicht glücklich und man benutzt andere nur als klangkörper…

    wir werden immer wieder menschen begegnen, die es nicht nur gut mit einem meinen…wer weiss, wieviele betroffene sich auch hier tummeln…wer weiss…wer orientierung hat und sich selbst mag, der ist gegen toxische personen insoweit gefeigt, als dass er ihnen frühzeitig grenzen setzt und sie hinterfragt…ganz normal halt…das leben ist zu kurz als sich nur mit den anderen zu beschäftigen und das haben wir als angehörige eine zeit lange vernachlässigt…

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  2. Mir geht es wie beastyboy, nachdem ich nun wieder tiefer in die Geschichte eingestiegen bin, ist es aber jetzt auch an der Zeit wieder nach vorne zu blicken und das Augenmerk auf mich selbst zu richten. Die Theorie kenne ich nun ausreichend und doch werde ich die Gedankengänge des anderen nie begreifen können. Muss ich auch nicht… Zeit zu leben! Zeit wieder glücklich zu sein.

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  3. HALLO…gestern hab ich die ehemalige Bettgeschichte neues ex getroffen..warum auch immer hat sie sich bei mir entschuldigt.und musste mir dann gleich erzählen,was sie für einen dicken Hals auf ihn hat und das er im joyclub nun ein paarprofil hat und auch in Swinger Clubs geht mit dieser Neuen…tja Borderliner er macht es mit Sex wo andere sich Ritzen.ich möchte ihn mir in Swinger Clubs gar .net vorstellen.mich hat es wenig berührt…aber ich hab gemerkt sie hat ihn noch nwt abgeschlossen sonst würde es sie .net so ärgern,dass sie demnächst in solchen auf ihn trifft.ich hab nur gedacht der arme…wie krank er ist.die Dame der er ja bei mir so hinterher gejammert hat und wo er hin ist wieder als zwischen uns aus war,will wohl auch nichts mehr von ihm wissen genauso wenig ihre Kinder.ich kann jedenfalls besser damit umgehen so was zu hören…vor einen Jahr hätt ich mir wieder das hirn kaputt gemacht.leute irgendwann wird alles wieder gut

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      • Okay, dann handelt es sich doch nicht um die gleiche Person. Allerdings weiß ich gerade nicht, ob ich weinen oder lachen soll, denn die Geschichten sind sich in wirklich einigen Punkten sowas von ähnlich! Schlimm, dass es noch mehr von dieser Sorte gibt, ich habe wirklich angenommen, dass der in dieser Ausprägung schon etwas einzigartiges hat… 👀
        Darf doch echt nicht wahr sein. Sei froh dass Du schon so früh davon gekommen bist!!! Wie lange bist du zur Therapie gegangen?

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      • Also ich hab den Anspruch nach wenigen Wochen Gott sei dank geschafft.aber dennoch bin ich mit all dem nicht klar gekommen.ich war 6 Monate bei m.psychologin.es hatte viel auch mit meinen inneren Kind zu tun warum er andocken konnte…das ist bearbeitet nun hat er keine Chance mehr.ich reagiere auch total allergisch auf männer die so los legen wie er damals…geht gar .net mehr

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      • Das kann ich gut nachvollziehen und empfinde es auch so. Bei mir schrillen bei jedem kleinsten Anzeichen die Alarmglocken, ist nur fraglich, wie ich mich mal wieder auf jemanden einlassen soll. Es braucht wohl doch noch etwas Zeit…
        aber gut, dass Du Deine Themen angehen konntest. Das alles passiert wirklich nicht grundlos!

