2015 im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2015 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2015 etwa 16.000 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 6 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Schreibst du noch, oder was?!

Ja, ich schreibe noch. In letzter Zeit sogar recht viel. Zumindest bis vor kurzem.

Eigentlich wollte ich pünktlich zu Weihnachten mein Buch hier vorstellen, aber das verzögert sich leider etwas. Daher wird mein Buch Anfang nächsten Jahres erhältlich sein. Hier ein paar Kernpunkte und Antworten auf Fragen:

  • aktueller Status: alles fertig geschrieben, jetzt fehlt noch der Endschliff
  • Veröffentlichung: Anfang 2016
  • Was soll das? Ist ein Buch über emotionalen Missbrauch und richtet sich an die Angehörigen einer Missbrauchsbeziehung.
  • Wozu ein Buch, wenn es einen Blog gibt? Im Buch gibt es schätzungsweise 50% komplett neuen Inhalt und alle wichtigen Inhalte vom Blog werden struktuiert und in einer (einigermaßen) sinnvollen Reihenfolge präsentiert.
  • Wo kann ich das kaufen? Exklusiv bei einem Internet-Riesen als eBook. Details gibt es, wenn es soweit ist.
  • Was soll das kosten? Weniger als eine Schachtel Markenzigaretten.
  • Ich hatte fest mit deinem Buch gerechnet. Was verschenke ich jetzt an Weihnachten? Socken. Geht immer und braucht jeder.

Bis dahin…Frohe Weihnachten und guten Rutsch ins neue Jahr!

Top 5 Manipulationstechniken

Mein Wort zum Sonntag sind heute meine Top 5 der fiesesten Manipulationstechniken. (Eigentlich ja Worst 5, da böse, aber was soll’s):

  1. Schuld geben:
    Den Partner schön im Sud eines Vergehens aus jüngerer oder gerne auch älterer Vergangenheit köcheln lassen. Verhindert garantiert ernsthafte Gespräche und verhärtet jeden Konflikt.
  2. Strafen mit Schweigen:
    Statt mit dem Partner reden, ist Augenrollen angesagt. Der Partner fühlt sich nicht ernst genommen und fängt innerlich garantiert an zu kochen. Kindergartenkinder haben bessere Coping Skills im Konflikte lösen als manche Erwachsene.
  3. Drohen:
    Je nach Eskalationsstufe ist drohen die ultimative Waffe, um den Partner gefügig zu machen. Reicht von recht harmlosen Dingen wie der Drohung das gemeinsame Kuscheltier wegzuwerfen bis zur Androhung von Selbstmord. (In dem Fall definitiv die Polizei rufen, denn damit sollte niemand in einer Beziehung belastet werden.)
  4. Leere Versprechungen: Wenn du das machst, dann kriegst du das.
    So sollte man nicht mal Kinder gefügig machen, wenn Weihnachten vor der Tür steht. Glaubt nach ein paar Malen eh keiner mehr und der Frust ist vorprogrammiert.
  5. Proxy recruitment: Andere erledigen die Drecksarbeit für einen.
    Hier ein anschauliches Beispiel aus meiner „Beziehung“: Ich durfte mir damals von der Mutter meiner Ex anhören, wie sehr ihre arme Tochter doch unter mir leidet. Obwohl sie mich ja so sehr liebt. Die gute Dame war natürlich komplett unvoreingenommen und alles war komplett fair. Auch das Setting war perfekt in dem Fall: bei der Familie meiner Ex zu Hause; nachts um 2 Uhr nach einer Familienfeier; 600km von meinem Zuhause entfernt. Traumhaftes Szenario und ich habe mich dabei nur wie der schlimmste Mensch der Welt gefühlt.
    Schuldgefühle werden so quadriert beim Partner und ernsthafte Diskussionen im Keim erstickt. Untergräbt auch komplett das Vertrauen in den Partner und die Beziehung. Eigentlich sollte man in einer Beziehung ja ein Team sein. Beim Proxy recruitment verbündet sich der Maipulator aber gegen den eigenen Partner.

Habt ihr auch eine Top 5?

Was unterscheidet destruktive Beziehungen von normalen Beziehungen?