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      • Das frag ich mich auch,ob ich mich jemals wieder auf wen einlassen kann.ich denke eher nicht.hab schon viel durch im Leben aber das war schon ne Hausnummer. Ich hab auch während er fröhlich durch die Gegend poppt keinerlei Interesse an was neuen

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      • Hallo Elfeks, hallo Faye und die Anderen, die vielleicht mitlesen!
        Meine Trennung von B. ist jetzt 9 ½ Monate her, der letzte Schreibkontakt 7 Monate. Das merkwürdige, auf einmal fallen mir mehrere Personen in meinem Umfeld auf, die auch Borderline haben könnten. Ich dachte schon, ich bilde mir das ein, weil ich mich mit dem Thema so intensiv beschäftige (immer noch). Im Falle eines guten Freundes, bzw. dessen jetziger Exfreundin, lag ich wohl richtig. Eine Psychologin hat deren Verhalten genauso eingestuft, wie ich. Er hatte sie in einem erotischen Kontaktportal aufgetan. Sie geht wohl auch in Swinger Clubs. Merkwürdig, wenn man so eifersüchtig ist. Kann ich nicht nachvollziehen.
        Ich habe vor kurzem einen Mann kennengelernt, bei dem ich denke, er könnte auch Borderliner sein. Bei der ersten Begegnung kamen (unter anderem) schon merkwürdige Selbstoffenbarungen seine Jugend betreffend. Da dachte ich, dass er mich wohl schon darauf vorbereiten will, alles mögliche tollerieren zu sollen, weil er eine schlimme Kindheit oder ähnliches hatte. Verfolgungswahn oder habe ich jetzt einfach nur sehr, sehr feine Antennten bekommen? Ich verurteile mich nicht, dass ich auf einen Borderliner „hereingefallen“ bin. Allerdings muss ich den Fehler nicht nochmal ein zweites Mal machen. Neue Fehler sind allerdings erlaubt …

        Wie ist es Euch in der Zwischenzeit ergangen?

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      • Naja ich war die letzten Monate durch meine depressive Tochter abgelenkt da hatte ich echt andere Probleme.aber mir geht es genauso wie dir…man merkt bei anderen irgendwie wenn sie in die Richtung Borderliner tendieren.ich hab einen Gröll gegen Borderliner bekommen.im Grunde könne sie einem ja leid tun…aber sie fügen anderen soviel schaden zu.und wenn ich jetzt höre er geht in Swinger Clubs jetzt und bei uns war für ihn Sex .net so der Bestandteil…jabis klar war seine Seele.mülltonne…krieg ich das würgen…

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      • Ja Elfeks,
        Borderliner könnten einem Leid tun, wenn sie nicht alles dafür tun würden, um uns mit in IHRE Abwärtsspirale zu reißen, um dann zu sagen, dass WIR an allem Schuld und im höchsten Maße Fehlerhaft sind – lles garniert mit schmerzhaften Beschuldigungen und Beschimpfungen. Als Sahnehäubchen verpassen sie uns dann noch eine sehr große Portion Abwertung.

        Und es gibt leider viele von ihnen! Ich glaube es sind sehr viel mehr, als die offiziell vermuteten 4 Prozent. Auf der Seite „Trennungsschmerzen.de“ sind täglich neue Schilderungen, überwiegend von Frauen zu lesen, die schlimme Beziehungen mitmachen/mitgemacht haben. Wenn ich ihre Schilderungen lese, muss ich sehr oft an die Zeit mit „meinem“ Borderliner denken. Ich merke, es geht noch viel schlimmer, als ich es erlebt habe. Ich bin nach 10 Monaten gegangen. Da ist mir noch eine Menge erspart geblieben! Schlimm ist es für mich aber immer noch. Ich es nicht noch nicht überwunden!

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      • Hey Stella und Elfeks,
        Ich bin auch wirklich froh, das alles hinter mir zu haben. Lesson learned. 😦 wirklich drüber hinweg bin ich aber nicht. Zum Glück sehe ich immer wieder, wie gut es mir ohne ihn und all seine Probleme geht, ohne all die Eskapaden und „Ausfälle“. Das war wirklich Gift für mein Leben und wenn ich an all das denke, was da letztes Jahr zu dieser Zeit passiert ist, ich frage mich, wie ich das ertragen konnte. Die Frage nach dem Warum habe ich in den letzten 1,5 Jahren mit meiner Therapeutin erörtert.
        Ich bin allerdings auch der Meinung, dass mehr Leute Tendenzen in diese Richtung haben als nur 4% diagnostizierter! Auch mein Ex ist der Meinung, er sei okay und es gäbe keine Gründe an sich zu arbeiten…

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      • Ja das hat mein ex auch gesagt.er war ja bei Psychologen weil er sich vor paar Jahren umbringen wollte.sein Psychologe hätte gesagt er brauch keine therapiert hätte das nötige Werkzeug muss es nur einsetzen…hahahaha.als ich ihn wegen REHA überzeugt hatte sollte er zum Psychologen Bericht holen hat er natürlich net gemacht.als ich gegangen bin fand er das ja gar .net so schlimm..da kamen dann Worte besser so er müsse erstmal seine Vergangenheit bearbeiten,ich hätte ja mit allem recht gehabt hätte ihm die Augen geöffnet..er wolle mich .net länger verletzten…arsch ich war Wochen sein Mülleimer.. ich weiss alles über seine exfreundinnen welche Stellung welchen Sex ext.und wie schlimm die waren.kaum war ich Weg war er eine Woche später wieder bei seiner Exfreundin…die heute auch nichts mehr von ihm wissen will….

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  4. Die Märchenfee
    Es war einmal ein Mann, der traf eine junge Frau und verliebte sich in sie, wurde trotz Liebes- und Treueschüren ohne Erklärung abserviert und litt nachher wie ein Tier.
    Warum ging ich auf sie ein?
    Ich wusste, meine Märchenfee/frühere Partnerin hat ein echtes Problem, ich wusste nur nicht welches und es wurde mir auch nicht mitgeteilt, es wurden Nebenkriegsschauplätze thematisiert, Stichwort Exfreunde etc. (ihre Diagnose Borderline wurde mir erst nach Ende unseres Verhältnisses nach penetrantem Nachfragen meinerseits in einer email von ihr mitgeteilt), aber ich wollte verstehen, ihr helfen, so wie ich auch mir selbst einmal geholfen hatte, denn ich hatte aufgrund meiner familiären Strukturen grenzverletzende Verhaltensweisen von einer Bezugsperson kennengelernt (ich bin der Sohn einer narzistisch veranlagten Mutter), die mich in einem ICH verstört- aber nicht zerstört hatte, wobei ich mit der Zeit lernte meine destruktiven Verhaltensweisen als Folgen des grenzverletzenden Verhaltens durch disziplinierte Umorientierung zu verändern.
    Eine disziplinierte Umorientierung hoffte ich auch bei meiner Märchenfee bewirken zu können. Allerdings brachte mich das an den Rand der Selbstzerstörung. Ich lernte ziemlich viel über die Welt in der eine zerstörte, emotional instabile Person lebt. Wie sie fühlen und denken. Warum sie so reagieren wie sie reagieren. Und weshalb sie andere Menschen so extrem Binden können.
    Das Begreifen und das Reagieren…
    Also ich lernte das ganze fachliche Trallala. Begriff, dass es wirklich zutrifft, dass sie einen emotionalen Draht zu mir aufgebaut hatte. Meine Wurzeln lagen frei, ich hatte keine Möglichkeit mich wirklich zu schützen. Nennen wir es so – sie hatte „Zugang“ zu meinem Ich. Ich musste erkennen wie das machte. Nur dadurch konnte ich diesen Zugang schließen. Wie um alles in der Welt schaffte sie das oder wie können auch andere emotional instabile Persönlichkeiten andere Menschen so sehr binden? Was konnte ich selbst dagegen tun?
    Wie ich den Zugang schloss.
    Mir war klar, irgendwie konnte sie mich erreichen. Nur wie machte sie das? Dann merkte ich irgendwann: Es war die Art und Weise der Kommunikation. Mitleid, Argwohn und Erwartungen implizierend und zu versuchen über viele Fragen und Unterstellungen den Gegenüber für sich zu gewinnen…ich ließ viele Gegebenheiten vor meinem inneren Auge Revue passieren…
    Und ich erinnerte mich an die erfolgte „Manipulation“ durch mehrdeutige Kommunikation…ich weiß, das klingt auf den ersten Blick hart und man würde es weit von sich weisen, jemandem so etwas zu unterstellen. Und dass man sich selber manipulieren lässt. Nur, warum fällt man (immer wieder) drauf rein?