Der Abstand zu meiner destruktiven Beziehung wird immer größer und mittlerweile lebe ich auch wieder in einer Beziehung, die in meinen Augen größtenteils gesund und normal ist. Mir ist dabei klar, dass es ungefähr so viele normale Beziehungen auf dieser Welt gibt, wie es Einhörner gibt. Ich meine hier „normal“ in dem Sinne, dass keiner der Partner kontinuierlich unter der Beziehung leidet.
Mir ist ein echt gravierender Unterschied zwischen normalen und destruktiven Beziehungen aufgefallen, den ich fairerweise mit meiner Umwelt teilen möchte:

Normale Beziehungen durchlaufen Phasen – destruktive Beziehungen bleiben stecken

In gesunden bzw. normalen Beziehungen gibt es eine fortlaufende Entwicklung: Kennenlernen – Verliebtheitsphase – Festigen der Beziehung mit wachsendem Vertrauen – gemeinsame Zukunftspläne. Will man das ganze noch grober unterteilen könnte man es auch in Verliebtheits-  und Liebesphase unterteilen. Klar ist, dass das ganze nicht stromlinienförmig ablaufen muss und es auch immer wieder Rückschläge gibt.  Und auch gesunde Beziehungen können scheitern und tun das auch zuhauf. Dabei gibt es unzählige Gründe wie z.B. recht offensichtliche: der eine Partner ist Veganer und der andere leidenschaftlicher Jäger. Oder weniger offensichtliche: ein Partner ist HSV-Fan und ist davon überzeugt, dass der HSV in den nächsten 5 Jahren Meister wird und der andere ist Realist und möchte niemanden an seiner Seite haben, der ewig in Traumwelten gefangen ist. Oft gibt es auch einfach grundlegende Unterschiede, Ansichten oder Ziele für die eigene Zukunft.

Ich bin der Meinung, dass alle diese Phasen einer Beziehung ihre Berechtigung haben. Dieses Kennenlernen eines fremden Menschen ist komplett spannend. Dieses ganze Spiel beim Daten und die spannende Frage, ob der andere einen mag oder nicht. Verliebtsein ist sowieso der Knaller. Aber: auf Dauer muss sich die Beziehung weiter entwickeln, wenn man mich fragt. Auf Dauer unsicher sein, ob der andere einen mag oder nicht, ist aufregend und anfangs ist die Unsicherheit nicht so dominant wie die positiven Seiten. Aber ohne Gewissheit kein Vertrauen in den anderen und die Beziehung. Und diese Ungewissheit ist dauerhaft nicht zu ertragen. Am Ende kann man nicht immer im Rausch der Verliebtheit verweilen und ohne Netz und doppelten Boden durch die Welt stolpern. Das mag auf den 1. Blick traumhaft wirken: diese alles verzehrende Liebe ohne Grenzen. Jedoch braucht man mMn auch Gewissheiten, wie z.B. der andere mag mich dauerhaft.

Destruktive Beziehungen haben außer der Verliebtheit nicht wirklich viel zu bieten, wenn man das Ganze mal nüchtern und realistisch betrachtet. Dadurch sind die spannend und Verliebtheit ist auch ohne Zweifel großartig. Jedoch sind neben diesen offentsichtlich guten Seiten, wie angenehme und belebende Gefühle, Beziehungen auch deshalb so wertvoll, weil man zur Ruhe kommen kann und einfach mal man selbst ist.
Destruktive Beziehungen wirken auf den ersten Blick spannend und aufregend. Die traurige Wahrheit ist jedoch oft, dass sich die Beziehung einfach nicht weiter entwickelt und man in den 1. Phasen stecken bleibt. Kennenlernen  und Verlieben ist noch drin, aber bei destruktiven Beziehungen von Liebe zu sprechen, halte ich für Blödsinn. Da man nie sicher sein kann, ob der andere einen mag, wirkt es oft so, als würde man den anderen immer wieder neu erobern müssen. Zu Anfang ist das auch sauspannend, aber auf Dauer wird es lahm und ist einfach nur unfassbar kräftezehrend. Einmal den Mount Everest besteigen, ist sicher ein Highlight im Leben. Als professioneller Sherpa immer wieder das Gepäck der Touris auf den Everest schleppen, ist irgendwann einfach nur viel Geschleppe.
Liebe heißt für mich den anderen komplett akzeptieren und vertrauen. In destruktiven Beziehungen herrscht aber Misstrauen vor und mindestens ein Partner akzeptiert im besten Fall nur die postiven Seiten des anderen. Daher bleibt auf Dauer nur eine leere Beziehungshülle ohne Inhalt. Während gesunde Beziehungen weiter wachsen und auch ohne rosarote Brille überleben können, fehlt ungesunden Beziehungen der notwendige Unterbau und alles bricht irgendwann in sich zusammen.