    Ich machte zunächst mal einfach Folgendes: Ich nahm einfach grundsätzlich an, dass sie bei mir etwas indirekt erreichen wollte, mich „bediente“ und „handelte“ und ihre wahren Absichten versteckte. Auf mir wie auf einem Klavier spielte. Ich unterstellte ihr also (ohne es aber zu sagen) ganz bewusst die Absicht, dass sie mich unbewusst oder bewusst manipulierte. Dass sie das nicht mit Absicht tat. Aber dass sie es tat. Und zwar konstant. Ich fing an, emails nach Stellen zu durchsuchen, die bei mir eine Wirkung erzielen sollten, insbesondere Schuldgefühle oder Mitleid. Ich durchsuchte die Kommunikation mit ihr nach Mehrdeutigkeiten. Und wenn ich in der Folge eine Frage an sie hatte – dann stellte ich diese beharrlich. Ich ließ mich nicht mehr ablenken oder umleiten. Ich erklärte nicht mehr warum ich fragte. Ich fragte. Und ich achtete genau darauf ob ich eine echte Antwort bekam (wenn ich keine wirkliche Antwort bekam fragte ich weiter), was natürlich bei ihr auf Unwillen stieß.
    Ich hörte damit auf, sie ohne klare Worte verstehen zu wollen. Damit änderte sich alles. Ich war mit meiner Verhaltensweise im Begriff hinter den Vorhang von ihr zu schauen und das was ich dort als Bild jenseits dessen zu sehen bekam, war so erbärmlich, dass ich es vermied, sie und mich selbst mit den dort erkennbaren Abgründen weitergehend zu konfrontieren. Sie war nicht mehr souverän. Aber ich selbst musste auch mehrfach schlucken…Denn wer möchte schon gerne sehen, dass die Person, die man geliebt hat, einen bewusst und unbewusst jahrelang manipuliert hat?
    Was waren die Folgen der Erkenntnis für mich?
    Die Person die man die ganze Zeit glaubte gekannt zu haben verschwand und hinter dem von ihr aufgehängten, glänzenden Vorhang tauchte eine Person auf, deren Bild diametral von dem unterschied, was man jahrelang zuvor glaubte in ihr gesehen zu haben. Es war ein Paradigmenwechsel. Es tauchte das Bild einer zerstörten Person auf, deren Psyche aus Trümmern, Hass und Angst bestand. Damit war das schöne Bild, das ich vor meinem inneren Auge von der Person hatte, verschwunden und ich konnte die interpretationsfähige Verhaltensweise von ihr als das erkennen was es war, nämlich eine Verhaltensweise, die dazu diente Kontrolle über die Umwelt zu bekommen, um Hass, Kummer und Ängste kontrollierbar zu machen…
    So hart es ist, man muss sich eingestehen, dass man selbst vorher in der Beziehung/dem Verhältnis (wie viele andere zuvor auch) nur ein Mittel zum Zweck war, nämlich eine Person, die dem Betroffenen Gefühle zurückspiegeln konnte, die er selbst nicht spüren kann…das zu realisieren war sehr hart…
    Ursache für die Möglichkeit meiner Märchenfee mich zu manipulieren waren meine Wünsche, Hoffnungen und Erfahrungen aus der Beziehung zu meiner narzistisch veranlagten Mutter…die Art und Weise, wie meine Mutter versucht hatte mich zu manipulieren, indem sie sich entweder als Opfer darstellte und nach Mitleid heischte, oder andererseits unberechenbares Verhalten offenbarte und mir suggerierte, dass mit mir etwas nicht stimmte, also meine Person nicht in Ordnung war und sie deswegen so oder so reagierte…diese ganze Verhaltensweise kannte ich und genau diese Unsicherheit hatte meine Märchenfee wieder belebt. Ich wollte mein unbewusst Erlebtes revidieren und endlich von einem Menschen angenommen werden, der mir vermeintlich das zurück geben konnte, was ich schon so lange komplettieren wollte…mein ganzes Ich…heute weiß ich, dass es so etwas nicht geben wird…von dieser kindlichen Problemlösung – zynisch gesprochen der Endlösung meiner emotionalen Frage – trennte ich mich unter vielen inneren Tränen…heute schaue ich vorwärts…
    Meine Märchefee wird ihr Verhalten nach unserem Verhältnis weiter so praktiziert haben (müssen), wenn sie keine Therapie gemacht hat…und wenn das so sein sollte, dann gilt der alte Märchenspruch: Wenn sie nicht gestorben ist, dann lebt sie (so) noch heute…Ende…