Was habe ich da eigentlich geschrieben?

In letzter Zeit hatte ich viel um die Ohren und habe daher wenig hier geschrieben. Aber ich habe mir mal die Tage mal die Zeit genommen und habe mir meine Seite mal durchgelesen. Frei nach dem Motto: Gilt mein Geschwätz von damals auch heute noch? Definitiv JA!

Ich hätte zwar manche Sachen anders aufgebaut und vielleicht anders formuliert, aber im Großen und Ganzen bin ich doch zufrieden. Und inhaltlich kann ich da absolut hinterstehen und vertrete diese Ansichten auch heute noch. Für mich ein gutes Zeichen, dass ich ehrlich zu mir selbst war, als ich das meiste hier geschrieben habe.

So eine destruktive Beziehung wie ich sie hatte, hinterlässt Spuren und wirkt nach. Es ist ein traumatisches Erlebnis und daher wäre es in meinen Augen auch vermessen etwas anderes zu behaupten. Aber ich bin so unendlich froh wieder bei mir anzukommen und nicht mehr diesen unerträglichen Druck zu verspüren. Ich habe für mich auch ein paar goldene Regeln gefunden, die mir heilig geworden sind: Selbstschutz, 100%ige Selbstehrlichkeit und Vertrauen in meine Wahrnehmung. Sobald ein anderer daran kratzt und mir einreden möchte, dass meine Wahrnehmung das Problem ist, schrillen meine Alarmglocken. Oder wenn ich merke, dass ich mich nach jedem Treffen mit einer Person komplett erschöpft und ausgelaugt fühle. Und auch bei manch anderen Dingen, die ich wahrnehme bei einigen Mitmenschen. Dazu werde ich mich in Nachfolgebeiträgen befassen.

Schön für mich zu sehen war auch, dass es Menschen gibt, die für mich da waren in dieser bitteren Zeit. Denen ich auch 1000x die Platte vorspielen konnte und die mein Gedudel ertragen haben. Mehr Zuneigung geht echt nicht, denn ich stelle mir das unerträglich vor, wenn jemand immer und immer wieder das gleiche erzählt.

Heute bin ich aus dem gröbsten raus, auch wenn ich manchmal noch Nachwirkungen spüre in Form traumaartiger Flashbacks. Meist wird das ausgelöst durch irgendeinen stupiden Trigger und ich muss viel mehr auf mich achten als vor der Beziehung und brauche deutlich mehr Erholung (körperlich, aber vor allem emotional). Aber es geht voran und ich kann daher jedem nur Mut machen: Es wird wieder! Was man dafür braucht ist in meinen Augen Geduld, Selbstmitleid, Selbstvertrauen und die Kraft wirklich ehrlich zu sich selbst zu sein.

Umgang mit Narzissten

Seit dem 11. März 2015 habe ich diesen Beitrag als Entwurf drin stehen…Umgang mit Narzissten. Der ist auch eigentlich ganz nett geschrieben, wenn man mich fragt und ich habe den trotzdem noch immer nicht veröffentlicht. Werde ich in der Form auch nicht, habe ich jetzt endgültig beschlossen. Somit landen etwa 800 Wörter im virtuellen Nirvana.

Warum? Weil ich da nicht hinter stehe, was da drin steht. Immer wenn ich auf Infos zum Umgang mit Narzissten stoße, stehen da so nett gemeinte Allgemeinplätze drin: Grenzen setzen und nicht auf Manipulationsspielchen einsteigen. So was in der Art habe ich da auch rein geschrieben, aber inzwischen bin ich davon nicht mehr überzeugt. Wenn ich als Sohn eines in meinen Augen extrem narzisstischen Menschen so etwas lese, denke ich mir meinen Teil. Und zwar: nett gemeint, aber ist nett nicht die kleine Schwester von…ähm…Man kann manchen Leuten keine Grenzen setzen. Oder besser ausgedrückt: es gibt Leute, die reißen jede Grenze ein. Da kann man noch so vehement Grenzen setzen. Es gibt so extrem entgrenzte Bulldozer, da hilft nur die Flucht, um sich effektiv zu schützen. Und auf Manipulationsspielchen nicht zu reagieren ist für mich zuweilen schwer bis unmöglich. So manche bittere Praline kann ich einfach nicht wortlos schlucken. Für mich sollte immer der Selbtschutz an erster Stelle stehen und daher ist bei manchen Menschen einfach Distanz so viel gesünder, wenn man mich fragt. Und das Vorhaben einem Narzissten Grenzen zu setzen ist in etwa so erfolgsversprechend wie ein schickes Paar Männersandalen zu finden. Grenzen mit Narzissten und schicke Männersandalen kenne ich beides maximal vom Hörensagen, aber halte ich für real nicht existent. Also so was wie Bielefeld, aber jetzt schweife ich endgültig ab…

Ich kann jedenfalls niemandem Tipps geben. In meiner ursprüngliche Version des Artikels stand auch noch so was wie keine Schwächen zeigen und die verbale Keule raus holen. ABER: Kann jemand ernsthaft einen Kontakt in der Art wollen? Mir hat meine Therapeutin mal was gesagt und zwar:

Sie können dann Umgang mit einem ausgewachsenen Narzissten haben, wenn sie es schaffen mit ihm wie mit einem geistig Behinderten zu kommunzieren.

Ich habe da lange drüber nachgedacht und fand das am Anfang auch extrem. Aber ich muss sagen, dass wäre der einzige für mich denkbare Umgang mit Narzissten. Einfach nichts ernst nehmen und alles abtun als geistigen Diarrhoe. Dabei aber keine schlechten Gefühle aufkommen lassen, denn immer dran denken: der Mensch gegenüber kann einfach nicht anders.

Ehrlich gesagt kann ich persönlich aber nicht mal das umsetzen. Ich kann noch nicht akzeptieren, dass mein Vater vielleicht einfach nicht anders kann und es keine Frage des Wollens (oder Willens) ist. So weit bin ich noch lange nicht und ich mache mir auch keinerlei Druck, dahin zu kommen. Ich fahre gerade sehr gut damit, keinen Kontakt mehr zu haben. Ist deutlich stressfreier für mich so. Daher ist das mein persönlicher Tipp im Umgang mit Narzissten: Weniger ist mehr!

Ehrlich zu sich selbst sein

In meinem letzten Beitrag habe ich es schon angesprochen und ist für mich eine goldene Regel geworden: ehrlich zu sich selbst sein. Denn für mich liegen die Vorteile auf der Hand. Man kann ernsthaft an sich arbeiten und seine Baustellen und Problemchen analysieren. Das Verbleiben in einer destruktiven Beziehung hat meiner Meinung nach auch viel mit Selbstbeschiss zu tun. Denn man zwingt sich negative Dinge auszublenden und ignoriert, wie schlecht es einem geht. Hier kann ein Reality Check von Zeit zu Zeit ein effektives Tool sein, um so einer Sache in Zukunft vorzubeugen bzw. rechtzeitig auszusteigen. Wirkt auf den ersten Blick auch denkbar einfach und logisch mit dem ehrlich zu sich selbst sein. Die Umsetzung ist nur gar nicht mal so einfach und für manche scheinbar unmöglich. Die größten Spielverderber, die ich bisher kennengelernt habe, sind ein zu schwaches Selbstwertgefühl und die psychischen Abwehrmechanismen, die man besitzt. Beide Punkte bedingen sich auch irgendwie gleichzeitig und gehen ineinander über.