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  5. Ein Hallo an beastyboy und die Anderen, die vielleicht mitlesen!

    Es lässt uns nicht los! SIE lassen uns nicht los oder WIR lassen SIE nicht los? Was es auch ist, da bleibt etwas in uns, das ständig am wühlen, wenden, sortieren und arbeiten ist. Dein langer und komplex Text, beastboy, zeigt es.

    Bei mir ist es nicht anders. Meine Trennung von einem Menschen, der Borderline hat, jährt sich in diesem Monat. Zeit und viele Kilometer trennen uns und dennoch denke ich jeden Tag an ihn. Mir fallen jeden Tag merkwürdige Verhaltensweisen von ihm ein, rätselhafte Äußerungen. Es ist alles sehr lebendig in mir, was mit seiner Person zu tun hat. Es gibt immer noch Tage mit Verzweiflung – auch wenn ihre Zahl ingesamt weniger geworden ist. Die Tage, an denen ich mich einsam fühle, nehmen aber leider zu. Ich habe schon immer viel alleine gelebt und bin auch schon oft alleine in Urlaub gefahren. Jetzt überfällt mich des öfteren die Furcht, dass ich in meinem Leben keinen ganz nahen Menschen finden werde. Nur auf mich vertrauen muss. Bisher „Partnern“ nur als Spielball oder Punchingball „gedient“ habe.

    Mein Vater hat mich gefühlsmäßig missbraucht, um sich für Momente besser zu fühlen. Du, beastboy, hast vielleicht ähnliches mit deiner narzisstischen Mutter erlebt. Im Rückblick – so klar habe ich es vor „meinem Borderliner“ nicht gesehen – haben mich auch meine vorhergehenden Partner versucht zu manipulieren und für ihre Zwecke seelisch zu missbrauchen. Wenn das nicht gelang, waren sie beleidigt. Der eine Freund drohte dann auch ganz schnell bei Nichtigkeiten mit Trennung.

    Ich bin schon immer ein sehr selbstständige Frau gewesen. Frage: Warum habe ich diesen emotionalen Missbrauch immer wieder mit mir machen lassen? Antwort: Weil ich es schon seit frühster Kindheit kenne. So einfach ist das!

    Jetzt vemute ich, dass ich schon wieder über einen Borderliner gestolpert bin. Das Gute: Ich glaube, er hat mitbekommen, dass ich etwas von einer Persönlichkeitsstörung bemerkt habe. Er ist daraufhin ganz schnell auf Abstand gegangen.

    Es muss viiiiiiiiel bekannter gemacht werden, dass es solche Menschen gibt und wie sie einem schaden können. Ich lese immer noch verharmlosende Beschreibungen von Experten. Das muss aufhören!

    Menschen mit Persönlichkeitsstörungen, wie Borderline, tun mir Leid, denn sie sind Opfer einer misslungenen Kindheitsentwicklung. Dass heißt aber nicht, dass ICH dafür ein Leben lang büßen muss, weil sie es versuchen an MIR auszuagieren! Ich stehe für diesen emotionalen Missbrauch nicht mehr zur Verfügung!!!