Schwaches Selbstvertrauen

Das ist irgendwie offensichtlich. Wenn man sich nicht so prickelnd findet, artet jede Form von Selbstkritik schnell mal ins absolute Selbstbashing aus und man schießt weit übers Ziel hinaus. Geht wohl jedem manchmal so, aber Menschen mit schwachem Selbstvertrauen dauerhaft. Das macht es dann umso schwerer ehrlich mit sich selbst umzugehen, da viele zum überkompensieren neigen. Und dadurch sich, ihre Fähigkeiten und täglichen Angewohnheiten chronisch positiv überschätzen und so verhindern an sich selbst zu arbeiten. Der Narzisst lässt grüßen…

Abwehrmechanismen

Das ist ein echtes Brett und de facto nicht zu umgehen. Jeder Mensch besitzt Abwehrmechanismen, die das Ich schützen und so wird manche Wahrheit, die einfach nicht wahr sein darf, geflissentlich ignoriert. Temporär oder dauerhaft. (Wer sich für die verschiedenen psychischen Abwehrmechanismen interessiert, klicke einfach hier) Eigentlich ist so ein geistiger Torwart davor echt praktisch, damit man psychisch nicht komplett auseinander bricht. Allerdings denken dadurch viele Verrückte und normal Verrückte, sie seien halt nicht verrückt. Sondern alle anderen. Und so wird munter Ping Pong in der Schuldfrage gespielt und auf andere mit dem Finger gezeigt.

Das Wissen um diese Mechanismen hat mir  in mancherlei Hinischt geholfen. Zum Einen hilft es mir meine eigene Überheblichkeit anzuerkennen. Ja, auch ich muss feststellen, dass meine Wahrheit verdammt nochmal subjektiv ist und mich meine Psyche schützt vor so mancher unbequemen Wahrheit. Schön zu sehen war, dass nach meiner Borderline Beziehung das ganze Ausmaß nur stückweise in mein Hirn durchgedrungen ist und mir mein Hirn immer nur so viel Schmerz auf einen Schlag verpasst hat, wie ich zu verarbeiten im Stande war. Der Mechanismus der Verdängung lässt grüßen, den ich – by the way – super finde. Neben der Erkenntnis, dass meine Wahrheit nur ein Ausschnitt und gefiltert ist, hilft es mir außerdem nachischtiger mit meinen Mitmenschen zu sein. Von außen betrachtet scheint immer alles klar und logisch. Aber das viele Leute ihre eigenen Probleme nicht sehen und ihr Verhalten entsprechend ändern, liegt oftmals daran, dass sie einfach nicht können. Unsere eigene Psyche schützt uns vor den Wahrheiten, die nicht sein dürfen. Weil sonst das System zusammenbricht und wir als Menschen nun mal auf Überleben getrimmt sind. So habe ich anerkannt, dass nicht jeder die gleichen Möglichkeiten zur Reflexion hat. Der eine ist mehr und der andere weniger beschränkt, aber beschränkt sind wir alle. Und wenn der Blick nach innen schlicht zu schmerzhaft ist, macht das wohl niemand auf Dauer mit.

Retrospektive

Nachdem meine destruktive Beziehung schon länger zurückliegt, blicke ich mal wieder zurück auf die Zeit und kann wirklich sagen: die Trennung war das beste an dieser Beziehung. Ansonsten war es wirklich eine bitterböse Erfahrung für mich, die ich niemals wiederholen möchte. Daher ist es mir so wichtig diese Erfahrung sauber aufzuarbeiten. Das ist nicht einfach nur etwas, dass man mal eben abhaken sollte, wenn man mich fragt. Denn so eine Beziehung ist wirklich gefährlich für die geistige und körperliche Gesundheit. Es lohnt sich auch seine eigenen Baustellen anzuschauen. Und hier half es mir einfach wirklich ehrlich zu mir zu sein.

Ich bin immer noch nicht dankbar für die Zeit oder danke meiner Ex. Mir geht es wieder gut, weil ich die richtigen Schlüsse gezogen habe. Ich habe mich wieder auf mich konzentriert und sortiert was meine „Probleme“ sind und was nur Projektionen waren. Für mich ist es einfach nur spooky, wenn ich daran denke, mit wem ich da mal zusammen war.

Ich habe nach der Trennung Dinge getan, die mir gut tun. Dazu zählten Gewohnheiten, die ich schon früher beherrscht habe und die mir wissentlich gut tun:

  • Sport
  • gesundes Essen
  • aufhören zu rauchen

Was gut ist an so einer destruktiven Beziehung. Es werden die eigenen Baustellen extrem vergrößert deutlich. Ich habe mir die Mühe gemacht diese ehrlich anzuschauen. Und habe für mich rausgefunden, dass vor allem meine Impulskontrolle und Fähigkeit zur Geduld durchaus ausbaufähig ist. Daher habe ich auch neue Aktivitäten integriert:

  • Tagebuch schreiben
  • Yoga
  • Meditation

Vom Meditieren bin ich wirklich mehr als begeistert, weil ich wirklich mehr mit mir in Kontakt trete seitdem und sich meine Impulskontrolle deutlich verbessert hat. Noch vor einem Jahr hätte ich das als absolten Weicheierkram abgetan, aber heute merke ich, dass es sich lohnt, manchmal auch ungewohnte Sachen zu testen.

Wie man es schafft zur zwischenmenschlichen Vollkatastrophe zu werden

Wer kennt sie nicht, die Mitmenschen mit denen ein Miteinander so angenehm ist wie zu enge Schuhe tragen oder Videos gucken mit asynchroner Tonspur.
Hier mal meine Top 10 der Eigenschaften, die man sich antrainieren kann, um seine Mitmenschen in den Wahnsinn zu treiben. Für weitere „crazy-making“ Eigenschaften bin ich dankbar und die können gerne als Kommentar gepostet werden:

  1. Gib deinen Mitmenschen permanent die Schuld an wirklich allem. Spiel das Opfer in jeder Situation, um dir wahre Freunde zu machen.
  2. Wollen deine Mitmenschen sachlich diskutieren, werde sofort persönlich, wenn dir die Argumente ausgehen.
  3. Sage nie direkt, was du fühlst. Jeder hat gerne Kontakt zu passiv-aggressiven Menschen. Denn so ein wütendes und trotziges Kleinkind im Erwachsenenkostüm ist ein traumhafter Begleiter in jeder Lebenslage.
  4. Hat jemand etwas getan, was dir nicht gepasst hat, sag ihm das keinesfalls direkt. Strafe ihn mit Schweigen und verlange von ihm deine Gedanken zu lesen.
  5. Deine Bedürfnisse kommen an allererster Stelle. Dass andere Menschen ebenfalls Bedürfnisse haben, irritiert dich.
  6. Dreh dich im Kreis bei Argumentationen und bringe immer wieder die gleichen Themen und Argumente an. Alle deine Mitmenschen schätzen Monotonie sehr und hören sich die immer gleiche Platte nur allzu gerne auch zum 1000. Mal an.
  7. Rede nur von dir und höre anderen nicht zu. Wagt es jemand von sich zu sprechen, dann antworte mit catchy Phrasen: erzählt dir jemand von seiner Essstörung, erwähne hungernde afrikanische Kinder. Sagt dir jemand er sei depressiv, entgegegne einfach, dass traurig gucken das ganze auch nicht besser macht usw.
  8. Wenn es zum Konflikt kommen könnte, vermeide ihn, indem du lügst.
  9. Definiere die Realität deiner Mitmenschen. Hast du dich wie die Axt im Walde verhalten und der andere ist irritiert wegen deinem Verhalten, zeig keinerlei Einsicht. Sag dem anderen, er sei einfach zu sensibel. Da du ein gottähnliches Wesen bist, bestimmst allein du, was deine Menschen zu fühlen, glauben und denken haben.
  10. Nimm alles ernst und verstehe keinen Humor.