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  6. Es ist jetzt ein Jahr her, dass ich mich getrennt habe. Die tiefe Erkenntnis über mich selbst seitdem lässt mich nicht mehr los. Vorher war ich ein sehr fröhlicher Mensch der gut im Leben stand, einige emotionale Momente gab es natürlich. Aber die Auseinandersetzung mit mir selbst lässt mich Verletzungen spüren die lange her sind und gut integriert waren. Die Beziehung hat alles wieder hoch geholt und es ist sehr viel schlimmer als je zuvor. Eine wirklich toxische Beziehung die einen an und über die Grenzen bringt. Ich würde sagen, es ist ein Trauma was nach so einer Beziehung zurück bleibt. Psychologie sollte als Unterrichtsfach angeboten werden.

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    • Ja das glaube Ich,habe ich auch.Bin noch nicht einmal mehr in der Lage mich mal mit meiner alten Affäre zu treffen seitdem ich weiß,dass er mit einer borderlinerin eine offene Beziehung führt.Da kommt mir die Galle hoch.Ich hatte nie mit seinen früheren Freundinnen Probleme…im Gegenteil manchmal haben die mir leid getan.Aber diese Frau kann ich nicht akzeptieren…und er und ich kennen uns nun über 10 Jahre.Ich kann es mir selbst nicht erklären…aber wie man sich freiwillig diese Person antun kann..die so krank ist,dass man ihr die Kinder weggenommen hat….ich kann nicht.Ich frag mich ob es an meinen Trauma liegt …kein plan

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  7. Hi Fallo,
    das Selbe bei mir. Könnte hinter jeden Deiner Sätze einen Haken machen. Ein Jahr her, der Schmerz kommt von ganz tief. Ich habe alle meine Beziehungen zu Männern, einschließlich die zu meinem Vater, wieder hervorgeholt bzw. sie wurden hochgeschwemmt.

    Die damaligen Verletzungen – einige nehme ich erst jetzt als solche wahr – plus die „neuen“ Verletzungen brennen in mir. Und ja, Psychologie sollte (zusammen mit Gesundheit und Ernährung) Unterrichtsfach werden, das sage ich auch schon länger. Du hast es jetzt geschrieben.

    Seit ich weiß, wie sich eine Persönlichkeitsstörung zeigen kann und auswirkt, sind mir auch andere Personen und ihr absurdes Handeln in meinem direkten Umfeld verständlicher.

    Grüße an Dich und all die Anderen, die vielleicht noch mitlesen, aber nicht mehr schreiben mögen von
    Stella

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  8. nun, ich möchte noch etwas loswerden, bevor ich mich für längere Zeit ausklinke…alle meine toxischen Beziehungen habe ich in Lebenssituationen kennengelernt, als ich selbst unorientiert gewesesen bin…manchnal weiss man einfach nicht so genau was gut oder schlecht für einen ist…nehmt selbst das Heft selbst in die Hand..wägt ab,,,lass Euch nicht verarschen und.lasst Euch nicht fremd bestimmen…wer reflektiert ist, der kennt kennt den Himmel aber auch seinen eigenen Horizont…macht selbst…Du bist wichtig…dann gibt es weder Bl noch Narzisten noch sonst wen…und glaubt an Euch…wer denn sonst…mit leidensgenossenschaftlichen Gruß bb

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  9. Ein Hallo an ALLE!

    Ich bin wütend! Dieses Mal nicht auf meinen Ex-Menschen mit Persönlichkeitsstörung, sondern auf die Fachfrauen und Männer. Heute war eine ganze Themenseite mit dem Titel „Wenn Liebe in Wut umschlägt“ in unserer Zeitung. Was war wieder, es wurde nach allen Regeln der Kunst verharmlost.

    Es ging um Männer und häusliche Gewalt. Dass in deren Kindheit was schief gelaufen sei und sie deshalb mit Gefühlen nicht so gut umgehen könnten, das wurde beiläufig erwähnt. Eine Diplom-Psychologin kam auch zu Wort. Männern falle es allgemein schwerer als Frauen ihr Innenleben wahrzunehmen, meinte sie. Dieses Pulverfass von Jahre lang angestauten Gefühlen würde dann irgendwann explodiere.