Gefühle und die Gefahr von emotionalem Missbrauch

In meinem letzten Beitrag zum Thema Gefühle habe ich beschrieben, wie traurig es ist, dass sich so viele Menschen nicht trauen, zu ihren Gefühlen zu stehen. Und so traurig der Umstand auch ist, so verständlich finde ich ihn doch auch auf der anderen Seite. Denn wenn wir wirklich zu unseren Gefühlen stehen, zeigen wir unser wahres Ich. Wir können die coole Fassade immer aufrecht erhalten, wenn wir wollen. Wir können Beziehungen, Freundschaften und Sex mit anderen Menschen haben ohne wirklich unsere wahren Gefühle zu offenbaren. Erst wenn wir unsere Gefühle offenbaren, stehen wir einem anderen Menschen wahrhaftig nackt gegenüber. Ich muss echt schmunzeln, wenn ich das so schreibe. Noch vor 1 Jahr hätte ich den Verfasser solcher Zeilen wahrscheinlich als waschechten Waschlappen bezeichnet, der sich mit Mädchenkram beschäftigt. Bevor ich in einer Missbrauchsbeziehung war, war ich solchen Themen gegenüber nicht wirklich aufgeschlossen. Erst durch diese „Beziehung“ habe ich erfahren, was mit Einem passieren kann, wenn man nicht auf seine Gefühle vertraut und wie es sich anfühlt, wenn man emotional missbraucht wird.

Und das erklärt für mich auch, warum es wichtig ist, nicht jedem sein Innerstes zu offenbaren:

  1. Nicht jeden interessiert es, was man gerade fühlt. Wenn jemand z.B. der Penny-Verkäuferin erzählt, dass er gerade ganz schrecklich unter Verlustangst leidet, schafft er dadurch sicherlich keine tiefe zwischenmenschlich Begegnung. So ein Verhalten zeugt eher von mangelhaft ausgeprägten persönlichen Grenzen bzw. er verletzt damit sogar die Grenzen des Anderen, der damit verständlicherweise nichts anfangen kann. Ein derartiges Verhalten schreckt das Gegenüber verständlicherweise ab und zeugt nicht gerade von Taktgefühl. Daher denke ich, dass Gefühlsäußerungen der jeweiligen Beziehung angemessen sein sollten. Meiner Freundin kann ich sagen, wenn mich ihr Verhalten verletzt. Genauso kann ich ihr sagen, dass ich es liebe, wenn sie dieses und jenes macht. Meinem Fitness Studio Kumpel kann ich sagen, dass es cool ist, mit ihm zusammen zu pumpen. Ich würde allerdings nicht sagen, dass ich eifersüchtig bin, wenn er mit einem anderen Bankdrücken macht.
  2. Man wird verletzbar, wenn man seine Gefühle offenbart. Da ist der wohl entscheidende Grund, warum es einem so schwer fällt zu seinen Gefühlen zu stehen. Wenn man seine Gefühle offenbart und sein Innerstes gezeigt hat, begibt man sich stets in Gefahr, abgelehnt zu werden. Ich finde es dabei gar nicht schlimm, wenn jemande meine Gefühle nicht verstehen kann. Sind ja auch meine und daher ist es verständlich, dass der andere das nicht so fühlen und verstehen muss. Reicht mir schon, dass er mich mit meinen Gefühlen stehen lassen kann und akzeptiert, was ich fühle. Bitter wird es dann, wenn die Gefühle vom Gegenüber als krank abgestempelt werden. Sollte das regelmäßig vorkommen, sollte man sich von der Person so gut es geht entfernen. Denn emotionale Missbrauchstäter sind gefährlich fürs eigene Wohlbefinden und kontinuierlicher emotionaler Missbrauch kann das Selbstwertgefühl empfindlich verletzen.
    Schwierig wird es stets dann, wenn man in einer nahen Beziehung zu einem Missbrauchstäter steht. Es gibt ja Menschen, die propagieren, dass einen nichts treffen darf, was andere sagen oder tun. Aber wir sind nun mal Menschen und damit soziale Wesen. Und daher spielen gerade unsere nahen Beziehungen eine Rolle und hier trifft einen emotionalen Missbrauch umso härter. Wenn einen das nicht trifft, zeugt das mMn eher von Gefühlskälte und mangelndem Interesse am Anderen als von Stärke oder Selbstvertrauen. Daher habe ich für mich folgende Regel aufgestellt: Wertet der andere kontinuierlich meine Gefühle ab, gehe ich zum Selbstschutz auf Distanz zu dieser Person. Wenn ich diese Person nicht komplett aus meinem Leben ausschließen kann, belasse ich es bei oberflächlichem Kontakt. Mehr geht aber nicht mit solchen Kandidaten.