    KEIN WORT VON PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNGEN, WIE BORDERLINE ODER NARZISSMUS. Wie kann man über toxische Beziehungen (dieser Begriff blieb ebenfalls unerwähnt) sprechen oder schreiben ohne diese Störungsformen zu benennen?

    Was ist das für ein Phänomen, dass in den Medien so ein Thema nicht umfassend behandelt wird? Auch in einem Borderliner-Ratgeber, geschrieben von einem Arzt, habe ich gelesen, man müsse seinen Borderliner-Partner nur genügend lieben, dann würde so eine Beziehung auch funktionieren. Was ist das für ein Rat, der im schlimmsten Fall tödlich enden kann?

    Mich regt das zunehmend auf, dass in Deutschland scheinbar nur im Internet (und in Büchern) die furchtbaren Auswirkungen von solchen Störungen auf die Partner zu lesen sind. So kommt das tiefgreifende Problem von emotionalem und körperlichem Missbrauch von Partnern durch persönlichkeitsgestörte Menschen nicht in der allgemeinen Öffentlichkeit an!

    Ein Gruß an Euch von Stella

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  10. Danke für diese Seite. Ein emotional tiefgehendes Problem so klar, fundiert und positiv aufzubereiten. Es hat unglaublich geholfen, zu verstehen, was gerade in meinem Leben passiert ist. Ich kann immer noch kaum fassen, dass es so ein Muster gibt und was eigentlich dahinter steht.

    Bevor mir ein guter Freund erklärt hatte, wie es ist, hab ich mir nie Gedanken darüber gemacht, wie es ist, wenn jemand bei einem einbricht. Ein Fremder all Deine Sachen durchwühlt hat, persönlich Dinge entwendet hat, die nicht einmal einen großen materiellen, aber unwiederbringlichen persönlichen Wert haben. Wie lange es dauert, bis man sich wieder sicher fühlt und sämtliche Kleidung mal durchgewaschen wurde.

    Und jetzt weiß ich persönlich wie es sich anfühlt, wenn dies ein Mensch, den man liebte und der dies ebenfalls zu einem sagte, mit den Gefühlen und der Innenwelt macht. Und wie verwirrt man ist, weil man sich so sehr schämt und kein Drama draus machen will, weil es ist ja vorbei und es hielt nur ein paar Monate und man war irgendwann stark. Ich freu mich so sehr auf den Tag, wenn ich wieder aufwache und mich unbeschwert fühle.

    Danke.

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  11. Genau heute Abend vor einem Jahr habe ich mich von einem persönlichkeitsgestörten Menschen getrennt, den ich in mein Hirn und Herz hineingelassen hatte. Er hat viel darin durchwühlt, mitgenommen, was er brauchen konnte. Zuletzt hat er versucht mich kaputt zu machen.

    Ja, Mona Lisa, wie ein Einbrecher – nur dass er nicht in unsere Wohnung, sondern in uns eingedrungen ist. Wir haben ihm selbst die Tür zu unserem Inneren geöffnet und er hat darin randaliert.

    Gut, geht es mir nach nur zehn Monaten Beziehung und jetzt einem Jahr Trennung immer noch nicht. Ich sortiere und „wasche“ mein Inneres immer noch durch. Aber es wird langsam besser und dieser Tag heute war nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte.

    Etwas ganz wichtiges habe ich in diesem Jahr gelernt: Mir fällt jetzt sehr schnell auf, wenn mich jemand (privat oder beruflich) manipulieren und für seine Zwecke missbrauchen will. Da kocht eine Wut in mir hoch, die ich vorher in diesem Ausmaß nicht kannte. Im meinem Job wird gerade versucht, mir umfangreiche Aufgaben aufzulasten, die nicht zu meinem Arbeitsgebiet gehören. Wer sich von einem Borderliner lösen kann, der kommt auch mit manipulativen Chefs klar, so macher ich mir jetzt Mut.

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